Attachment Parenting

Attachment parenting. (Im Verlauf "AP")

Irgendwie in aller Munde. Gerade habe ich einen sehr kontrovers diskutierten Beitrag in Die Zeit darüber gelesen. Ich hab oft überlegt auch mal meine Meinung zu diesem Thema abzugeben. Schließlich habe ich auch zwei Zwockel. Wie habe ich das gemacht? Wie erzieht eigentlich die Massa? Ich glaube nicht, dass es hierfür einen Fachbegriff gibt. Nennen wir es also 'Bunter Mix', von allem das für uns Beste. Oder: 'Nach Bauchgefühl'. Aber was heißt das genau? Natürlich schwingt da einiges mit, was ich selbst als Kind erlebt habe. Also das verteufelte "zählen" zum Beispiel.

"Die Mama zählt bis drei!!"

"Wenn...dann"-...auch so ein leidiges Thema. Aber ja, auch das gibt's bei uns. Wir haben Regeln und logische Konsequenzen bei Nichtbefolgen. Wer aus der Reihe tanzt, wird bestraft. Ich weiß, das schockt jetzt maximal. Aber die Massa ist keine Richtlinie, oder Vorbild. Die Massa ist ne pupsnormale Muddi, so wie ihr auch. Und vieles würde ich auch gerne, wie "ihr" sagt, besser machen. Fakt ist aber, wenn hier jemand seinen vollen Essensteller an die Wand schmeisst, muss er direkt den Tisch verlassen. Sitzt dann bei offener Tür auf dem Hocker im Gästebad und darf nachdenken. Grausam? Bestimmt. Der Kleine wollte sich wahrscheinlich nur ausprobieren. Oder seine Grenzen testen. Oder war sauer, weil etwas auf seinem Teller nicht so wollte, wir er. Aber ich dulde das nicht. Genausowenig wie schlagen. Haut sie ihrem kleinen Bruder die Schippe auf den Kopf, geht's auf den Hocker.Punkt.

30sek später kommt die Frage: "Bist du wieder lieb? Dann darfst Du wiederkommen." Ich gehe mit meinen Kindern nicht so um, wie mit meinem Partner. Stimmt. Sie sind nicht meine Freunde. Sie sind meine Kids.

Trotzdem handle ich bedürfnisorientiert. Trotzdem entwickle ich mich weiter. Wurde Kind 1 nach der Uhr gestillt und mit 7.5 abgestillt, ließ ich Kind2 immer ran, bis er mit 13M nicht mehr wollte. Ich habe beide Kids getragen, aber ich hatte auch einen Kinderwagen. Ich würde nie auf die Idee kommen, mich dafür zu schämen. Es ist einfach nicht möglich ein Neugeborens und ein 14Monate altes Baby ohne ihn auf Dauer zu transportieren. Und da sind wir schon beim Thema. Schämen.

Was mich an manchen AP Verfechtern massiv stört, ist dass sie den anders lebenden Müttern ein Dauerschlechtesgewissen einreden. Selbst die eigenen Jünger schämen sich am Ende des Tages, wenn sie etwas "falsch" gemacht haben. Wenn sie sich nicht genug geopfert haben. 

Versteht mich nicht falsch, bitte. Jeder darf seine Kinder so großziehen wie er will. Ich plädiere nur für Selbsterhaltung. Geht ruhig an Eure Grenzen, dem Kindeswohl zu Liebe. Aber steht auch dazu, wenn tuk ist. Hört auf euch zu verlieren in der Mutterrolle. Hört auf euch zu vergleichen. Hört auf dem Instagram Hype zu folgen und abends frustriert im Chaos zu ersticken. 

Ihr kennt eure Mäuse am Besten. Ihr wisst, was sie brauchen.  Gebt es ihnen, im Rahmen eurer ureigenen Kapazitäten und Ressourcen. Aber kopiert keinen Lebensstil oder Erziehungsstil, nur weil das gerade In ist.

Ich finde das Konzept von AP grundsätzlich toll und habe mir unwahrscheinlich viele Dinge daraus abgeguckt. Aber auch der Erziehungsstil der Vorkriegszeit hat ein paar Grundsätze, die ich übernommen habe und lebe, weil das so, gut zu uns passt. 

Fazit:

Ich habe glückliche, zufriedene, ausgeglichene Kinder. Die ich erst dann in eine Fremdbetreuung geschickt habe, als ich selbst an meine Grenzen stieß. Als Mutter und vor allem als Frau. Ich habe mich dabei nicht an anderen orientiert, sondern nur so gehandelt, dass es für mich, in meiner Blase, in Ordnung ist. Ich würde mir niemals anmaßen eine andere Mutter oder ihren Erziehungsstil zu kritisieren. Denn am Ende des Tages, offline, hat sie ihre Plagen am Hals, nicht ich. Wir haben hier auch schwere Phasen und schlechte Nächte. Aber das schiebe ich keinem Erziehungsstil in die Schuhe. Das gehört einfach dazu, wenn man mit Kindern zusammenlebt. Wenn bei uns etwas nicht rund läuft, dann setze ich auf Selbstreflektion und versuche, zum Wohl von uns allen Vieren, die Situation zu ändern. 

Manchmal habe ich das Gefühl ich sitze auf meinem Gartenstuhl und schaue euch (online) dabei zu, wie ihr euch gegenseitig kritisiert, abmahnt und zerfleischt. Während meine eigenen Kinder unten im Garten spielen. Mit sich, ohne dass ich ständig präsent sein muss. Niemals bin ich die bessere Mutter. Niemals sind meine Kinder glücklicher als andere. Wir vier sind einfach zufrieden mit dem was wir haben. Wir vergleichen uns nicht mit den Nachbarskindern. Wir versuchen nicht unseren Erziehungsstil, als das Nonplusultra, anderen aufzudrücken.

Ich gebe mir im Rahmen meiner Möglichkeiten die beste Mühe meine Kinder zu anständigen, liebevollen, Geschöpfen zu erziehen. Und wenn ich den Erziehern, Bekannten und der kritischen Schwiegermutter, Glauben schenken darf, ist mir das bisher gut gelungen.

"Warum schreibt die Massa jetzt diesen wirren Text?" Weil ich ihn schon so oft geschrieben habe, vom Fazit her. Mit anderen Themen, aber immer der gleichen Botschaft. 

Hört auf euren Bauch. Nicht auf jeden Ratgeber, egal ob er in Buchform propagiert oder auf dem Spielplatz neben euch sitzt. Und wenn ihr euer Ding gefunden habt und davon komplett überzeugt seid, dann dürft ihr gerne davon erzählen. Aber nehmt Abstand davon andere Mütter zu diffamieren. Bitte hört endlich auf euer Umfeld zu verunsichern, unter dem Deckmantel das Weltverbesserers.

32 Kommentare

Nein, ich mag nicht trinken. Anzeige

WOW Fact: Der Körper Ihres Kleinkindes besteht zu 75% aus Wasser.

 

mehr lesen 1 Kommentare

Husten-meine Hausmittelchen und Medis

Nichts quälte uns in den letzten sechs Wochen so sehr wie Husten. Immer wenn wir dachten: jetzt wird es besser, ging es von vorne los. Auf Instagram erzählte ich davon und schnitt kurz an, was wir hier zu Hause gegen Husten und zur Linderung verabreichen. Seit dem häufen sich Eure Fragen in derartigen Massen, dass ich beschlossen habe einen eigenen Blogpost zu diesem Thema zu schreiben.

 

Wichtig: mein Beitrag ersetzt keinen Arztbesuch und die Erfahrungen, die ich bei meinen Kindern gemacht habe, sind nicht in Stein gemeißelt und auf andere Babys 1:1 umsetzbar. Für Eure Anmerkungen und Erweiterungen bin ich dankbar. Ihr dürft mir hier gerne kommentieren.

 

mehr lesen 7 Kommentare

Ich dachte mein Kind stirbt

Ja, die Überschrift dieses Blogposts, den ich für Irina verfassen darf, klingt heftig!

Aber genau das war mein erster Gedanke, als ich unseren kleinen Sohn Noah Lias am 12. Januar 2016 krampfend im Kinderzimmer seiner Schwester auffand.

Noah war bis zu dem Tag ein scheinbar völlig gesundes Kind und unser Leben, bis auf den normalen täglichen Wahnsinn, einfach schön. Schön ist es immer noch, aber es begleitet uns seit jenem Tag eine permanente Angst und Sorge um unseren kleinen Sohn.

An dem schicksalhaften Tag schlief Noah morgens länger als sonst. Im Nachhinein können wir uns denken, das er schon im Schlaf einen grossen ( Grand Mal ) Anfall gehabt haben muss. Nach so einem Krampf sind die Kinder so erschöpft, als hätten sie einen Marathonlauf absolviert.

Der Vormittag verlief zunächst wie gewohnt. Ich versorgte Haushalt und die Kleinen und hatte im Hinterkopf, das ich den Grossen zum Praktikum fahren musste. Kurz, bevor ich Jacken und Mützen zusammensuchen wollte, fiel Noah kopfüber auf eine Schwelle zwischen Wohnzimmer und Küche. Trotz kühlen konnte man förmlich zuschauen, wie die Beule wuchs. Ich tröstete den armen Drops und zog die Kinder an, als er sich beruhigt hatte. Auf der kurzen Fahrt zur Praktikumsstelle unseres Ältesten schlief Noah im Auto ein. Ungewöhnlich für ihn, aber ich schob es auf die Erschöpfung durch das heftige Weinen und liess ihn schlafen.

Heute, nach einem Jahr unzähliger Gespräche mit Ärzten, wissen wir, das auch der Sturz ein epileptischer Anfall war. Das Fallen aus heiterem Himmel mit teilweise kurzem Ausfall des Bewusstseins nennt man atonischen Anfall.
Nachdem wir wieder zu Hause angekommen waren, spielten wir und es passierten keine weiteren auffälligen Vorfälle.
Gegen Mittag nahm ich Jonna, unsere jüngste Tochter, zu dem Zeitpunkt 9 Monate alt, auf den Arm und setzte sie in der Küche in ihren Hochstuhl und schnallte sie an. Anschliessend ging ich in ihr Zimmer, in dem Noah und unser Pflegesohn noch spielten. Den Anblick, der sich mir bot, wird ein Leben lang in meinem Kopf verankert sein.

Noah lag auf der Seite. Speichel lief ihm aus dem Mund. Sein kleiner Körper zuckte rhytmisch. Mir gingen in Bruchteilen von Sekunden tausend Dinge durch den Kopf. Ich dachte, er hätte, verursacht durch den Sturz am Vormittag, Hirnbluten und schrie auf. Ich dachte, mein Kind stirbt. Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie eine solche Angst, so eine Panik. Ich schrie immer noch völlig hysterisch, als ich ihn auf den Arm nahm und zum Telefon lief. Jonna sass in ihrem Stuhl, der Rabauke schaute mich ängstlich an, weil er mich so aufgelöst noch nie erlebt hatte und die Situation nicht erfassen konnte. Das konnte ich ja selbst nicht. Das Telefon in der Hand und dem völlig erschöpften Kind auf dem Arm versuchte ich mich an die Notfalltelefonnummer zu erinnern. Sie war weg, einfach weg. Nach einer gefühlten Ewigkeit fiel sie mir endlich ein. Mit zitternden Händen und schweissgebadet wählte ich die Nummer und schrie in den Hörer, als am anderen Ende der Leitung die Stimme des Angestellten der Rettungsleitstelle ertönte. Ziemlich schnell gelang es ihm, mich zu beruhigen, indem er mir klar machte, das er mir nur helfen könne, wenn ich ihm in Ruhe schildere, was passiert sei. Er versicherte mir, das der Rettungswagen gleich da sein würde, blieb die gesamte Zeit am Telefon und redete ununterbrochen mit mir. Noah schlief noch immer in meinem Arm und ich hatte so unendliche Angst um ihn. Jede Mutter, jeder Vater kennt das Gefühl, in Sorge um das Kind zu sein. In Nächten, in denen hoch gefiebert wird. Nach dem ersten Sturz mit Beule als Folge. Beim Verschlucken eines Brotkrumens. Unzählige Begebenheiten und Situationen bereiten uns Eltern Angst. Aber diese Angst, die ich in diesem Moment verspürte, traf mich mit einer solchen Heftigkeit, das ich bis heute völlig überfordert mit ihr bin, wenn sie in schlimmen, anfallsschwangeren Nächten in meiner Brust eine unangenehme Enge verursacht.

Als der Krankenwagen endlich eintraf, war ich so dermassen erleichtert und trotzdem panisch zu Gleich. Leider traf ich auf einen Sanitäter, der das Einfühlungsvermögen einer Teekanne hatte und wurde schroff angewiesen, Noah auf das Sofa zu legen. Sicher, mir leuchtet ein, das es wichtig ist, das jemand in solcher Situation einen kühlen Kopf bewahrt. Aber für mich wäre ein kurzes „Alles wird gut. Wir helfen ihrem Sohn“ unglaublich wichtig gewesen. Um der Panik, die sich nach der kurzen Beruhigung während des Telefonats eingestellt hatte, Einhalt zu gebieten. Denn diese überrollte mich wieder in unbeschreiblicher Heftigkeit, während die Sanitäter Noah auf dem Sofa liegend an all mögliche Kabel anschlossen. Ich weiss heute nicht mehr, wie ich das alles geschafft habe, aber ich rief einen guten Freund an und bat ihn, zu uns zu kommen. Ich beruhigte Jonna und unseren Pflegesohn, die durch meine Unruhe und das Treiben in unserem Wohnzimmer völlig aufgelöst waren und ununterbrochen weinten. Ich suchte Krankenversichertenkarte, Trinkbecher, Schnuffeltuch und Jacke von Noah zusammen und machte mit unserem in der Zwischenzeit eingetroffenen Freund eine kurze Übergabe, damit er wusste, was er wo für die Betreuung der Kleinen findet.

Erst, als Noah in den Krankenwagen gebracht wurde, dachte ich daran, das ich ja auch noch meinen Mann informieren musste. Ich sollte in den Notarztwagen steigen und das Gefühl, nicht bei meinem Kind sein zu dürfen, war schrecklich. Ich fühlte mich, als liesse ich ihn im Stich. Aber einer der Sanitäter erklärte mir, das sie für die weitere Versorgung Ruhe bräuchten und ich immer noch zu aufgewühlt wäre. Also setzte ich mich weinend und zitterrnd in den Wagen und wählte die Nummer meines Mannes. Ich glaube, ich stammelte nur wirres Zeug, aber als wir an der Klinik ankamen, stand er schon in der Auffahrt. Ich sah ihm an, das er auch geweint hatte. Er nahm mich in den Arm und gemeinsam mit den Sanitätern, die unseren kleinen Sohn auf der Trage schoben, betraten wir die Klinik. Wir wurden in einen Untersuchungszimmer gebracht und die ganze Zeit fühlte ich mich, als beobachte ich das Geschehen nur von der Seite und wäre nicht betroffen. Eine Art Selbstschutz vielleicht, um nicht zusammenzubrechen. Ich verfolgte zwar so aufmerksam, wie es irgend ging, die Untersuchung, begriff aber die Worte, die Situation, das ganze Geschehen nicht. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob eine Ärztin oder ein Arzt Noah untersuchte. Wie lange wir in dem Raum mit dem grellen Neonlicht waren. In welches Zimmer wir auf der Kinderstation gebracht wurden und was alles an Abläufen geschah. Ich kann noch genau sagen, was ich wann in welchen Schulferien gemacht habe oder welches Lied in welcher Situation lief. Aber wie sich die Zeit nach dem Eintreffen im Krankenhaus gestaltete, kann ich nicht mehr sagen. Das ganze war so unwirklich, so von unbändiger Angst begleitet, das mein Gehirn diese Dinge nicht abgespeichert hat. Ich weiss nur noch, das Noah zur Beobachtung bleiben sollte und von einem Fieberkrampf ausgegangen wurde. Mein Bauchgefühl sagte mir etwas anderes und dies wurde im Verlauf der Nacht leider bestätigt. Nach erneuten Anfällen in der Nacht wurden diverse Untersuchungen gemacht, darunter auch ein MRT in Narkose. Auch diese Geschehnisse in der Nacht kann ich nur noch schemenhaft rekonstruieren. Ich weiss noch, das ich nach dem ersten Anfall in der Klinik wieder völlig panisch wurde und mich ausserstande sah, für Noah da zu sein. Also rief ich mitten in der Nacht meinen Mann an und bat ihn, in die Klinik zu kommen. Ausserdem organisierte ich irgendwie noch die Betreuung der anderen Kinder durch eine Freundin. Was danach noch alles geschah und wie der Rest der Nacht ablief, kann ich nicht mehr sagen.

 
Noah war zum Zeitpunkt des ersten Anfalls eineinhalb Jahre alt. Ein kleiner aufgeweckter Junge, gesund und munter. Jetzt ist unser kleiner Schatz knapp drei Jahre alt. Eine wahnsinnig anstrengende Zeit liegt seit dem 12.Januar 2016 hinter uns, vor allem für Noah. Unzählige epileptische Anfälle. Unheimlich viele Krankenhausaufenthalte. Organisation der Familie, der Kinderbetreuung. Finanzielle Einbusse, da mein Mann in der Zeit nur wenig arbeiten konnte. Schlechtes Gewissen, weil für die Geschwister weniger Zeit war. Ängste, Sorgen, wieder Ängste und wieder andere Sorgen. Schlaflose Nächte, begleitet von, Entschuldigung für die Ausdrucksweise, beschissenen Anfällen. Gesprächen mit Therapeuten, um für Noah die bestmögliche Unterstützung zu erhalten. Es war eine kräftezerrende Zeit. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht das Beste daraus gemacht hätten. Und ich kann ohne Übertreibung sagen, das wir den tapfersten, süssesten, lustigsten und schnuffeligsten Sohn haben. Und heute geht es ihm den Umständen der Epilepsie entsprechend gut.

Ich wünsche keiner Mama, keinem Papa, das sie solche Erfahrungen machen müssen. Das sie solche Ängste um ihr Kind, ihre Kinder ausstehen müssen. Es klingt so abgestumpft und banal, aber glaubt mir, Gesundheit ist das Allerwichtigste.

Für Noah

 

mehr lesen 15 Kommentare

Der Babymann hat sich abgestillt

Ich habe abgestillt. Das ist jetzt sicher. Zuletzt hat der Babymann am Mittwochmorgen um 6 Uhr getrunken. Jetzt ist Montag.
Wie habe ich das gemacht, wollten viele auf Insta wissen. Ihr Lieben, es klingt vielleicht zu banal: aber ich habe gar nichts gemacht. Ich habe nur reagiert. Auf die Bedürfnisse meines Sohnes. Dafür wurde ich oft belächelt. Immerhin ist er letzte Woche 13 Monate alt geworden. Dumme Sätze wie : „Du verziehst ihn noch zum Muttersöhnchen“, durfte ich mir von schlauen Leuten anhören - aus der eigenen Familie.  Sowas lässt sich nicht mal eben so abschütteln wie einen Wachtelkommentar auf Instagram. Aber ich habe mich nicht beirren lassen. Zuletzt, weil mein Mann immer hinter mir stand. Aber von vorn.

2014 bekam ich mein 1. Kind. Ein langersehntes Wunschkind und ich wollte alles richtig machen. Von Anfang an war klar: Ich werde stillen. Schließlich ist es das Beste fürs Kind. Problemlos, von Anfang an trank die Kleine, schlief schnell durch und auch der Milchstau inkl. Fieber und Schüttelfrost mit 7 Wochen war easy-händelbar. Ich hörte auf Mutter und Schwiegermutter. Und hielt mich an die 3 Stundenregel meiner Hebamme. Das bedeutet, ich stillte nach der Uhr. Das klappt mit diesem Kind hervorragend. Bitte stellt euch jetzt nicht vor, dass ich sie schreien oder hungern ließ. Aber sie trank tatsächlich zwei Brüste komplett und bekam erst 3-5 Std. später wieder Hunger. Sonst gab ich ihr nicht die Brust. Wenn sie quengelte, trug ich sie in der Trage. Die Brust war reine Nahrungszufuhr. Mit 7,5 Monaten hieß es: „Still mal langsam ab, damit du auch wieder mehr Freiheiten hast. Gib ihr die Flasche.“ Gesagt, getan. Auch dieses Mal funktionierte alles blendend. Ich machte mir aber auch überhaupt keinen Kopf. Ich gab ihr einfach die Flasche. Sie nahm sie. Da war nichts mit Koliken oder Spuken oder Schreianfällen. Nur ich hatte ein bisschen zu kämpfen mit Doppel D voll Milch. Wärme, Salbei, Milchpumpe, Ausstreichen…. Und eine Woche später war „ die Birn geschält.“ Dann schlugen die Hormone volle Kanne zu und ich weinte und vermisste das Stillen und die Nähe. Der Maus ging‘s super. Dass ich zu der Zeit schon lang wieder schwanger war, konnte ich nicht ahnen.

Bei meinem Sohn war alles anders. Ich war anders. Ich war selbstbewusster. Ich wusste, was ich will und was ich auf keinen Fall will. Das fing schon bei der Geburt an. Hatte ich bei Kind 1 zwei Tage lang im Kreißsaal gelegen. Angekettet ans Dauer CTG, Infusionsschläuche und achtfach aufgespritzte PDA, wollte ich dieses Mal eine selbstbestimmte Geburt. Ohne Arzt, ohne Schläuche. Ich wollte zu Hause entbinden. Wie mein Sohn schlussendlich zur Welt kam, lest ihr hier.

Auch er trank vom zweiten Moment an (den Ersten war er ja bekanntermaßen im Reanimationszimmer) wie ein Weltmeister. Bis zur Diagnose einer Pylorusstenose und der einwöchigen Nahrungskarenz (lest ihr hier)mit drei Wochen. Da stand das Stillen plötzlich auf der Kippe. Im Krankenhaus hieß es: Abstillen! Sie brauchen jetzt ihre Kräfte. Das Kind darf eh nichts essen und bekommt dann zum Kostaufbau die Flasche. Nicht mit mir. Ich ließ mir eine Milchpumpe ins Zimmer bringen und stellte den Handywecker auf alle drei Stunden. Selbst wenn der Tag noch so grauenhaft und die Nacht noch so kurz war. Ich setzt mich beim Weckerklingeln auf und pumpte ab. Liter. Als es dann zum Nahrungsaufbau kam und der kleine Mann nach der OP milliliterweise Zuckerlösung bekam, probierte ich früh die Brust. Schlückchenweise. Er stürzte sich darauf. Und kaum war er angefüttert, war er wie ein wildes Tier. Aber auch diese Stunden gingen vorbei und schon am nächsten Tag konnte ich den Ärzten der Morgenvisite stolz verkünden, dass er gut trinkt. Viel trinkt. Und nicht mehr gespuckt hat.

Die folgenden Monate waren nicht leicht. Er hatte ein richtiges Krankenhaustrauma. Kaum legte man ihn auf den Wickeltisch, schrie er los. War er es doch gewöhnt , von fremden Händen untersucht und gestochen zu werden, kaum dass man ihn auszog. Er wurde zum Koala. Immer an mir, auf mir, oder an der Brust. Ich sah nicht auf die Uhr. Ich stillte ihn komplett bedürfnisorientiert. Es war hart. Er schrie viel, vor allem abends. Und kam auch nachts oft. Ich ging jedes Mal, wenn er wach wurde, in sein Zimmer und setzte mich auf den Stillsessel. Was ich nie machen wollte, war mit ihm an der Brust einzuschlafen. Doch auch meine Kräfte waren irgendwann aufgebraucht, denn morgens konnte ich nicht einfach mit ihm weiterschlafen. Die große Schwester war mit ihren 14 Monaten ab spätestens neun Uhr wach und wollte unterhalten werden. Ein paar Mal holte ich ihn zu mir ins Bett und wir schliefen stillend. Das waren aber wirklich nur Ausnahmen. Warum? Na, weil ich meinen Schlaf brauche. Ich kann sehr, sehr viel ab. Aber was nicht geht: ist Schlafentzug. Also mussten die paar Stunden effektiv genutzt werden. Und das konnte ich nicht mit grunzendem Baby neben mir. Der Babymann war das eigene Bett ja eh vom Krankenhaus gewöhnt und so war es lediglich nur für mich hart, denn ich musste alle paar Stunden, manchmal alle 20 Minuten ins andere Zimmer schlurfen.

Aber!! So war ich auch immer wach, wenn ich stillte. Ich achtete darauf, dass er auch genug trank, ordentlich Bäuerchen machte und nach zwei, drei fiesen Wochen schlief er fünf bis sechs Stunden am Stück. denn er hatte seine Ruhe. Kein sich im Bett drehender Papa, kein Husten. Kein fiepender Hund. Klar gab es trotzdem weiterhin schlechte Schubnächte. Aber das ging auch vorüber.

Zum Einschlafen bekam er auch die Brust. Aber nicht bis er wirklich weg war, sondern nur bis er müde wurde und die Augen schloss. Ich achtete von Anfang an darauf ihn nicht in den Schlaf zu stillen. Einen Schnuller nahm er nie. In dem Moment, wo er müde wurde, dockte ich ihn ab. Und schaukelte ihn. In den schlimmen Phasen half uns die Föhn-App und dann weißes Rauschen und viel Schhhhh der Mama. Ich verbrachte teilweise Stunden an seinem Bett. Wenn ich nicht mehr konnte, wechselte ich mich mit meinem Mann ab. Alle 20 Minuten. So konnten wir kurz raus, frische Luft atmen und hatten neue Kraft. Das hört sich so banal an und ist doch so wichtig.

Als der Babymann sich selbst hinsetzen konnte und Interesse an unserem Essen zeigte, ließ ich ihn. Ich stillte voll weiter. Ich las keine Ratgeber. Ich ließ es einfach passieren. Er bekam einen Plastikbecher mit Wasser und durfte auf dem rum kauen, was auf den Tisch kam. Also ich dünstete jetzt nicht stundenlang verschiedene Gemüsesorten und führte ihn in Etappen an selbst gekochte Breisorten. So kam es, dass er früh ein halbes Schnitzel verdrückte. (Baby Led Weaning) Ich zwang ihm nichts auf. Er entschied selbst. Satt wurde er garantiert. Dafür sorgte schon meine Milch. Der Rest war, zumindest am Anfang eher Spielerei. Es kamen die ersten Zähne. Zwei unten und dann direkt vier oben. Er biss mich genau einmal und nie wieder und aß jeden Tag mehr. (Ich achtete darauf, dass er weder Eiweiß noch Honig und Kuhmilch nur in Maßen bekam) Sonst gab es alles. Ich dachte mir einfach es ist am besten, jetzt wo ich noch stille, alles einmal anzutesten. Er hatte nie Verdauungsprobleme. Irgendwann wurde er satt von dem, was er da aß. Und ich gab ihm die Brust nur noch wenn es Richtung schlafen ging. Und in speziellen Ausnahmefällen. Also immer dann, wenn mein Bauch sagte: Stillen. Jetzt. Z.B., wenn wir viel erlebten, er im Schub war, Zähne kamen etc.

Dann ließ ich das Stillen auch zum Mittagsschlaf weg. Und der Babymann schaffte es tatsächlich mittags ohne Murren einzuschlafen. Ich ließ ihn aber auch wach. Also, wer um 7 aufsteht, der muss mit 10 Monaten auch bis 12 durchhalten. Klappte.  Das letzte Vierteljahr stillte ich ihn nur noch nachts. Also gegen 18 Uhr. Zwischen 2 und 5 Uhr einmal und dann gegen 6/7Uhr.

Kurz nach seinem 1. Geburtstag stieg ich morgens auf Kuhmilch um. Problemlos. Sein Darm kannte sie ja schon seit Monaten. Und nachts gab ich Wasser. Also ich bot es ihm an. Er schlug mir die NUK Flasche aus der Hand und wurde extrem wütend. Ich probierte Strohhalmflaschen. Besser. Aber auch erst nachdem er die Brust hatte. Irgendwann klappt es gut. Erst Brust, dann gefühlt ein halber Liter Wasser aus der Strohhalmflasche. Und irgendwann kam ich nachts in sein Zimmer, nahm ihn hoch und gab ihm die Wasserflasche. Er trank und ich legte ihn wieder hin. Das ist jetzt fünf Tage her. Seitdem schläft er von 18Uhr bis 6.30

Anstatt ihn morgens, wenn er wach wird zu stillen, bekommt er eine Flasche mit Kuhmilch. Wie es dazu kam? Na, es war Wochenende und ich wollte ausschlafen. Als der Babymann um sieben nach uns rief, ging mein Mann. Und der kann ja bekanntlich nicht stillen.


Ich spürte instinktiv, dass die Zeit gekommen ist. Das der Kleine Mann, der da gerade seine ersten Schritte macht, die Brust nicht mehr braucht. Aber ich wollte nicht. Ich stillte so gern. Von sich aus machte er keine Anstalten an die Brust zu wollen. Schon seit Wochen. Anfangs streckte er noch seine Ärmchen, wenn ich nackt Richtung Dusche lief und er nur die Milchbar sah. Aber das gab es auch schon eine ganze Weile nicht mehr. Das Abstillen war ein schleichender Prozess. Den Takt gab er vor. Ich reagierte nur auf seine Bedürfnisse. Mal ein Schritt vor, dann zwei zurück. Ich musste nie ausstreichen, abpumpen oder so. Die Brust hat sich durch das langsame Abstillen problemlos anpassen können. Und auch ich gewöhnte es mir langsam ab. Tagsüber fehlt es mir nicht. Abends wird es schlimm. Wenn mir bewusst wird, dass alles seine Zeit hat. Und die Babyzeit meines Sohnes nun vorüber ist. Einmal, da wollte ich es dann wissen. Ich fragte ihn so wie früher:“ Titi?“ Und klopfte auf meine Brust. Er sah erst mich an, dann meine Brust. Ich öffnete Blitzschnell meinen BH und wiederholte: „Titi?!!“. Er drehte sich zum Tisch und zeigte auf seinen Wasserbecher und sagte: “Da.“

 

5 Kommentare

Ängste in der Schwangerschaft

Es ist Mittwoch morgen. Ich sitze mit meinen zwei Kindern am Frühstückstisch.Da ertönt laut eine Sirene durchs offene Fenster. Ein RTW fährt mit Blaulicht aus unserer Straße.

Mir wird erst kalt und dann heiß. Ich höre wieder seine Stimme. Es ist ein Donnerstag, im Juni letzten Jahres. Der Rettungssanitäter fragt: “Sondersignal?“ „Ja klar, sagt der Notarzt, es geht auch um das Leben des Babys. Los jetzt! “

 

Im Juni 2015 war ich mit meinem zweiten Kind schwanger. Ida war zu diesem Zeitpunkt 11 Monate alt. An diesem Donnerstag schien die Sonne und es war angenehm warm. Gegen neun weckte mich die kleine und wir gingen zusammen duschen. Ich fütterte sie und setzte sie zum Spielen in ihr Ställchen. Nahm mir eine Tasse Kaffee und setzte mich auf die Couch. In diesem Moment stolperte mein Herz und ich musste Husten. Sofort hämmerte es wie verrückt. Ich schlug mir auf die Brust und hustete noch mal stark. Aber es blieb. Ich schaute auf die Uhr und zählte 240 Schläge. Was war das denn? Wenn mein Herz so schnell schlägt, bekomm ich dann genug Sauerstoff? Bekommt dann mein Baby im Bauch genug Sauerstoff? Life bevor Limb. Ich wurde unruhig und rief meinen Mann an. Nicht zu erreichen. Meine Mama.  Meine Geschwister glaub ich auch. Niemand ging an sein Handy.  Dann wurde mir schwindelig. Was wenn ich jetzt umkippe. Was ist mit der Kleinen? Würde mich jemand finden? Wahrscheinlich erst heute Abend, wenn mein Mann Heim kommt. Ich bekam Panik und wählte die 19222. Und drückte sie wieder weg. Nein, oh Gott. Wenn ich da anrufe gibt es kein Zurück mehr. Diese Kette, einmal ins Rollen gebracht, kann ich nicht mehr stoppen. Doch dann dachte ich wieder an mein Ungeborenes und dass es vielleicht gerade unterversorgt ist und jede Minute die ich Hilfe hinauszögere dem Kind massiv schadet. Ich rief an. Keine 3 Minuten später standen fünf fremde Menschen in meinem Wohnzimmer um mich rum und verkabelten mich, legten mir Zugänge und bombardierten mich mit Fragen. „Wie weit sind Sie. Wo ist ihr Mutterpass. Haben sie einen Maxi cosi. Haben sie mal Druckausgleich probiert. Wo ist ihr Eisfach…“ Meine kleine Tochter saß immer noch lieb im Laufstall und schaute nur zu. Mein Hund drehte vollkommen am Rad. Er wusste nicht wen er, wie zuerst beschützen sollte. Wir probierten alles aus. Valsalva Maneuver, Eiswasser trinken, Karotismassage. Mein Herz wollte nicht zurückspringen in den Sinus Rhythmus. „ Wir nehmen Sie jetzt mit.“ „Okay, dann brauch ich bitte die Wickeltasche, ein Mittags Gläschen, die Trinkflasche und den Maxicosi.“ Ein mir völlig unbekannter junger Mann nahm mein Baby hoch und schnallte es im Autositz an. Und ging, mit ihr weg. Ich wurde auf die Trage geschnallt und rausgefahren. Ich hatte schon viel mitgemacht. Aber das war echt außergewöhnlich. Ich war vollkommen außer mir vor Sorge um das ungeborene aber äußerlich ruhig und konzentriert. Ich wusste es geht hier um was. Dazu musste ich mich gar nicht erst ermahnen. Ich war absolut Profi und redete mit den Sanitätern und dem Notarzt als wären wir gerade Kollegen. Ich gab Anweisungen als hätte ich hier auch was zu sagen. Als ich aus dem Haus getragen wurde sah ich meine Mama mit ihrem Hund um die Ecke kommen. Dann passierte alles gleichzeitig. Sie sah den Krankenwagen vor unserem Haus, die vielen uniformierten Menschen, ihr Kind auf der Trage und fing sofort an zu schreien. Meine konzentrierte Ruhe in brenzligen Situationen hatte ich eindeutig nicht von ihr geerbt. Bevor überhaupt irgendwer was sagen konnte schrie ich sie barsch an:“ Mama, reiß dich zusammen. Ich brauche dich jetzt!“ Und sie schüttelt den Kopf und sagte ruhig:“ alles klar. Was soll ich tun.“ Ich: „Nimm bitte Ida zu dir und den Hund. Gefrühstückt hat sie. Mittagessen ist in der Wickeltasche. Und ruf Luke an.“  Sie: „Ja natürlich.“ Mama nahm die Kleine an sich und wandte sich dann an den Notarzt, wieder etwas lauter: Was ist denn überhaupt, was ist mit meinem Kind?“ Während ich in den RTW geschoben wurde erklärten sie ihr, dass mein Herz viel zu schnell schlagen würde und man jetzt schnell ins Krankenhaus müsste. Mein großes Kind war in Sicherheit.  Die Krankenwagentür war noch nicht richtig zu, da brach es in mir hervor. Ich weinte hemmungslos. Vor Erleichterung einerseits dass die kleine versorgt ist, dass sie nicht zuschaut, dass sie nicht mitbekommen muss was hier läuft, und ich weinte vor Angst. Nackte, echte Angst. Um mein Kind in meinem Bauch.  Der Sani schaut in den Rettungswagen:“ Fahren wir mit Sondersignal?“ „Ja klar“, sagte der Notarzt,“ es geht auch um das Leben des Babys.“  Die Türen knallten zu und wir fuhren los. Ein paar Minuten später waren wir in der Notaufnahme. Ich wurde an einen Monitor angeschlossen und das wars erstmal. Die Übergabe fand draußen statt. Die Schwester hatten zu tun. Durch die Infusion musste ich so dringend auf die Toilette. Aber es hatte keiner Zeit und aufstehen durfte ich nicht. Als der Gyn Oberarzt reinschaute zwang ich ihn mich zu befreien und ging auf die Toilette. Er wollte ein CTG und einen Ultraschall und lies mich deswegen aus der überfüllten Notaufnahme in den leeren Kreißsaal bringen. Mir sollte es recht sein. Dort lernte ich dann auch den Internistischen Oberarzt kennen. Ich lag also 11 Monate nach der Geburt meiner Großen wieder auf genau diesem  gutbekannten Kreisbett und hörte staunend den zwei Jungen Herren beim Diskutieren zu. Der Internist hatte bereits einen Plan. Ich zitiere:“ wir werden ihr Herz unter Reanimationsbereitschaft stoppen und dann direkt wieder anlaufen lassen. Dann müsste es wieder normal schlagen.

Ganz ehrlich, Leute. Selbst wenn ich unschwanger gewesen wäre, hätte mich dieser Satz beunruhigt. Der Gyn wiedersprach. Nicht hier , nicht durch uns und nicht ohne Kinderklinik im Haus falls was schief geht. Ich hätte am liebsten gesagt: „hallo, ich bin auch hier. Ich kann Sie hören.“  Da ging die Tür auf und mein Mann kam rein. Zum Zweiten Mal an diesem Tag brach etwas in mir los. Luke ist da. Jetzt wird alles gut. Kurz darauf kam auch mein Papa. Und zu dritt warteten wir gespannt auf die Entscheidung der zwei unterschiedlichen Fachabteilungen. Dem Kind ging es laut CTG gut. Ich bekam wieder eine Karotis Massage, dazu saß der Oberarzt hinter mir und massierte mit leichtem Druck meine Hals Gefäße. Fühlt sich ein bisschen wie ersticken an. Aber ganz langsam. Mir wurde oft schwindelig bis zur Übelkeit. Der Puls normalisierte sich ohne medikamentöse Intervention nach drei Stunden. Ich kam auf Station und sollte da bleiben. Um 19Uhr stolperte mein Herz wieder und raste los. Diesmal reagierte ich sofort mit einem langen Valsalva, so fest ich konnte. Ich hielt mir die Nase zu und presste dagegen, wie beim Druckausgleich. Der Herzschlag normalisierte sich wieder. Ich klingelte und gab der Schwester Bescheid. Mein Fall wurde neu besprochen und ich sollte in eine größere Klinik mit großer Kinderklinik verlegt werden. Der Krankenwagen kam und holte mich 10 Minuten später ab.Das Foto machte ich für meine Familie."Macht euch keine Sorgen. Es geht uns gut", tippte ich in mein Handy und drückte auf senden.

mehr lesen 8 Kommentare

Geburtsbericht Vince

Am Sonntag den 04.10.15 um 14:30
verabschiedete sich unsere Große von Mamas Babybauch mit einem Küsschen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon seit 7 Uhr morgens regelmäßige aber kurze Wehen. Bisher lief alles wie in meiner Wunschvorstellung. Doch dann kam alles anders. Aber von vorn....

Wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus, da ich um 15 Uhr einen CTG-Kontrolltermin hatte. Am nächsten Tag sollte ich eingeleitet werden, da ich einen insulinpflichtigen Gestationsdiabetes hatte. Im Kreißsaal angekommen musste ich schon ganz schön veratmen. Mein Mann und ich wurden in den Kreißsaal Nr. 1 gebracht und die liebe Hebamme legte mir das CTG an. Währen es lief konnten mein Mann und ich ungläubig beobachten wie sie allerhand Zeugs, darunter auch Babykleidung, auf der Arbeitsplatte richtete. Beim Vorbeigehen schaltete sie sogar die Wärmelampe über dem Wickeltisch an. Spätestens als sie das Namensarmbändchen beschrieb, bekam ich hysterisches Gacker- Lachen. Ich:" Ähm, ich wollte nach dem CTG eigentlich wieder heim gehen."                                

Hach, da erklärte sie mir ganz lieb, dass ich JETZT mein Kind bekomme. Ich war ja bereits Mama und sehr Kreißsaal erfahren. Hatte ich doch bei der Geburt von Kind Nr 1, zwei Tage dort verbracht. So schnell bekommt man kein Kind, dachte ich.                                                                                                 

Nach dem CTG und der nachfolgenden Untersuchung war der MUMU 3cm offen. Das war er allerdings schon eine Woche vorher beim FA gewesen. Mein Mann und ich durften im Kreißsaal spazieren gehen und machten allerhand Unfug. Alle drei Minuten krümmte ich mich und musste arg pusten. Aber nach 30sek war der Spuk jeweils vorbei und ich machte wieder Witzchen. Wir waren völlig vollgepumpt mit Glückshormonen und Aufregung. Schließlich hatte die Hebi gesagt, er kommt heute. So wie ich aber meine Wehenpausenluftkicke vollführte rechneten wir beide nicht mit einer Geburt vor morgen früh. Gegen Fünf Uhr wollte ich in die Badewanne. Ich war richtig Wassersüchtig in den Schwangerschaften geworden und freute mich einfach auf die riesen Badewanne. Gesagt, getan. Und plötzlich war  Schluss mit lustig. Ab hier ging die Geburt los.

mehr lesen 8 Kommentare

Wie mein Sohn fast verhungerte – Pylorusstenose

Eines der schlimmsten Dinge, was einer Mutter widerfahren kann, ist es sein Kind leiden zu sehen und man kann nichts tun. So ging es mir im Oktober 2015. Ich war insgesamt bei vier verschiedenen Kinderärzten u.a. in drei Kliniken und mein Kind wäre mir beinahe gestorben bis ich endlich gehört, ernstgenommen und die lebensrettende Diagnose gestellt wurde. Aber von vorn.

Mein Sohn Vince war gerade mal 14 Tage alt als das Spucken begann. Wir waren im Schwarzwald meine Eltern besuchen. Es sollte unser erster Urlaub zu viert werden. Ganz entspannt mit der ganzen Familie im Rücken, dass Mama und Papa wieder Kraft tanken können. Unsere große Tochter war zu diesem Zeitpunkt 14 Monate alt und die Geburt von unserem Babymann nicht einfach. Alles war wie im Bilderbuch, wie ich es mir immer erträumt hatte. Nach meiner Horroreinleitungs – Erfahrung über 48 Std. im Kreißsaal bei Kind 1 war ich glückselig über die selbstbestimmte, medikamentenfreie, private Geburt. Doch kaum war er geboren begannen die Komplikationen. Aber das soll heute hier nicht das Thema sein. Ich will nur vorrausschicken, dass ich damals im Kreißsaal sagte: Dieses Kind wird uns sehr glücklich machen, aber auch noch viel Sorgen bereiten. Der Urlaub sollte uns entschädigen. Den Schock über die letzten Tage vergessen lassen.

Und so war es auch. Unsere „Große“ war glücklich und beschäftigt. Wir konnten schlafen, wenn das Baby schläft und viel kuscheln. Doch am zweiten Tag wurde mein kleiner zunehmend unruhig. Er spuckte immer öfter und weinte viel. Wir fuhren in die Apotheke und besorgten uns Globuli, Schüssler Salze, Kümmelzäpfchen, Levax und weiß der Himmel was noch. Es half nichts. Es wurde zunehmend schlimmer. Samstag Nachts um 2 Uhr spuckte er fontänenmäßig die komplette Stillmahlzeit raus. Ich war so geschockt über die Menge und die zunehmende Verschlechterung des Allgemeinzustandes, dass ich meinen Mann weckte und wir in die 20-minütig entfernte Kinderklinik fuhren. Zu dieser Zeit schwebte die Diagnose „Pylorusstenose“ (nachfolgend PS genannt) ganz hinten in meinem Hirn herum. Aber ich vermutete einen Infekt. Alles andere durfte nicht sein. Mein kleines Baby kann nicht ernsthaft krank sein. Sowas passiert uns nicht. In der Notaufnahme wurden wir sofort dran genommen. Vince wurde gründlich untersucht und abgehört. Die junge Assistenzärztin beruhigte mich sofort. Erklärte, dass der massive Blähbauch die Milch wieder hoch drückt. Und, dass es oft bedrohlicher aussieht als es ist, wenn Babys spucken. Doch ich stand in dieser Notaufnahme nicht nur als Mutter. Ich war auch fachlich angesprochen. Als gelernte Krankenschwester . Habe jahrelang die Routine der unfallchirurgischen Notaufnahme hinter mir. Und 2011 ein Studium zum Physician Assistant begonnen. Und 6 Wochen nach der Geburt meiner Tochter summa cum laude abgeschlossen. Ich fragte die Ärztin also direkt, ob es nicht auch eine PS sein kann und warum sie nicht schnell einen Schallkopf draufhält, um diese sicher auszuschließen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich ließ mich abwimmeln. Die Diagnose: Blähungen. War dem Mutterherz aber auch so viel lieber. Damit konnten wir arbeiten.

Am nächsten Tag rief ich meine Hebamme an und berichtete. Sie nahm mich ernst und gab die gleichen Ratschläge wie unser Umfeld auch. Doch sie erwähnte auch die PS. Zumindest sagte sie, dass wenn es nicht besser wird, er einen Ultraschall braucht. Es wurde nicht besser. Es wurde schlimmer. Hatte er nach dem Stillen mal zwei bis drei Stunden nicht erbrochen und wir uns schon in der Hoffnung sahen, dass es überstanden ist, spuckte er noch heftiger: angedaute Milch aus Mund und Nase bis er keine Luft mehr bekam. In dieser Nacht saß ich weinend mit ihm auf dem Arm, weil ich plötzlich ganz sicher war, dass wir Hilfe brauchen…sofort. Mein Mutterinstinkt schlug an. Mein Mann ermahnte mich noch bis zum Morgen zu warten, dann zügig zu packen und nach Hause zu fahren. Wir hatten ja noch die 1 Jährige im Kinderbettchen neben uns. Wir waren eben mit ihm beim Arzt gewesen. Eine Nacht und Nebel Aktion wäre nicht nochmal notwendig. Herbst im Schwarzwald ist übrigens wirklich extrem neblig. Als wir endlich losfuhren, hatte ich telefonisch schon einen Termin mit unserem Kinderarzt vereinbart. Einem Arzt, der schon mich behandelte und dem ich bis heute vollkommen vertraue. Klinisch war der kleine Mann bereits am austrocknen. Er setzte keinen Urin mehr ab, war aber vom Erscheinungsbild noch recht fit, sagte der Doc. Das würde gegen meine Verdachtsdiagnose sprechen. Auch er lehnte einen Ultraschall ab. Es würde alles zu viel Zeit kosten und in der Klinik würde das eh gemacht werden. Außerdem vermutete er einen Magen-Darm-Infekt und überwies uns in die Kinderklinik. Wir fuhren direkt. Den Koffer hatte ich bereits im Auto, da ich wusste, so kommen wir nicht mehr heim. Dort in der Notaufnahme sprach alles für einen bösen Magen-Darm-Infekt. Wieder wurde ich nicht ernst genommen. Ich versuchte trotzdem zu kämpfen, zählte auf, dass er doch gar kein Fieber hätte, keinen Durchfall, wir alle gesund wären. Es half nichts. Ihm wurde eine Nadel in den Kopf gelegt und er bekam Infusionen. Endlich Flüssigkeit und Elektrolyte. Und ich bekam die Ansage, dass ich nicht mehr stillen dürfte. Absolute Nahrungskarenz ab sofort. Außerdem wurde ihm Blut abgenommen. Ich weinte. Ich war verzweifelt. Ich fühlte es ist schlimmer. Die Ärztin schickte uns auf die Isolationsstation. Weiteres würde es am nächsten Morgen, einem Freitag, geben. Kurz bevor wir aus der Notaufnahme raus gingen, kam sie zurück und gestand, dass seine Blutwerte so verherrend sind, dass wohl doch mehr dahinter stecke. Wir kamen auf die Intensiv und meine Familie durfte nach der Schleusentür nicht weiter. Ich hatte mein Baby auf dem Arm, war vollkommen verzweifelt und musste mich von meiner 14 Monate alten Tochter verabschieden. Also mobilisierte ich alles und riss mich zum tausendsten Mal zusammen. Ich sah sie erst eine Woche später wieder. Zu diesem Zeitpunkt waren wir in ihrem kleinen Leben keine Stunde getrennt gewesen.

Unter Tränen bettelte ich die Schwestern an einen Ultraschall zu veranlassen um endlich Klarheit zu bekommen. Aber die Radiologin, die das macht, war zu Hause. Und unser Fall konnte bis zum Freitagmorgen warten. Wie die Nacht war, muss ich sicher nicht ausführen. Der kleine Mann schrie sich vor Hunger heiser und gegen morgen in den Schlaf. Ich war voller Milch und durfte ihm nichts geben. Ich pumpte alle drei Stunden ab und fror ein. Ich bin ganz ehrlich, das ist das Schlimmste, dass ich in meinem ganzen Leben bisher erlebt habe. Und ich habe so viel gesehen in der Notaufnahme, was es für Unfälle gibt. So viele Tote. Auch Kinder. Und trotzdem war und ist es (m)ein Job. Aber das eigene Kind im Arm zu haben und nicht füttern zu dürfen, obwohl es verhungert ist einfach nur grausam. Ich gab ihm die ersten paar Stunden dieser Nacht immer wieder minutenweise die Brust. Heimlich. Und bereute es jedes mal sofort, wenn sich sein kleiner Körper verkrampfend übergab. Also ließ ich es. Ich betete und sang ihm vor. Nichts half. Es wurde irgendwann hell und der Sono-Termin stand an. Um neun Uhr trug ich ihn runter in den Ultraschallraum und wusste nicht, was ich hoffen soll. Bei einem positiven Befund hätte er operiert werden müssen, aber ich hätte endlich Gewissheit gehabt. Bei allem anderen hätte ich die Welt nicht mehr verstanden und an mir und meinem Mutterinstinkt gezweifelt. Und es war so. Man sah auch als Laie sehr deutlich, dass der Übergang zwischen Magen und Darm fest verschlossen war. Das Türchen dort, das sich Pförtner nennt. Ein Schleimhautring war dreimal so dick gewachsen wie normal. Dadurch ließ es keine Flüssigkeit in den Darm. Das heißt, wenn ich ihn fütterte, füllte sich zwar sein Magen, aber es konnte nicht weitergeleitet werden und somit kam es oben wieder raus. Eine Anomalie, die er schon in meinem Bauch hatte und die über die Wochen auf der Welt zu gewachsen war. Ich nahm die Diagnose extrem gefasst entgegen. Ab diesem Moment wusste ich endlich wie der Feind heißt. Also wollte ich ihn SOFORT bekämpfen. Nur versuch mal Freitag Morgens einen OP Termin zu bekommen. Diese Klinik führte den kinderchirurgischen Eingriff nämlich nicht durch und wir sollten asap verlegt werden. Auch ich griff zum Handy und telefonierte meine ärztlichen Kollegen durch auf der Suche nach einem Weg in den Heidelberger OP am Freitag Nachmittag. Ich schaffte es. Allerdings nur unter Vorbehalt. „Notfälle gehen natürlich vor.“ Und die Medizinerin in mir wusste, dass wir das nicht im Sinne der Definition sind. Die Mutter in mir schrie auf. Unsere Stationsärztin kam mit einem Plan für eine andere, gute Klinik mit OP Kapazität für den Nachmittag. Ich musste mich entscheiden und sagte HD ab. Wir wurden fünf Minuten später verlegt. Und dann begann eine Odyssee, die nur ein medizinisches Personal versteht und in diesem Forum hier wahrscheinlich den Rahmen sprengen würde. Ich versuche es euch trotzdem zu erklären. Für den Transport waren seine Infusionen gestoppt worden. Diese waren aber sehr wichtig, da er nur unter ihnen OP -stabil war. In der neuen Klinik lief alles schleppend. Ich machte Terror, um endlich einen Arzt zu sehen, damit er unsere Infusionen wieder anordnet. Mittags waren sie wieder dran. Sein Astrup (abgenommene Blutwerte) danach katastrophal. Es wurde wieder ein Ultraschall gemacht, um die fremdgesicherte Diagnose zu sichern. Nachmittags wurde die OP dann abgesagt. Er sei nicht stabil genug. So würde er eine Narkose nicht überleben. Gleichzeitig kam ein Abstrichbefund aus der alten Klinik mit positivem NORRO Virus Befund an. Die Mutter in mir schüttelte nur noch den Kopf. Die Medizinerin flippte aus, denn ich wusste genau, dass man einen infektiösen Patienten nicht mal eben am Wochenende operiert zwischen Vorhautverengung und Blinddarm. Und obwohl mir alle etwas anderes erzählten, wurde unsere Babymann erst drei Tage später am Montag Mittag, als letzter Punkt auf dem OP Plan, therapiert. Ich kämpfte den ganzen Freitag, Samstag und auch Sonntag. Ich lies mir immer wieder den diensthabenden Oberarzt kommen. Es half natürlich nichts. Mein Sohn war unter Infusionen stabil, der NORRO nicht nachgewiesen, aber er stand halt im Raum und man wartete auf die neuen Abstrichergebnisse und zusammenfassend kein Grund, ein NotfallOPteam kommen zu lassen und einen Saal zu blockieren. [Ein infektiöser Patient kann nur unter strengen hygienischen Bedingungen, um die anderen Patienten zu schützen, operiert werden] Kurz: Ein riesen Aufriss. Dass mein Kind furchtbaren Leidensdruck hatte, spielt in dieser Kalkulation keine Rolle. Und ich selbst habe bisher tausende Gespräche mit vom OP-Plan abgesetzten Patienten geführt, weil der Hubschrauber einen Notfall brachte. Ich wusste ja, was Sache ist. Aber ich war auch Mutter – eine nicht länger tragbare Situation. Also gab ich Sonntagabend auf. Ich konnte nicht beides sein. Ich war am Ende meiner Kräfte. Ich vermisste mein Babymädchen. Ich entschied mich nur noch Mutter zu sein. Und alles so zu nehmen wie es kommt und den Ärzten zu vertrauen. Wir saßen zu diesem Zeitpunkt seit 72 Std. in Einzelhaft. Wegen des angeblichen Magen –Darm-Virus durfte ich nicht aus dem Zimmer und wir auch keinen Besuch empfangen. Nur der Papa, mein Mann, durfte kommen. Was er auch tat. Von morgens sieben bis späten Nachmittag war er bei uns. Unsere Tochter war tagsüber bei Oma und Opa. Er musste alles hilflos mit ansehen. Er verstand von meinem Kampf mit dem Klinikpersonal nur die Hälfte – hatte auch unglaublich Angst, aber auch ein tiefes Gottvertrauen und baute mich immer wieder auf. Tröstete oder weinte mit. Wir waren uns nie so nah wie in dieser Zeit. Wir haben sie zusammen beschritten und überstanden. Und ich sage euch, jetzt kann uns nicht mehr wirklich viel aus dem Gleichgewicht bringen.

Mit dem Wochenende kam auch ein gewisser Klinikalltag in unser Leben. Ich rappelte mich auf, vermummte mich komplett in Schutzkleidung und holte mir einen Kaffee, während mein Mann am Bett wachte. Und während einem dieser kleinen Ausflüge passierte etwas. Ich sah in die offenen Patientenzimmer. Ich hörte überall Kinder weinen. Ich sah verzweifelte Eltern. Babys, die Haut vom Kopf auf die verbrannte Stelle am Oberschenke transplantiert bekamen. Kinder, die seit Monaten stationär waren. Kinder, die keine heilbare Diagnose hatten. Ich lernte Anna (Name geändert) kennen. Anna war 8 Monate alt und lag in einem Babygitterbettchen. Anna war seit ihrer Geburt keinen Tag außerhalb dieser Klinik gewesen. Ihre Mama hatte seit dem kein Leben mehr. Sie fuhr morgens von zu Hause los, nachdem sie Annas Geschwister versorgt hatte, zu ihrem kleinen Mädchen. Und abends wieder heim. Diese Mama hatte mittlerweile ihren Job und ihren Partner verloren. Sie machte weiter. “Was sollte ich auch sonst tun?“, sagte sie und ging zum Gitterbettchen ihrer Tochter. Ich blieb zurück auf dem Stationsflur mit meiner Kaffetasse in der Hand.

„Das rückt dich zurecht“, habe ich damals in mein Instaprofil geschrieben. „Wir haben eine Diagnose, es gibt eine Therapie. Wir wohnen in einem Land, in dem diese OP zu den Standards gehören. […] Und auf einmal kommst du dir so dumm vor. Viele hier werden nie wieder gesund. Und du hast die letzten Tage heulend am Bett deines Kindes verbracht. Und ich meine jetzt nicht das `mein Kind leidet so sehr – ich will es ihm abnehmen und kann nicht`- Weinen, sondern das `Warum Wir, Warum unser Sohn, warum ist ER krank `Weinen.“

Ab dann ging es Bergauf. Die OP verlief komplikationslos, der anschließende Kostaufbau per Glucose regelrecht. Auch mit dem Wiedereinstieg beim Stillen gab es keine Probleme. Ich hatte ja regelmäßig abgepumt. Der NORRO Virus Abstrich stellte sich als Abnahmefehler dar und unser Bub konnte eine Woche später von unserem Babymädchen heimgeholt werden. Sechs Wochen später war Weihnachten. Das Erste im eigenen Haus. Das Erste zu viert. Wir saßen um den Baum und waren dankbar. Demütig und Dankbar.

15 Kommentare