Geburtsbericht der lieben Monja @monsimommy

Hallo, ich bin Monja 23 Jahre und bin verheiratet.
Zu diesem Zeitpunkt war mein 1. Sohn Louis 1 Jahr und 2 Monate alt und mein 2. Sohn Leon 3 Wochen alt. Ich erzähle Euch jetzt meine Geschichte, die mir 3 Wochen nach der Geburt meines 2. Sohnes, durch die Geburt, passiert ist.
Fangen wir von vorne an:
24. August 2016 (Et + 1) die Geburt meines Sohnes.

 

Um 9 Uhr Beginn der Wehen, 12 Uhr im Krankenhaus 20:35Uhr Spontane natürliche Geburt.
Endlich warst Du da.
Nach 3 Wochen voller Glück und Liebe:
Es fing mit tierischen Schmerzen vom Nacken, bis zu den Rippen auf der linken Seite an. So sehr, dass ich mein Sohn kaum noch stillen und den großen nicht mehr wickeln konnte ...
Auf einem Dienstag fing alles an und erst am Donnerstag war es dann für mich so schlimm, das ich kaum noch aufstehen konnte, vor Schmerz und Atemnot.
15. September 2016
Ich bin darauf hin morgens zum Hausarzt, der konnte mir nicht helfen. Er hat gedacht, ich hätte mir ein Nerv eingeklemmt (was ich am Anfang auch vermutete, durch Anstrengung und der Geburt) und hat mich zu einem Chiropraktiker geschickt. Dieser hat mir meine Blockaden zwar genommen, aber weg war der Schmerz noch immer nicht ... Ich bin dann mit Leon erst mal wieder nach Hause gefahren, Louis war von morgens an bei meiner Mama. Da der Arzt meinte, dass es im Laufe des Tages besser wird, ich aber ansonsten noch mal einen Orthopäden kontaktieren soll, hab ich mich mit Leon erst mal schlafen gelegt. Ich hatte die Nächte zuvor kaum geschlafen. Als ich wach wurde, hab ich es nicht mehr ausgehalten, ich war froh, dass ich es überhaupt noch aus
dem Bett geschafft hatte. Ich hab erst mal bei allen Orthopäden angerufen aber ich wurde überall abgewimmelt, zu voll, schließen gleich usw. Eine Praxis riet mir dann ins Krankenhaus zu fahren, das hab ich dann auch getan.
Für Leon 2 Windeln und eine Packung Feuchttücher geschnappt und los. Da saß ich dann, mit meinem Baby und tierischen Schmerzen. 2 Stunden, bis ein Arzt mich behandelt hat, wenn man das so nennen kann. Er war ein Chirurg und meinte wenn ich kein „Trauma“, also einen Unfall oder
Ähnliches hatte, kann er mir nicht weiterhelfen. Er hat mich abgetastet und meinte auch es sei eine Verspannung.

 

Er wollte mich also so wieder nach Hause schicken, mit der Empfehlung Paracetamol zu nehmen.
 Er sagte noch, das er mir Schmerzmittel geben könnte bei denen die Schmerzen nach 5 Minuten weg sein könnten, aber da ich stille ginge das nicht. Ich sagte Ihm dann nur, dass er mir keine Sachen
aufzählen brauch die mir nichts bringen. Ich dachte echt ich hör nicht richtig, da ich schon unendliche Tabletten nahm und es nicht besser wurde. Es war aber wirklich sein Ernst.
Tabletten die einzige Option für ihn. Ja das war es dann, er wollte den Bericht für den Hausarzt schreiben und ihn mir dann gleich geben. Nach 10 Minuten kam er dann wieder und sagte mir, dass eine Internistin gerne nochmal ein paar Test machen möchte. Ich fragte ihn, wie lange es denn dauert, da ich mit dem kleinen nicht noch ewige Zeit da sitzen möchte. Ich hatte schmerzen und war total kraftlos.
Es würde sofort losgehen. Frau Doktor war dann schnell da und sie nahmen mir Blut ab, für einen Herzinfarkt Schnelltest und einen Lungenembolie Test. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann das Ergebnis. Herzinfarkt negativ.
Lungenembolie positiv, der Wert war 1900 (zum Vergleich ein Normaler Wert liegt zwischen 20 und 400).
Ich wusste erst gar nicht was das ist. Ich hatte zuvor noch nie davon gehört. Die Ärztin konnte und wollte mir auch nicht wirklich was erklären es musste jetzt schnell gehen.
Das einzige was sie mir sagte war: „Sie sind in LEBENSGEFAHR!“ Im gleichen Moment holte die Schwester eine Spritze mit Blutverdünnung. Ich war geschockt! Sie sagte mir, dass Ich
Kontrastmittel und Blutverdünnung bekomme und ich meinen Sohn für mindestens 48h nicht stillen darf. Es lief alles wie in einen Film an mir vorbei, ich guckte mein Baby an und dann sieht man seine Familie vor Augen und im Hintergrund hört man die Ärztin leise hören, wie sie den jetzigen Ablauf aufzählt.

 

Meine ersten Gedanken waren meine Kinder und mein Mann. Ich fing an zu weinen, weil ich
einfach total fertig war! Ich wurde mit Leon (der Zum Glück gerade im Maxi Cosi geschlafen hat) sofort auf die Intensivstation gebracht und komplett angeschlossen. EKG, Blutdruck, Körpertemperatur und eine Sauerstoffzufuhr. Zu meinem Glück war auch noch mein Akku vom Handy leer, konnte also auch niemanden Bescheid sagen. Mein Mann wusste nur, dass ich ins Krankenhaus gefahren bin, da er noch auf der Arbeit war. Ich musste dann also ins CT, eine Art Röhre in der man reingeschoben wird und man sich nur auf Anweisung bewegen darf. Leon war in der Zeit bei
einer Krankenschwester. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie das Gefühl ist wenn einem dann das Kind weggenommen wird, es war so schlimm für mich, auch wenn es nur für wenige Minuten war. Nachdem das Ergebnis dann da war, wurde mir dann endlich erklärt was los ist.

 

Meine Arterien zur Lunge waren verstopft. Also eine Lungenembolie ist quasi wie ein Herzinfarkt, aber nicht im Herzen,  sondern in der Lunge. Deswegen hatte ich auch die Atemnot und konnte
nicht tief einatmen, für mich hatte es sich angefühlt als hätte man eine geprellte Rippen, bei jedem Atemzug ein stechen, so dass man nur noch Schnappatmungen macht.

 

Die Ärztin hat mir dann erklärt, dass ich jetzt für die nächsten 6 Monate erst mal Blutverdünner nehmen muss. Damit das Blut besser durch die verstopften Arterien kommt. In der Zwischenzeit versuchte eine Arzthelferin mir netterweise ein Ladekabel zu organisieren. Ohne Erfolg. 2 Minuten später rief mein Mann im Krankenhaus an und fragte nach mir. Als die Schwester mir das Telefon gab fing ich erst mal an zu weinen. Mein Mann am Telefon total panisch was denn los wäre. Ich bekam kaum ein Wort raus und sagte ihm dann dass er mir Sachen für mich und Leon vorbei bringen soll. Kurze Zeit später war er dann mit Louis im Krankenhaus. Louis lag zu Hause schon im Bett und wusste gar nicht was los war, als er dann einfach wieder los musste. Er war total verängstigt als er bei mir auf dem Krankenbett saß. Mama total verkabelt und die ganzen Maschinen, kein Wunder. Ich fühlte mich aber schon sehr viel besser als mein Mann mit Louis da war. Die Blutverdünner haben schnell ihre Wirkung gezeigt. Am nächsten Tag wurde ich dann komplett untersucht, mein Herz und meine Beine wurden gründlich untersucht, um sicherzustellen, dass sich kein Gerinnsel  gebildet hat, was operativ entfernt werden müsste.

 

Ich durfte solange nicht aufstehen, da sich sonst ein Gerinnsel lösen könnte, was es dann noch viel schlimmer gemacht hätte. Zum Glück hatte ich kein Gerinnsel. Darum hab ich Leon auch nur die ersten 3 Wochen gestillt, ich hatte im Krankenhaus weiter abgepumpt und weggegossen. Leon
bekam in der Zeit Milch von der Kinderstation und sie hatten uns auch ein Bett für ihn gebracht. Sie waren so nett da zu uns. Aber Ich habe durch den Stress, durch die Angst einfach immer weniger Milch produziert, ich konnte ihn dann für eine Woche ungefähr nur noch Abends stillen, dann kam
nichts mehr. Das hat mir echt das Herz gebrochen ich wollte so gerne stillen, anfangs hab ich mir sogar die Schuld daran geben, aber heute sag ich mir: Hey, aber dafür lebe ich!“

 

So hart das auch klingt aber so ist es. Leon war die ganze Zeit bei mir im Krankenhaus, Louis bei Papa. Im Krankenhaus waren alle ganz nett und auf der Station war es für die Frauen da total aufregend, ein kleines Baby auf der Station.
Ich hab mir dann also 3 Monate lang, jeden Tag, eine Spritze (Heparin) in den Bauch geben und danach wurde ich auf Tabletten (Xarelto) umgestellt. Während der Periode musste ich allerdings wieder die Spritzen benutzen, da das Xarelto einfach zu stark  war, weil ich damit zu viel Blut
verloren hab.

 

Heute bin ich schon 7 Monate frei von Blutverdünner. Die Lungenembolie wird immer ein Teil von
mir sein, Ich bin jetzt eine Risiko Patientin. Ich darf zum Beispiel keine Hormone mehr nehmen, darf möglichst nicht unnötig operiert werden, muss es bei jedem Arzt angeben das ich eine Lungenembolie hatte und bei langen sitzen (Autofahrten oder Flügen) muss ich wieder Blutverdünner nehmen, damit sich kein Gerinnsel bilden kann.
Ihr fragt euch jetzt bestimmt wieso ich eine Lungenembolie hatte und wie das passierte.
Also: Die Ärzte konnten es zwar nichts beweisen, weil es noch nicht weiter untersucht wurde, aber die Ärzte gehen davon aus, da es so kurz nach der Geburt war, das mir Fruchtwasser in die Blutbahn gelaufen ist. Und da Fruchtwasser dicker ist als Blut, hat es mir die Arterien vor der Lunge verstopft. Man kann sich das in etwa wie ein Baum mit der Wurzel vorstellen, die kleinen Wurzeln waren
verstopft und haben den Baum nicht ausreichend versorgt!
Heute Merk ich nichts mehr von der Lungenembolie, nur die Angst ist da, wieder daran zu erkranken. Ich versuche es nicht zu sehr an mich ran zu lassen aber beschäftigen tut es mich mein Leben lang.
Ich kann euch nur ans Herz legen, wirklich auf die Zeichen eures Körpers zu hören. Nimmt ihn wahr. Lieber zu früh als zu spät. Als ich aus dem Krankenhaus gegangen bin sagte die leitende Ärztin mir: „ Ich habe schon sehr viele junge Mütter hier gehabt, die das nicht überlebt haben. Da hatten sie wirklich großes Glück.“

 

 Ich konnte gar nicht darauf antworten, Ich lächelte sie an, drehte mich um und ging.
Wenn mit euch was nicht stimmt, ihr ein ungutes Gefühl habt, geht sofort zum Arzt und nicht erst Tage später! Auch wenn der erste Arzt euch evtl. nicht helfen kann, bleibt nicht bei dieser einen Meinung sondern holt euch noch eine Zweite oder Dritte ein!

Danke fürs Lesen.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Susanne (Mittwoch, 18 Oktober 2017 20:21)

    Liebe Massa, liest du die Geburtsberichte eigentlich auch Korrektur bevor du sie veröffentlichst?

  • #2

    Massa (Freitag, 20 Oktober 2017 11:41)

    Hallo Susanne,
    ich lese all meine Berichte. Aber mehr wegen Kontext und Gefühl. Grammatik und Rechtschreibung obliegt dem Autor. Manchmal sind die Berichte so im Affekt rausgehauen, dass sich viele Fehler einschleichen. Dann geht ein Bericht auch mal zurück. Diesen hier habe ich eben editiert, da das Format wirklich unglücklich gewählt war und anstrengend zu lesen. Die schöne Botschaft könnte dadurch verloren gehen. LG und danke für deine nette Kritik

  • #3

    Theresa (Freitag, 20 Oktober 2017 12:44)

    Ich liege gerade in der Badewanne, habe den Bericht zu Ende gelesen und mir laufen nur so die Tränen übers Gesicht. Ich habe dieses Jahr im Mai das Gleiche durch gemacht. Beidseitige Lungenembolie und Blutgerinnsel in der Beinvene das operativ entfernt werden musste. Die Ärzte sagten ich hatte extrem viel Glück dass das so schnell erkannt wurde und ich das somit überleben konnte. Und das nur, weil eine junge Ärztin drauf bestand meine Beinvenen anzuschauen. Sie wollten mich nämlich gerade noch von der Neuro auf die Orthopädische verlegen (Verdacht auf Bandscheibenvorfall). Ich bekam nach dem Ergebnis aus der Röhre auch sofort Heparin und wurde samt Krankenwagen in ein anderes Krankenhaus verlegt wo sie mich am nächsten Tag gleich operierten. Das war für mich zu dem Zeitpunkt alles halb so wild. Schlimmet wars von meiner damals 8 Monate alten Tochter getrennt zu sein. Die blieb dann eine Woche bei meinem Freund zu Hause. Ich nehme immer noch Xarelto, 20mg. Bei mir wurde im Anschluss ein Gentest gemacht, denn die Geburt meiner Tochter lag schon zu lange zurück. Ich habe eine Genmutation, die in Verbindung mit Hormonen solch eine Reaktion bei mir auslöst. Deshalb darf ich in Zukunft keine Hormone mehr zu mir nehmen. Meine Tochter wird dann auch irgendwann mal auf diese Genmutation getestet. Mir geht es seitdem ähnlich wie der Autorin des Bwitrags. Die Angst ist immer da, dass so etwas nochmal passiert. Das steckt sehr tief in einem drin. Das ganze kam aus dem Hinterhalt, dachte man ja eigentlich man sei gesund...

  • #4

    Theresa (Freitag, 20 Oktober 2017 12:53)

    Liebe Monja,
    Ich wünsche Dir für deine Zukunft alles alles Gute! ♡
    Wenn du möchtest, lass uns Kontakt aufbauen zum Austausch, zum gegenseitig Kraft geben. Ich finde, darüber reden tut manchmal ganz gut.

  • #5

    lisa (Freitag, 20 Oktober 2017 20:03)

    faszinierend beim lesen des berichts und des einen kommentars ist: so selten ist das gar nicht. ich vereine beides ein wenig. vier wochen nach entbindung eine lungenembolie, die ursache eher in den genen als aufgrund der entbindung zu sehen.
    euch beiden alles gute, im täglichen leben mit der unsicherheit und der verarbeitung.