Gegen Gewalt an Kindern

In der Notaufnahme liegt der Dreijährige Tim. Er ist von seinem Hochbett gefallen und hat sich den Oberschenkel gebrochen.Er selbst sagt nicht viel zu dem Sturz. Liegt teilnahmslos auf der Liege. Die Mutter sitzt auch im Zimmer. Er weint, aber nicht nach seiner Mama. Am Rücken hat er viele Blutergüsse.

Gelb, grün und braune. Draußen an der Aufnahme erklärt sein Papa, dass der Tim selbst schuld ist.  Er habe ihm so oft verboten auf der Couch zu hüpfen. Das hat er nun davon. Heute ist er vom Sofa gefallen....

Nichts ist so schwer zu erkennen UND so wichtig zu erkennen, wie Missbrauch. Gewalt an Kindern.

Im aktuellen Beispiel wirkt dahingehend vieles verdächtig. Verschieden alte Hämatome an Stellen, die für einen Sturz eher untypisch sind. Widersprüche in der Anamnese. Schuldzuweisungen dem Kind gegenüber. Und ein untypisches Verhalten des Kindes.

Viele von Euch arbeiten im medizinischen Bereich oder mit Kindern. Da ich hier nicht so ausführlich das beschreiben kann, was ich Euch eigentlich heute mitgeben will, hab ich für diese Berufsgruppen einen Link unter diesen Beitrag gepackt. Harte Kost am Sonntagmorgen. Aber wir alle sollten dafür sensibel sein. Nicht paranoid diffamierend, aber wachsam.

Für alle "Nicht-Mediziner", denen die Bilder im Link "too much" sein dürften, hier eine zum Fallbsp ergänzende Liste von Verletzungen, die gegen ein akzidentelles Geschehen und für Missbrauch sprechen:

- geformte Verletzungen, z. B. Striemen nach Stockschlägen,

- thermische Verletzungen, z. B. durch Ausdrücken von Zigaretten,

- relevante Verletzungen an Regionen, die nicht oder nur schwer durch das Kind selbst erreichbar und nicht sturztypisch sind,

- mehrfache, gleichzeitig entstandene relevante Verletzungen an unterschiedlichen Lokalisationen, die nicht sturztypisch sind,

- relevante Verletzungen an „geschützten“ Regionen, wie z. B. Oberarminnenseiten, obere Gesäßpartie, die nicht plausibel durch einen Unfall erklärt werden können,

- Verletzungen bzw. Verletzungsmuster, die nicht durch den angegebenen Unfallmechanismus plausibel verursacht worden sein können,

- Abwehrverletzungen (Parierverletzung am Unterarm),

- Würge/ Drosselmarken,

- Schütteltrauma.


Danke,dass ihr mir zuhört. Danke.

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Kommentare: 3
  • #1

    Kathrin (Montag, 22 Januar 2018 20:19)

    Danke für diesen Beitrag, so ehrlich und aufrüttelnd

  • #2

    Lisa (Sonntag, 28 Januar 2018 11:29)

    Wichtiges Thema � danke dass du dieses totgeschwiegene Thema ansprichst

  • #3

    Silvia (Donnerstag, 01 März 2018 10:59)

    Danke, dass du dieses wichtige Thema ansprichst!!