Geburtsbericht der lieben Henryka @akyrnehx

Ein Geschenk

Dein Papa und ich hatten ausgemacht uns nichts zu Weihnachten zu schenken. Als ich ihm am 24.12.2015 sagte, ich habe doch eine Kleinigkeit, war er fast ein bisschen böse, dass ich mich nicht an unsere Abmachung gehalten habe, denn wo sollte er denn nun noch ein Geschenk herbekommen? Ich versicherte ihm es sei nur etwas ganz kleines, um genau zu sein winzig! Und doch für mich das aller größte, Du! Das beste Weihnachtsgeschenk was ich ihm hätte machen können, mit nichts zu übertreffen und gleichzeitig ein Geschenk für mich ihn so glücklich zu machen.

Im Nachhinein betrachtet verging die Zeit rasend schnell, während der Schwangerschaft allerdings endlos lang. Ich war so neidisch auf die Schwangeren mit ihren wunderschönen, kugelrunden Bäuchen, welchen ich bei mir im 7. Monat immer noch gesucht habe. Mit ausgstrecktem Bauch bin ich durch die Gegend gelaufen, um meine neu erworbene Umstandsmode auch ja irgendwie auszufüllen, stolz wie Bolle wenn tatsächlich jemand gesehen hat dass ich schwanger bin. 

Die Wochen vergingen und anfang August war ich kugelrund, nicht mal mehr 4 Wochen und ich sollte dich endlich in den Armen halten können, so der Plan. Aber wie ich schnell feststellen musste, hältst du nicht viel von Plänen, zumindest nichts von denen die ohne dich gemacht werden. Die gesamte Schwangerschaft habe ich mich auf deine Geburt vorbereitet, unzählige Bücher über die „selbstbestimmte Geburt“ verschlungen und mich mit diversen Lektüren auf eine natürliche Geburt eingestellt, denn es sprach bis dato ja nie etwas dagegen. Gegen Ende der Schwangerschaft haben wir angefangen vorsichtig mit Akupunktur nachzuhelfen, zuversichtlich dass du dich bald auf den Weg machen wirst. Zahlreiche Heublumen Dampfbäder habe ich gemacht, denn der ET 29.08.2016 war nun überschritten. Niemals wollte ich eine Einleitung und schon gar nicht einen Kaiserschnitt, von anfang an wollte ich alles perfekt machen, eben die perfekte Mama sein und dazu gehörte für mich, die natürliche Geburt. Nicht dass ich es schlimm finde wenn sich jemand für einen Kaiserschnitt entscheidet, ganz im Gegenteil, bin ich der Meinung das eine Frau intuitiv und ganz besonders in der Schwangerschaft sich immer richtig entscheiden wird. Aber für mich war eben klar, ich möchte das „Erlebnis“ Geburt ganz und gar auf die Art erleben wie die Natur es vorgibt. Jedoch tat sich leider weiter nichts und meine Aufregung stieg ins unermessliche, denn auf dieses Warten, nach dem errechneten Termin war ich nicht vorbereitet.

Am Mittwoch, den 07.09.16 sollte ich abends, wenn dein Papa Feierabend hat, noch einmal zum CTG ins Krankenhaus kommen, am nächsten Tag sollte eingeleitet werden.

Während ich deinen Herztönen lauschte, erhaschte ich den etwas besorgten Blick der Hebamme, die nur kurz sagte, sie möchte einmal eine Ärztin dazu holen. Was war los? Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf und ich höre heute noch die Worte der Hebamme als sie die Ärztin anrief „es ist kein Notfall, aber doch Eile geboten“. Deine Herztöne sind immer wieder abgefallen und mir wurde sofort ein Zugang gelegt. Ich sollte weitere 30 Minuten am CTG bleiben und die Nacht bereits im Krankenhaus verbringen, schließlich sollte am nächsten Morgen so oder so eingeleitet werden. Mit ganz viel Glück bekamen wir sogar bereits vor deiner Geburt ein Familienzimmer und ich war unendlich froh deinen Papa ganz nah bei mir zu haben. Im Laufe des Abends waren keine Auffälligkeiten mehr im CTG zu sehen und so durfte ich um ca. 23 Uhr schlafen gehen, denn die Nacht war bereits um 6 Uhr früh wieder beendet. Noch ein wenig schläfrig sind wir von der Station rüber in den Kreissaal gewatschelt wo noch einmal ein CTG geschrieben wurde anschließend habe ich eine Art Tampon für die Einleitung gelegt bekommen. Die Ärztin war zuversichtlich das jetzt alles seinen geregelten Gang geht und wir dich vielleicht sogar schon in ein paar Stunden bei uns haben.

Da es mir immer noch gut ging haben wir erstmal ausgiebig gefrühstückt und ich sollte ein paar Tassen Kaffee schlürfen, da das scheinbar auch wehenfördernd sein soll, für mich als alter Kaffee Junkie kein Problem! Im Endeffekt waren wir den ganzen Tag mit Essen, CTG, Treppen steigen und spazieren beschäftigt und nicht wie geplant mit dem Platzen der Fruchtblase, Presswehen und dem Schneiden der Nabelschnur, aber wie oben schon erwähnt, sind Pläne einfach nicht deins, das musst du wohl von deinem Papa haben. 

Auf dem Gelände des Krankenhauses wurde alles für das morgige Sommerfest aufgebaut, das Wetter schien dafür perfekt und dein Papa hat sich wohl schon ein kühles Getränk am Bierwagen zischen sehen. Am Abend, endlich!! Ich hatte Wehen, juhuu. Hätte ich ja nie gedacht dass ich mich über diese doch eher starken Schmerzen so freuen könnte. Aber wie deine Omi so schön gesagt hat, am wichtigsten ist was am Schluss bei raus kommt. Auch das CTG schrieb nun endlich ordentliche Wehen im Abstand von ungefähr 3 Minuten, die sich aber gut ertragen ließen durch ein paar gezielte Atemübungen.

Im Laufe des Abends bzw. der Nacht wurden die Wehen aber doch deutlich stärker und ich konnte kein Auge zu machen, obwohl ich furchtbar müde war. Die Schmerzen wurden schlimmer, ich immer unruhiger und dein Papa schlief immer tiefer. Von anderen Frauen hatte ich manchmal gehört dass sie während der Geburt ziemlich zickig, ja sogar fast ein bisschen böse ihren Männern gegenüber wurden und das wollte ich unter gar keinen Umständen, denn was konnte er schon dafür dachte ich mir vorher. Doch in diesem Augenblick gingen mir Sachen durch den Kopf wie „Steh auf Freundchen, du warst schließlich auch an der Produktion unseres Würmchens beteiligt und nun soll ich die ganze Arbeit alleine machen? Nicht mit mir!“ - Ein großer Schluck Wasser und einmal ordentlich Gesicht waschen, hat mir diese Gedanken aber schnell wieder aus dem Kopf getrieben außerdem ist er dann eh von meiner lauten Atmung aufgewacht und seine ersten Worte waren, als er zu mir ins Bad kamen „man hab ich rote Augen, wie sieht dass denn aus?“ Es ging nicht anders ich musste kurzzeitig all meine guten Vorsätze vergessen und ihn, vielleicht etwas zu forsch, fragen ob dies sein einziges Problem gerade sei. Bei unserem nächtlichen Besuch im Kreissaal dann die Nachricht, nach nun bereits ungefähr 8 Stunden Wehen hat sich praktisch nichts am Muttermund getan, ich war fix und fertig und hatte nun Angst vor jeder neuen Wehe, die mich die gesamte Nacht weiter begleitet haben. Morgens um 6 Uhr dann wieder ein CTG, nun im Stehen da ich es im Liegen nicht mehr aushalten konnte. Wieder ein besorgtert Blick der Hebamme und wieder die Angst um dich. Dann ging alles ganz schnell, drei Ärzte kamen rein, alle schauten sich das CTG an und waren einer Meinung, wir müssen einen Kaiserschnitt machen! Eigentlich dachte ich, dass durch diese Aussage eine Welt für mich zusammen bricht, aber in diesem Moment war ich einfach nur erleichtert, erleichtert das die Wehen ein Ende haben sollen, erleichtert dass mir geholfen wird und besonders, dass alles dafür getan wird, dass du nun endlich gesund auf die Welt kommen sollst. Es ging ab in den OP, wo ich deinen Papa wieder treffen sollte, der sich ja auch erstmal in die schicke, grüne Montur werfen musste. Als ich vom Vorraum in den OP geschoben wurde, musste ich deinen Papa aber erstmal suchen, denn da standen nun ca. 25 Menschen, alle in grün, alle mit Häubchen und Mundschutz und alle sahen sie aus wie der Andere. Aber nur einer hatte diesen Blick, der mir sagte: Wir schaffen das, du bist meine Heldin! Dein Papa!

Um 8:19 am 09.09.16 war es endlich soweit und unser größtes Glück kam gesund und munter an diesem strahelnd schönen Tag zur Welt und alles was ich hier vorher geschrieben habe, die Angst, die Schmerzen und die Ungewissheit war verflogen. Nichts kann in Worte fassen was ich ab diesem Zeitpunkt, jetzt gerade und für den Rest meines Lebens für dich fühle, mein kleiner geliebter Sonneschein, Clara Sophie. 


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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrin (Freitag, 13 Oktober 2017 11:58)

    Hey,
    schön den Beitrag zu lesen. Ich war bei mir auch erstaunt, wie relativ entspannt ich die Entscheidung der Ärzte für einen Kaiserschnitt hingenommen habe. Vielleicht fühlt man manchmal einfach, dass es die bessere Entscheidung ist.
    Liebe Grüße und euch alles Gute!
    Kathrin

  • #2

    Britta (Freitag, 13 Oktober 2017 22:49)

    Ja, oft kommt es anders als man sich das vorstellt, ich kann da ein Lied von singen. Wenn dich mein Geburtsbericht von der Blitzgeburt meiner Tochter interessiert, schau mal hier rein: https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/09/die-blitz-geburt-ein-rasantes-erlebnis.html?m=0