Geburtsbericht der lieben Ines @shrimpskrams

Die ganze Schwangerschaft schon versuchte ich mich auf die Geburt vorzubereiten. Natürlich zuerst das klassische Babysachen shopping, gefolgt vom Kinderzimmer einrichten, bis hin zu Schwangerschaftsyoga und Geburtsvorbereitungskurs. Wie viele Neumamas versuchte ich das zu planen was sich eigentlich nicht planen lässt. Die Geburt. Und so kam es wie es kommen musste. Meinem "Traum" von der natürlich Geburt wurde ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Eröffnungsphase:
Wehen bekommen und daheim vertraut mit dem Partner zuwarten bis wir ins Spital fahren können. Nein, natürlich nicht. Unser kleines Shrimpi wollte und wollte nicht kommen. Also: Geburtseinleitung. Tja, zu meiner Überraschung klärte man mich auf, dass das jetzt noch immer ein paar Tage dauern konnte. Ihr könnt euch meine Ungeduld bestimmt vorstellen. Schrecklich.
Naja und natürlich war dem auch so. Leichte Wehen gab es zwar aber erst am nächsten Tag ging es richtig los. Immerhin. Jetzt ging es weiter und meinem Plan stand nichts mehr im Weg, oder etwa doch? Richtig...oder etwa doch.

Die Wehen:
Motiviert versuchte ich im Kreißsaal meine zuvor erlernten Turnübungen vorzuführen. Leichter gesagt als getan. Ein Kreislaufkollaps folgte dem nächsten und ich bekam "Bettruhe" verordnet. Und gerade als ich mich erholt hatte, da kam eine weitere Neuigkeit. Der Wehentropf. Aber zum Glück mit PDA. Richtig gelesen. Ursprünglich wollte ich das alles nicht, aber in diesem Moment wollte ich natürlich alles tun was dem Würmchen auf den Weg in unsere Welt hilft. Und dem Rat der Hebamme und Ärztin zur PDA hätte ich auch nie widersprochen. Das wäre ja Selbstgeisselung gewesen. Meiner Meinung nach zumindest.
Wieder neuen Mut geschöpft ging es so weiter. Stunde um Stunde. Und wie man sich vorstellen kann, mit größter Ungeduld meinerseits.

Die Geburt:
Doch plötzlich kam eine neuerliche Wendung. Der Arzt musterte auffällig lange das CTG. Und schon war klar: die Herztöne unseres Shrimpis waren schlecht. Hektik brach aus. Bei der Hebamme, beim Arzt und bei mir. Okay, Panik trifft es wohl eher. Ein Praktikant oder so etwas ähnliches (natürlich war es ein junger Arzt, aber er kam mir in diesem Moment nicht so vor) las mir irgendetwas vor. Er meinte noch es sei wichtig. Aber wichtig war in diesem Moment nur eins: mein Baby. Gleichzeitig quetschte die Hebamme mich in sexy Kompressionsstrümpfe und ab ging es in den OP.
Während bei mir die PDA vertieft wurde, meine Hände am OP-
tisch fixiert und ein riesiges Tuch vor mir aufgespannt wurde, ging es für meinen Mann in die Umkleide. Während des Wartens auf den Kinderarzt wurde ich bereits aufgeschnitten und mein Mann an das Kopfende gesetzt. Man könnte meinen das war schlimm. Aber ich war so aufgeregt und irgendwie perplex, dass ich es nicht als ungut oder besonders traurig empfand. Ich wollte nur, dass ich mein gesundes Baby endlich in den Armen halten kann.
Plötzlich starkes Gerüttel und ein heftiger Ruck. Ich lag plötzlich bestimmt 10 cm tiefer am Tisch. Und da war es, das schönste Geräusch für eine Neumami. Das  erste Geschrei meines Mädchens. Wir sahen nur ein blutiges kleines Etwas in den Armen der Ärztin vorbei huschen. Mein Mann wurde nach geschickt und mir gratuliert. Nur wenige Minuten später kamen alle wieder zurück und mein Schatz wurde mir in den Arm gelegt. Mein Mann unterstützte mich dabei. Es wurde gekuschelt was das Zeug hielt. Als die Ärzte mit dem Nähen fertig waren, ging es für mich ab in den Aufwachraum zur Überwachung. Mein Mann wurde mit unserer Tochter begleitet von der Kinderkrankenschwester in den Kreißsaal gebracht. Das stellte ich mir vorab furchtbar vor, wenn es zum Kaiserschnitt kommen sollte. Regelmäßig kamen mir bei dem bloßen Gedanken daran sogar die Tränen. Aber es war nicht so. Ich wußte, dass sich jetzt mein Mann gut um sie kümmern würde. Es war vereinbart, dass er unser Würmchen auf seine nackte Brust legen würde bis ich kommen konnte. Und ich war einfach nur erleichtert und glücklich. Die Zeit im Aufwachraum verging sehr schnell. Ich hatte auch ein bisschen Schüttelfrost, aber die Schwestern und das Wärmebett kümmerten sich sehr gut um mich. Mein Nacken und Schultern waren unglaublich stark verspannt. Ich schätze durch die Aufregung. Nach insgesamt zwei Stunden wurde ich aufs Zimmer gebracht. Das weiß ich aber nur von meinem Mann. Ich hätte eine halbe Stunde geschätzt.
Dann wurde meine Familie geholt und mein Mann legte mir meine Tochter in meine Arme. Ein unglaubliches Gefühl.

Vorurteile:
Allen Vorurteilen zum Kaiserschnitt kann ich für mich nur widersprechen. (Abgesehen von den medizinische ungünstigen Faktoren für die Kinder). Das Vorurteil, dass man nicht so eine gute Bindung aufbaut ist meiner Meinung nach absoluter Blödsinn. Auch mit dem Stillen hatte ich keinerlei Probleme. Die Narbe habe ich die erste Woche natürlich gespürt. Aber gleich am nächsten Tag könnte ich wieder gehen und schaffte es meine Tochter selbst zu versorgen. Frauen die eine Naht auf Grund von Dammschnitt oder -riss hatten, schilderten mir ähnliche oder teilweise sogar schlechtere Heilungsverläufe. Jetzt nach einem halben Jahr ist die Narbe nur ein zirka 12 cm leicht roter Strich an der Bauchfalte. Kein Thema also.
Es bleibt zu sagen: ein Kaiserschnitt ist vielleicht nicht der beste Start in Leben. Aber es war eben unser spezieller Weg. Ja, anfangs war ich etwas traurig. Aber schnell stellte ich fest, dass ich es ohnehin nicht ändern konnte. Ich habe nichts versäumt, sondern nur was anderes erlebt als ich "geplant" hatte. Aber das Resultat ist das Gleiche: eine gesunde Tochter. Und wie alle Muttis wissen, das ist das Einzige was zählt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Carmen (Freitag, 08 September 2017 07:44)

    Deine Einstellung wie du sie am Ende schilderst find ich super

  • #2

    Julia (Freitag, 08 September 2017 12:29)

    Schön geschrieben. Und eine super Einstellung. Schade, dass es da doch immer noch so viele Vorteile gibt. Aber das wichtigste ist, dass man selbst damit Frieden schließen kann.