Geburtsbericht der lieben Katharina @_kathy_h

Es war Sonntag, der 10.07.2016, die Taufe meiner Nichte. Der kleine Mann in mir war schon 9 Tage über ET. Schon seit einer Weile hatte ich einfach keine Lust mehr auf die Schwangerschaft. Die Nächte waren blöd, ich konnte nicht gut schlafen und wünschte mir einfach unbedingt, den kleinen Mann endlich neben mir liegen zu haben. Mein erstes Kind, es war alles so aufregend und spannend und ich wusste ja gar nicht wie das alles dann wird. Aber ich war sehr dankbar über meine Frauenärztin, die sehr geduldig war und auch nicht einsah, Stress zu machen oder gar an eine Einleitung zu denken vor dem 14tag, solange es dem kleinen gut ging.
Aber es war schon sehr besonders, wie alle um mich mitfieberten, dem kleinen im Bauch gut zu sprachen, dass er doch gerne endlich mal kommen kann ... nur eben an diesem besagten Tag, dem Tag der Taufe meiner Nichte, selbst der Pfarrer(er kennt mich schon von klein auf) sprach sogar laut aus, dass es heute nicht sein muss, dass sich der Bäuchling auf den Weg macht.
Ich lächelte nur in mich hinein und spürte schon wieder eine Wehe...(haha, dachte ich, der kleine lässt sich doch nichts vorschreiben)
Wie schon am Vorabend, die Wehen. Es hatte dann aber wieder aufgehört. So saß ich also in der Kirchenbank und hätte immer wieder gerne laut "Hallelujah" vor Schmerzen aufgeschrien..aber dafür bin ich nicht der Typ. Es war dann tatsächlich eher so, dass es kaum einer um mich herum merkte, nur mein Freund, der ganz lieb gemeint, sein Arm immer wieder um mich legte.
So ging es also diesen heißen Tag über weiter, immer wieder starke Wehen. Ich war gegen Abend, zum Ende der Feier dann doch sehr unsicher. Wann geht man ins Krankenhaus? Meine Mutter, die auch von meinen Wehen wenig mitbekam, meinte, ich müsse noch nicht gehen. Meinen Freund zog es nun auch nicht unbedingt ins Krankenhaus. Schließlich war heute das Endspiel der EM: Frankreich - Portugal.
In der Halbzeitpause, nachdem ich die Wehen alle 5Minuten zählte, beschlossen wir nun doch ins kh zu fahren. Mir war es egal ob sie mich wieder heim schicken. Ich wollte nur Gewissheit, da ich auch die letzten Tage vermehrt schmerzen im Nierenbereich(habe bzgl Nieren eh schon eine Vorgeschichte und sollte diesbezüglich gut beobachtet sein)hatte...
Im Kreißsaal angekommen, stieg in mir die Aufregung. Die Hebamme schloss mich ans CTG an und informierte eine Frauenärztin um mich mal anzuschauen.. womöglich wegen der nierenschmerzen. Die Hebammen auf der Station zogen sich wieder zurück, schauten zur Überraschung meines Freundes, auch das Finalspiel. So hatte er immerhin jemanden um sich über dieses wichtige Ereignis auszutauschen :D
Die Ärztin kam, nahm mich mit in ein Behandlungszimmer ein Stockwerk weiter unten und entdeckte beim Ultraschall einen Nierenstau an einer Seite.
Der Muttermund war nun 1cm geöffnet. Klar war, dass wegen des Nierenstaus nun nichts gemacht wird, womöglich sind die Schmerzen nach der Geburt weg, meinte sie.
So ging es also ans Treppen steigen und spazieren so gut und viel es geht, wir wurden also nicht mehr nach Hause geschickt.
Es war eine ganz schöne angenehme Sommernacht, auszuhalten im Sommerkleid - wären da nicht diese Wehen, die immer stärker wurden und tatsächlich - wer hätte es gedacht -  entdeckte mein Freund an einem Fenster des Krankenhauses einen TV, an welchem er die letzten paar Minuten des Spiels noch verfolgen konnte. Da kamen meine Wehen, in welchen ich mich immer wieder fest an ihn krallte, deutlich unpassend! Aber da mussten wir nun beide durch.
Das Spiel war zu Ende, die volle Aufmerksamkeit galt mir - juhu! Ich war total müde. Wir beschlossen nochmal in den Kreißsaal zu gehen,  dass ich noch etwas ausruhen konnte. So wirklich schlafen ging nicht. Alle paar Minuten kamen Wehen. Um 3:30Uhr wurde noch einmal die Öffnung des Muttermundes gemessen, 3cm. Wahnsinn, ich dachte tatsächlich das geht alles schneller. Vor allem bei den Schmerzen.
Die Wehen wurden immer heftiger. Gegen 6Uhr waren wir immer noch erst bei 4cm. Die Herztöne des kleinen wurden mit jeder Wehe schlechter. Ich fühlte mich gut aufgehoben, die Hebammen waren sehr freundlich und schauten oft nach mir. Der Frühdienst kam, die neue Hebamme war nicht so Freund vieler Worte und wenn, wirkte sie sehr 'deftig'. Gegen 7:00uhr durfte ich in die Badewanne, mein Freund verabschiedete sich kurz zum Kaffee holen und frische Luft schnappen. Nach 30min klingelte ich der Hebamme, dass ich wieder raus wollte. Schade, also nix mit Wassergeburt.
Ein Arzt kam, schaute nach mir. Dann kam auch mein Freund wieder, er war tatsächlich vor dem Krankenhaus auf der Wiese eingenickt, der Arme...
Mein Becken wurde ausgemessen, da die Hebamme befürchtete, dass mein Kind nicht durch passt. Das verunsicherte mich total, weil ich eine normale Figur habe und das nie in Frage gestellt hatte, dass mein Kind da nicht durch passen könnte..
Der Arzt entschied sich, da nichts voran ging, dem Bäuchling Starthilfe zu geben und ließ die Fruchtblase platzen. Hui war das unangenehm. Auf einmal war alles nass, ich wurde kurz rot, obwohl das ja der Sinn der Sache war. Trotzdem ging nichts voran. Wegen der starken Schmerzen verlangte ich eine PDA.
Nachdem diese verabreicht wurde, wurde ich etwas später von einem anderen Arzt über Kaiserschnitt aufgeklärt. Etwas verwirrt, hörte ich mir das alles an. Hatte mir aber schon vorher klar vorgenommen normal zu gebären, wieso auch nicht und hatte tatsächlich das Thema Kaiserschnitt in jeglichen Büchern übersprungen. Und nun lag ich da, meine Beine kribbelten und das Thema Kaiserschnitt lag im Raum.
Die Hebamme machte mir noch einmal klar, dass nichts voran ging, die Wehen schon mit einem Wehentropf beschleunigt wurden aber tatsächlich jedes Mal die Herztöne des kleinen schlechter wurden und es Zeit war zu entscheiden wie es weiter geht...tja und nun, nun musste ich mich mit dem Gedanken an einen Kaiserschnitt anfreunden. Das war nicht einfach, ich weinte total, hatte kurz meine Emotionen gar nicht im Griff und war total aufgelöst. Ich wollte es so gerne schaffen. Innerlich hatte ich total das Gefühl versagt zu haben...
Dann ging es alles recht schnell. Die Ärzte wurden informiert.
Die OP liege stand schon vor der Tür. Eine andere Schwester kam mit der Hebamme, fragte, ob ich noch laufen kann bis zur Liege? Klar - wieso nicht!?
Mein Freund stütze mich und trotzdem brach ich auf einmal total zusammen. Na klar die PDA - meine Beine waren schließlich taub. Das hatte mein Gehirn irgendwie nicht mehr abgespeichert. Tage danach erst sah ich dass ich meine Knie tatsächlich richtig aufgeschlagen hatte.
Peinlich berührt und etwas erschrocken wurde ich dann in den op Saal geschoben. Mir war total kalt. Ich zitterte. Der Narkosearzt direkt an meinem Kopf, versuchte mir immer wieder gut zu zureden, reagierte auf jeden veränderten Gesichtsausdruck. Nein, schmerzen hatte ich nicht aber es war alles sehr unangenehm, wie an mir rum gerüttelt wurde. Ich schaute immer wieder etwas hilfesuchend zu meinem Freund. Fragte mich, ob das normal sei, es fühlte sich an wie ne Ewigkeit.
Und dann kam das schreien von unserem kleinen Noah. Uns beiden schossen die Tränen in die Augen. Vor Erleichterung und Glück. Wahnsinn, dieser Moment gehörte nur uns (und den 5 Leuten noch im OP aber die blendeten wir total aus). Es war total ergreifend. Endlich war er da. Gesund, alles dran, unglaublich schön.

Mein Freund durfte mit Noah schon mal raus, ich wurde noch genäht. Der zuständige Arzt erklärte mir, dass es die richtige Entscheidung war, einen Kaiserschnitt zu machen. Noah war sehr verkeilt in meinem Becken und wäre alleine so nicht raus gekommen. Es war sogar etwas schwierig ihn so, per Kaiserschnitt herauszuholen aber wenigstens ohne Gefahr für ihn.
Und dann, hatten wir noch etwa 2 Stunden im Kreissaal Zimmer diesmal tatsächlich nur für uns. Es war wunderschön und dieser Moment, zu wissen, keiner aus unserer Familie etc. weiß dass Noah nun da war. Das war in dieser heutigen Welt der Smartphones fast schon etwas zauberhaftes.
Wir genossen das noch eine ganze Weile so, bis wir erst später die Nachricht losschickten.

Am selben Tag noch trat es ein, das komische Gefühl der Überforderung. Ich schaute Noah immer wieder an, es war schön, aber so ganz realisierte ich es noch lange nicht. Auch meine Mutter, die am Abend zu Besuch kam, merkte gleich dass irgendwas anders war.
Es dauerte tatsächlich noch 2 Tage bis die Glücksgefühle eintrafen. Das machte mir total Angst. Aber das ist womöglich auch einer dieser Nachteile des Kaiserschnitts... oder? Ich weiß es ja nicht anders.


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