Geburtsbericht der lieben Sarah@miamilovesto

Mein Geburtsbericht beginnt in der 34. SSW. Ich hatte tierischen Juckreiz am ganzen Körper. Mein Freund musste mir abends den Rücken abschrubben, sonst war an Schlaf gar nicht zu denken. Bei einer Vorsorge nahm mir meine Ärztin auf Grund dessen Blut ab. Noch am selben Abend, gegen 21 Uhr, rief sie mich privat an und sagte meine Leberwerte wären so dermaßen schlecht, dass ich mich sofort stationär aufnehmen lassen sollte. Was für ein Schock, ich war noch nie bewusst im Krankenhaus. Verängstigt und verheult packte ich meine Tasche und wir fuhren in die Uniklinik, wir hatten uns eh für dieses Krankenhaus entschieden und eine eigene Kinderstation war jetzt notwendig, wenn auch erst mal nur vorsorglich. Knapp eine Woche und viele Nadelstiche später fuhr ich mit passenden Medikamenten gegen den Juckreiz und der Diagnose „Schwangerschafts- Cholestase“ wieder heim. Das bedeutet, schwangerschaftsinduizierte schlechte Leber- und Gallensäurewerte. Alles „giftige“ was sonst durch die Leber und Nieren verarbeitet wird dringt durch die Haut nach außen, daher der Juckreiz. Risiken der Krankheit sind Früh- und Totgeburten, daher der Plan zur vollendeten 37. SSW einleiten zu lassen. Ein paar Tage später, ich war genau bei 34+2, ein weiterer Vorsorgetermin. Ein guter Befund, unser kleiner Schatz liegt schon tief im Becken. Wer weiß ob wir überhaupt einleiten müssen...

 

Eine halbe Stunde später telefonierte ich mit meiner Mutter, räumte derweil die Wohnung auf und plötzlich: „Ups Mama, ich glaub ich habe mir grade in die Hose gemacht. Aber nur ganz wenig. Das kann kein Fruchtwasser sein!“ Die Ärztin hatte mir ja auch bestätigt, dass das Köpfchen auf die Blase drückt und es normal ist das jetzt mal ein paar Tröpfchen austreten können. Allerdings konnte ich nicht von der Toilette aufstehen. Jedes Mal wenn ich das tat lief es mir wieder in die Hose. Wie soll ich denn so heute Abend zum Geburtsvorbereitungskurs gehen, dachte ich mir noch. Auch als 20 Minuten später die ersten Wehen einsetzten war ich mir nicht sicher. Erst als mir ungefähr ein Stündchen später eine etwas flapsige Hebamme bestätigte, dass ich so ja wohl nicht mehr nach Hause könne wusste ich, mein Kind kommt! Jetzt! Knapp 6 Wochen zu früh!

 

Irgendwie habe ich die komplette erste Phase übersprungen, die Wehen kamen von Anfang an mit Abständen von weniger als zwei Minuten, teilweise gingen sie ineinander über. Oh man, ich dachte ich überlebe das nicht, ich musste kotzen, schreien, mich irgendwie wehren gegen diesen Hammer Schmerz. Ich forderte einen Kaiserschnitt, schrie meinen Freund an er solle sich seinen Scheiß Luftballon wohin stecken (Männer, wirklich! Kommt euer Frau während der Wehen nicht mit: Puste den Luftballon auf..., auch wenn euch das im Geburtsvorbereitungskurs so beigebracht wird.). Und überhaupt, was soll dieses veratmen? Wer hatte mir noch mal gesagt, dass das hilft?? Hat dieser Mensch schon mal ein Kind bekommen??

 

Vor der Geburt war mir klar, eine PDA kommt nicht in Frage. Zu groß war die panische Angst vor dieser Riesennadel. Doch jetzt war alles egal, es muss was passieren, das halt ich nicht aus. Keine einzige Wehe mehr.

 

Die PDA war nachträglich gesehen einer der schlimmsten Dinge, es tat so höllisch weh. Der Anästhesist musste dreimal stechen, jedes Mal zuckte es mir bis ins ganze Bein. Ich war so kraftlos und dieses Gefühl so unwirklich. Das war auch der Moment als mein Freund zum ersten Mal schluchzend wegbrach. Anscheinend habe ich einen sehr deprimierenden Anblick abgegeben.

 

Dann- endlich. Die PDA saß. Entspannung!!! Zeit für ein paar Snacks, ein paar Selfies und zum Glück einen Hebammenwechsel. Gegen 22.00Uhr, es waren mittlerweile fünf Stunden seit der ersten Wehe vergangen, spürte ich einen heftigen Druck im Po. Laut Hebamme war dass das Baby, dass sich in den Geburtskanal drückt, da hilft auch die PDA nicht. Ähhh, das ist aber der falsche Ausgang.... Der Muttermund war bei 10cm, ich könne also schon mal mitdrücken. Da ging mir zum ersten Mal so richtig die Pumpe, ich hatte Angst. Schaff ich das? So fühlen sich also Presswehen an? Die Presswehen an sich waren weniger schmerzhaft als anstrengend. Wir arbeiteten hervorragend als Team zusammen, die Hebamme sagte mir wo ich hindrücken musste, mein Freund unterstütze mich wie er konnte und ich ackerte. Vor Mitternacht schaffen wir nicht mehr, sagte die Hebamme. Um 23.52Uhr ist unser kleiner Sohn geboren.

 

Dann kam der Moment, von dem ich schon so viel gehört habe. Die Magie. Du liebst dieses Wesen von Anfang an, du fühlst dich komplett. Bei mir war das nicht so. Ich war einfach überfordert, da ist er also, mein Sohn. Erst mal ein fremdes Kind. Wie muss ich jetzt reagieren? Gucken mich jetzt alle an und erwarten die Magie zu spüren? Mein Freund schnitt die Nabelschnur durch und nach 10 Sekunden auf meiner Brust wurde er mir weggenommen und von fünf Kinderärzten im Frühchenzimmer untersucht. Er musste seine erste Nacht beatmet werden, ab dann hat er sich richtig gut geschlagen und sich in der Welt wohl gefühlt.

 

Ich Nachhinein kann ich sagen, es war eine schöne Geburt. Es hat sieben Stunden gedauert, bis auf die PDA hat alles genau so geklappt wie es sollte und wie es wünschenswert ist. Eine Geburt tut weh, aber dieses stolze Gefühl einen Menschen erschaffen und zur Welt gebracht zu haben toppt einfach alles. Die Liebe zum meinem Kind musste wachsen, wir mussten uns kennenlernen, die Verbindung fühlte ich nicht von Beginn an. Aber heute, acht Monate später, fühle ich immer noch wie die Liebe jeden Tag größer wird- falls das überhaupt möglich ist.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone (Freitag, 21 Juli 2017 10:59)

    Ein total schöner und so aufrichtig klingender Geburtsbericht! Oftmals hört man ja, dass man sofort überwältigt sein muss, sonst stimmt was mit einem selbst nicht. Irgendwie setzen einen solche Aussagen unter Druck.

    Danke!

  • #2

    Nikamue (Freitag, 21 Juli 2017 14:12)

    Die Magie kam bei mir auch erst später. Nach einem unerwarteten Blasensprung mit bereits grünem Fruchtwasser, ohne jemals eine Wehe gehabt zu habe, wurde ich 2x eingeleitet. Unsere Tochter kam dann relativ schnell und ich musste erstmal damit klar kommen, dass dieses kleine Wesen nun da ist. Die Liebe wächst mit der Zeit und wird auch heute noch von Tag zu Tag mehr!

  • #3

    Dorle (Freitag, 21 Juli 2017 14:38)

    Mir gefällt der Geburtsbericht auch sehr! Bei mir war es.auch so, dass ich auf DEN Moment gewartet habe...dabei muss alles erstmal wachsen und die Liebe wächst immer noch immer weiter!