Geburtsbericht aus Sicht eines Daddys @daddy_on_tour



Geburtsbericht aus der Sicht eines Daddys, oder ein Brief an die Maus.

Es war ein ganz schönes Abenteuer mit dir. Du hast uns ganz schön Sorgen bereitet. Hast dich selbst vor dem Kaiserschnitt Termin auf den Weg gemacht.

Du wolltest es dir halt einfach nicht vorschreiben lassen, wann du soweit bist. Ich hoffe dies wird immer so bleiben! Keiner soll dir im Leben vorschreiben, wann es Zeit ist zu laufen oder wann es Zeit ist auszuziehen. Es wäre aber nett, wenn du die Bett Zeiten einhalten könntest.

Was war das für ein verrückter Moment, als die Fruchtblase geplatzt ist und wir uns auf den Weg ins Krankenhaus gemacht haben. Irgendwie war ich in diesem Moment total gefasst. So viel Verantwortung hatte ich wohl noch nie in meinem Leben. Aber irgendwie hat es einfach funktioniert. Als hätte ich es 100-mal gemacht. Einen Tag vorher sagte deine Mama noch, dass es jetzt mal langsam gut mit der Schwangerschaft ist. Doch eigentlich hatten wir ja noch 3 Wochen. Wir haben uns also gerade einen Film bestellt und kurze Zeit später sitzen wir ganz unverhofft im Auto richtig Krankenhaus. Da wir aufgrund deiner Position eigentlich einen geplanten Kaiserschnitt Termin hatten, hatte ich mir gar keine Gedanken über die Hinfahrt gemacht und wie so etwas ablaufen würde. Ich hatte eher Angst, dass ich die Nacht vorher nicht schlafen kann. Dieses Problem hatte ich nun nicht mehr. Die Fahrt verlief ganz entspannt, zumindest für mich. Wir kamen im Krankenhaus an und liefen Zielgerichtet zur Entbindungsstation. Dort wurden wir total nett und professionell empfangen. Da besichtigt man Tagelang Krankenhäuser und eigentlich ist es in diesem Moment total zweitrangig. Bei den Besichtigungen sieht man nur Äußerlichkeiten. Doch eigentlich kommt es nicht darauf an wie schön die Zimmer sind, sondern wie die Menschen sind, die zu dem Zeitpunkt Dienst haben, wenn es soweit ist.

Nun ging alles ganz schnell, wie das halt so ist wenn ein professionelles Team zusammenarbeitet. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wir in guten Händen sind. Ich kann mich eigentlich nur noch an das Gespräch mit dem Narkosearzt erinnern. Da sitzt jemand vor einem, der aus der Serie Big Bang Theorie stammen könnte und sagt dann ganz trocken „Machen Sie sich keine Sorgen, ich kenne mich bereits mein ganzes Leben bestens mit Betäubungsmitteln aus“. Cooler Typ dachte ich mir, dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Da waren wir nun, Mama auf dem OP Tisch, Papa neben dran. In diesem Moment ist man hilflos. Viele Dinge gehen einen durch den Kopf. Man denkt an den Tod, aber man denkt auch an das Leben. Ich hatte glaube ich kurz angst alleine zu sein, wenn etwas schiefgehen sollte. Einen Menschen zu verlieren, den man schon lange kennt und einen Menschen nicht kennen lernen zu dürfen, auf den man sich so lange gefreut hat. Wie viele Menschen nun um uns herum waren und sie waren alle nur für dich gekommen. Da war der Narkosearzt aus Big Bang Theorie, ein älterer und ein jüngerer Arzt, eine Krankenschwester und die Hebamme, die uns an diesem Abend bis hier her begleitet hat.

Auf einmal warst du da und auf einmal warst du wieder weg. Ist etwas passiert? Wo bringen sie dich hin? Ängste kamen in mir hoch. Ich sah den besorgen Blick deiner Mama. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass es mir genauso ging. Doch dann wurdest du wieder hereingebracht, die Hebamme nickte mir zu. Es war alles gut. Du kamst erst mal zu deiner Mama. Ich gebe es zu, ich habe erst mal gezählt, ob alles dran ist. Wie idiotisch eigentlich. Da liegt dein Kind und du zählst erstmal durch.  2 Arme, haben wir. 2 Beine, vorhanden. 10 Finger, super, usw. So waren die ersten Minuten mit uns, Mama weint und Papa zählt.

Anschließend mussten wir Mama alleine lassen. Wir kamen zu 2. in einen Raum und ich musste mein Oberteil ausziehen. Da lagst du nun schreiend auf mir. Jetzt fühlte ich mich wirklich hilflos. In diesem Moment gab ich dir ein versprechen. Ich werde immer für dich da sein, egal was auch passiert. Die Zeit kam mir wirklich endlos vor, bis deine Mama herein gerollt wurde. Da waren sie wieder, die Gedanken. Geht alles gut? Warum dauert das so lange? Dann kam sie endlich und es wurde alles gut.

Eigentlich dachten wir, wir bekommen ein Familienzimmer. Doch wie sagte die Hebamme so schön, irgendwie habe sich alle Babys die letzten Tage auf den Weg gemacht. Wir mussten uns also erstmal ein Zimmer teilen und Papa musste nachhause fahren. Ich muss gang ehrlich sagen, dass ich in diesem Moment ganz froh war, dass ich die 1. Nacht alleine Zuhause verbringen durfte. Es waren einfach so viele Eindrücke und irgendwie musste ich das alles erst einmal verarbeiten. Es war ein wenig wie ein Traum und ich hoffe, dass dieser nie endet.

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Kommentare: 2
  • #1

    Adelaida (Freitag, 28 Juli 2017 09:02)

    Schöner Bericht! Und toll, dass auch mal die Männer erzählen, wie sie alles erlebt haben!

  • #2

    Vera (Sonntag, 29 Oktober 2017 21:28)

    Ein schöner Bericht, der sehr herzlich geschrieben ist. Alles alles gute für euch.
    Schön wie respektvoll du über alle geschrieben hast, die im Krankenhaus arbeiten. Du hast es passend formuliert. Eigentlich zählen die Äußerlichkeiten nicht.