Geburtsbericht der lieben Julia @flywithme

Schon länger wollte ich meinen Geburtsbericht aufschreiben. Bevor ich wieder Teile vergesse. Vieles wurde mir eh von meinem Partner erzählt. Habe wohl irgendwann abgeschaltet. Wo fange ich an?!
Das hier war meine 2. Schwangerschaft. Nicht viele wissen das, und es ist ok so wie es ist. Ich war 2009 schonmal schwanger bis zur 13. Woche. Dieses Baby musste aus Gründen gehen auf die ich nicht näher eingehen kann und will. Jetzt aber zu dieser Schwangerschaft. Bereits im Juni 2012 haben wir die Pille abgesetzt. Richtung 30 und in fester Partnerschaft mit Kinderwunsch war das beschlossene Sache. Das wir so lange auf unser Glück warten mussten, konnte ja niemand ahnen. Dazu sei zu sagen, dass wir beide aus der Fliegerei kommen und somit nicht jeden Monat zu den "heißen Tagen" vereint waren. Eisprung und einer in Dallas der andere in Tokio führt da nicht zum Ziel. Logo. Im Mai 2016 war dann auch so'n Monat. Aneinander vorbeifliegen vom Feinsten. Somit hatte ich "schwanger sein" im Juni 2016 so überhaupt nich' auf'm Schirm. Doch als ich aus Johannesburg landete und feststellte die OB's im Koffer sind unbenutzt war mir fast schon klar das es endlich geklappt hat. Die ganze Schwangerschaft lief traumhaft. Ich hatte anfangs etwas Kreislauf, bisschen Übelkeit und das wars. Ich fühlte mich richtig gut mit meinem Babyjungen im Bauch. Der letzte Vorsorge Termin war am 30.01. hier wurde das Gewicht ein vorletztes Mal geschätzt: 2900 Gramm. Am 12.02.2017 war unser ET. ab Anfang Februar wartete ich auf irgendwelche Anzeichen das es losgehen könnte. Wir waren ready. Baby Ecken in der Wohnung fertig. Geburtsvorbereitungskurs abgeschlossen. Klinik Tasche gepackt. Ich sag ja, es lief alles schon fast zu perfekt. Ich war so gespannt auf die Geburt. Ich fühlte mich gut vorbereitet. Ich hatte Respekt vor diesem Erlebnis. Respekt vor den Schmerzen. Aber voller Vorfreude auf dieses kleine Wesen welches mir nach der Geburt auf die Brust gelegt werden würde.

Sonntag, 18. Juni 2017 Ich habe überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt das bei der Geburt selbst noch Komplikationen auftreten könnten. Ich meine, zum Glück. Ich bin so gelassen ins Krankenhaus gefahren. Es war Samstag auf Sonntag Nacht als ich gegen 3Uhr wach wurde. Ich musste dringend auf Toilette. Nichts ungewöhnliches. Das hab ich immer im Halbschlaf gemacht. Doch dieses Mal war es anders. Ich lag wieder im Bett und musste schon wieder. So ging das ein paar Mal. Und ich war schon genervt von der schwachen Blase, wollte ich doch einfach weiterschlafen. Dann lief mir plötzlich was am Bein runter. Für einen kurzen Moment dachte ich schon, ich wäre zu spät zum Klo. Dann kam ein Ziehen dazu und plötzlich dachte ich auch mal daran das es evtl losgehen könnte. ;) es war nämlich ein vorzeitiger Blasensprung. Sonntag. Wochenwechsel. Es war genau 39+0. wie im Geburtsvorbereitungskurs gesagt bekommen, ging ich noch heiß duschen um die leichten Wehen zu "testen". Sie blieben und wurden etwas mehr so das ich gegen 05Uhr mal meinen Freund mit den Worten: "Schatz, ich glaub es könnte losgehen" geweckt habe. Gemütlich haben wir uns fertig gemacht. Ich war so gut vorbereitet, hatte sogar wasserfeste Mascara gekauft, für die Freudentränen für wenn das Kind da ist, damit ich auf den Fotos nicht wie ne Panda Mama aussehe. Ja ja so hat man seine Vorstellungen. Während der Schwangerschaft schauten wir uns 3 Kliniken, inkl. Uni Klinik an. Aufgrund der super entspannten Schwangerschaft entschieden wir uns für unser Wunschkrankenhaus. Etwas kleiner und familiär. Wir wussten ja, wenn was wäre, würde ja der Kindernotfallwagen aus der Uni Klinik innerhalb von 10 Minuten da sein.  Nie gedacht, das er tatsächlich bei uns kommen würde. Um 06.30h waren wir im Krankenhaus. Beide gut gelaunt. Gut vorbereitet. Gestärkt. Und in großer Vorfreude auf unseren kleinen Sohn. Mein Freund scherzte noch an der Anmeldung: "Verdacht auf Schwangerschaft". Ich lachte auch noch mit, obwohl die Wehen schon merklich stärker wurden. Wir fuhren in den 3. Stock und ich klingelte im Kreißsaal und muss zugeben da hatte ich Bauchkribbeln vor Aufregung. Eine ganz nette junge Hebamme die ich schon vom Vorgespräch her kannte nahm mich auf und brachte mich in ein Wehenzimmer um zu gucken ob es wirklich losgeht. Der MuMu war bei 2cm. Und kaum wurde ich ans CTG angeschlossen gings voll ab. Die Wehen wurden schnell stark und regelmäßig. So lag ich da ca 30 min und war so aufgeregt dieses Wunder jetzt erleben zu dürfen. Dieses Ungewisse der Geburt machte mir weiche Knie. Ich mag es schon wenn ich ungefähr weiß was auf mich zu kommt, aber das war eine ganz neue, eigene Situation. Draußen Morgendämmerung. Die Wehen waren also regelmäßig und wirksam. Jetzt musste ich nochmal zur ansässigen Gynäkologin zur Untersuchung und zum Ultraschall. Die Gynäkologin gab nochmal ein Schätzgewicht ab. Ihre Schätzung: 3400 Gramm Dann ging es auch schon wieder runter ins Wehenzimmer. Die Wehen waren weiterhin stark und wurden auch schon schmerzhaft. Mein Freund brachte schonmal unsere Sachen auf's Zimmer. Die Hebamme sagte mir, ich könne ja auch gern noch auf Station gehen, doch dazu kam es nicht, da die Wehen es nun echt wissen wollten. Also wurden wir glaube gegen 8/9 Uhr in den Kreißsaal gebracht. Hier sollten wir nun also unseren Sohn begrüßen. Ich weiß noch, der Kreißsaal war hell, mit schönem Spruch an der Wand, großem Bett, Sprossenwand... nicht ansatzweise hätte ich gedacht das ich hier tatsächlich noch bis abends 21.30h sein würde.
Die Sonne schien und ich war mir sicher mittags ist das Baby da. Es lief alles wie im Bilderbuch. Mittags war dann auch der MuMu bei 6cm und ich war stolz das diese Geburt bisher so lief wie ich es mir erhofft hatte. Meine einzige Sorge bisher war die Getränke Auswahl: es gab nur dieses olle fade Wasser und das mein Freund die Kotzschüssel immer wieder wegstellte. Ich gehe da nicht weiter drauf ein aber im Kreißsaal habe ich die ganze Zeit von morgens bis abends gebrochen. Die Wehenschmerzen waren so heftig das ich mich daraufhin immer wieder übergeben musste. Unsere Hebamme teilte uns dann langsam mit das sie das Kind wohl nicht mehr auf die Welt bringen wird da jetzt Schichtwechsel ist. Also kam gegen 13 Uhr glaube ich die neue Hebamme. Auch sehr nett und ich fühlte mich auch bei ihr gut aufgehoben. Dann wurde wieder der MuMu gemessen. Da ich weiter Schmerzen und Wehen hatte dachte ich, er sei jetzt bestimmt bei 8. leider hieß es:"noch immer 6cm" als die Hebamme meinen entsetzten Gesichtsausdruck sah, sagte sie: "ok, so 6,5cm haben wir"
Das war das erste Mal das ich etwas Panik bekam. Es war früher Nachmittag und ich dachte doch das Baby ist bald da, und dann stockte es plötzlich auch ganz.

Sonntag, 18. Juni 2017 Ich hatte vorher eine Liste gemacht wo auch Dinge draufstanden wie: "Dammschnitt vermeiden" und "keine PDA" ;) die Hebamme legte mir so gegen 15 Uhr ans Herz mir eine PDA geben zu lassen um etwas auszuruhen und Kraft zu tanken, da sie auch nicht absehen könne wie lang es noch dauert. Ich lehnte ab. Obwohl die Schmerzen so stark waren. Zum Glück hatte mein Freund einen kühlen Kopf und mich zur PDA bestärkt und mehr oder weniger entschieden hat das ich doch lieber eine möchte. Danke nochmal an dieser Stelle ;) die PDA wirkte schnell und ich hatte das Gefühl endlich nochmal atmen zu können. Nun schon 12 Stunden wach bin ich dann auch tatsächlich für ne Stunde oder so eingeschlafen. Es war dann glaube 16-17Uhr, es sollte weitergehen. Die Hebamme hat mich geweckt. Auf einmal tat sich aber nichts mehr. Ich hatte Schmerzen, aber zu schwache Wehen und sollte nun an den Wehentropf. Auch das wollte ich erst nicht, merkte aber auch das es wohl noch dauern könnte und ich nach dieser Ruhephase Probleme hatte wieder Kraft zu bekommen. Vor dem Wehentropf probierten wir noch viele Stellungen aus: Sprossenwand, am Tuch, Vierfüßler, auf den Knien auf dem Bett. Alles durch. Nur die Wanne, die ich in der Schwangerschaft in Betracht gezogen habe, reizte mich nicht. Der Wehentropf zeigte eine Weile auch nicht die gewünschte Wirkung bis er ganz hochgestellt wurde. Ab jetzt wird es auch dünner mit meiner Erinnerung und Details.
Die Wehen kamen jedenfalls stark zurück und ich hatte oft das Gefühl nicht atmen zu können und fand die Wehenpausen viel zu kurz um nochmal ein bisschen Energie zu bekommen. Die PDA ließ auch nach. Genau wie meine Geduld. Ich bat um noch eine PDA und ich hatte das Gefühl der Arzt brauchte ewig. Laut meinem Freund habe ich ihm dies auch so mitgeteilt als er endlich da war. Mit ihm besprach unsere Hebamme dann auch das Problem das es zu langsam bzw kaum vorwärts gehe und wir so langsam aber sicher zum Ziel kommen müssen. Ich glaube gegen 18.30h / 19.00h war ich dann in der sogenannten Austreibungsphase und merkte auch das etwas nicht stimmte. Ich presste wie verrückt mit der Wehe um meinen Jungen auf die Welt zubringen, ich dachte er kommt bald. Aber für mich nahm das kein Ende und irgendwann sagte mir auch die Hebamme das sie sich Unterstützung holt. Evtl kam die 2. Hebamme aber auch schon vorher, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Jedenfalls kam der Arzt dann auch wieder dazu um sich das Ganze anzuschauen. Es ging auch genau so weiter.
Sonntag, 18. Juni 2017 wie schon eine gefühlte Ewigkeit. Presswehen, Pressen, nix, Übergeben.... der Arzt sagte dann irgendwann das er die Saugglocke holen muss. Zur Sicherheit wolle er mal noch den Oberarzt aus der Rufbereitschaft dazubestellen. Mir war zu dem Zeitpunkt tatsächlich alles ziemlich egal, ich war schon gefühlt am Ende meiner Kräfte und wollte nur endlich mein Kind. Dem Kleinen wurde über den Kopf Blut abgenommen um nach seinem Sauerstoff zu gucken. Ich erinnere mich an einen Moment ganz genau. Wir waren noch ohne Oberarzt und die Hebamme sagte man könne das Köpfchen und die dunklen Haare sehen, und ob mein Freund mal gucken möchte. Ich bin so dankbar das er an meiner Seite war. Er hat die ganze Zeit an meiner Seite mitgekämpft. Und als er sagte: "Jule, ich seh seine Haare. Kämpf noch n bisschen, bald hast du s geschafft." Gab mir das nochmal einen Energieschub. Der Oberarzt kam dann also auch noch dazu und stellte sich auch noch bei mir vor, was ich zu dem Zeitpunkt völlig überflüssig fand. Ich konnte nicht mehr. Der Kreißsaal war voll mit Menschen und ich habe so langsam Panik bekommen.
Die Saugglocke wurde irgendwann angesetzt und ich arbeitete nur noch mit wie mir gesagt wurde. Ich spürte dann Schnitte und hörte auch die Schere und ich glaube ich habe doch noch innerlich geschmunzelt zum Thema Dammschnitt. Es wurde 3x geschnitten. Alles was geht um meinem Sohn zu helfen auf die Welt zu kommen. Der Oberarzt fing irgendwann allerdings an auf ungarisch zu schimpfen und ich spürte Unruhe aufkommen. Es wurde hektisch. Es wurde miteinander gesprochen aber nicht mit mir. Die junge Hebamme rannte schon zum Telefon und rief hinein: "Anästhesie auf die 3" ich habe ab da auch nichts mehr gesagt und nicht mehr geschrien. Ich habe die Panik um mich rum gespürt. Das war ein ganz komisches Gefühl und ich fühlte mich wie im Film. Es hatte doch so gut begonnen. Die eine Hebamme drückte, halb auf mir sitzend von oben, unten weiter mit der Saugglocke. Irgendwann spürte ich das was passiert ist und es gab auch glaube den kurzen Moment als jemand sagte der Kopf sei jetzt da. Auch wenn es meine erste Geburt ist, war ich mir doch sicher, gleich müsse das Baby da sein, aber es passierte irgendwie nichts.  Nur die Unruhe breitete sich weiter aus. Ich weiß gar nicht mehr ob mir gesagt wurde was dann gemacht wurde, jedenfalls ging jeder Arzt zu einem Bein von mir und auf 3 wurden beide Beine gleichzeitig hinter die Ohren gebracht. Nicht langsam. Auf 3 mit einem gewaltigen Ruck. Hier habe ich dann abgeschaltet. Das war mir alles zu viel. Ich fühlte mich wie in einem Schlachthof. Einer Metzgerei. Ich empfand das als unmenschlich und ließ es einfach geschehen. Bei jedem Mal Beine hinter den Kopf spürte ich das kleine Köpfchen gegen meine Oberschenkel schlagen. (Mc Roberts Manöver heißt das) Ich selbst dachte man würde mir die Hüfte brechen. Ich dachte sogar ich sterbe jetzt hier aber bitte holt das Kind daraus.
Ich habe auch nicht mehr wahrgenommen. Nur mitgemacht wie mir gesagt wurde. Plötzlich war wieder etwas da was ich wahrnahm. Die Hebamme rief: "Scheisse Nabelschnur" das waren also die ersten Worte nachdem mein Ben Emilian geboren ist. Ich guckte runter und sie klatschten mir ihn auf den Unterleib um die Nabelschnur zu trennen. Dann nahm ihn jemand und legte ihn unsanft dorthin wo eigentlich gewogen und gemessen wird. Er hat nicht geschrien. Und er war nicht bei mir. In den nächsten Minuten leerte sich schlagartig der Kreißsaal und da lag ich nun. Hatten wir es geschafft? Das Kind war da. Aber was ist jetzt? Ich war so fertig ich konnte nix fühlen und nichts sagen. Ich lag einfach da. Die Füße in den Fußschalen und war leer. Das war das Wort was mein Gefühl nach der Geburt am ehesten beschreibt.  LEER. Mein Freund wollte erst nicht weg von mir aber ging dann um sich nach unserem Sohn zu erkundigen.  Der jüngere Arzt war als einziger bei mir geblieben um das Gemetzel wieder zu nähen. Ich glaube wir wussten beide nicht was los ist und er fing an mit mir über meine Arbeit zu sprechen und wie ich meinen Freund kennengelernt habe. Im Nachhinein sagte mir mal jemand, er wäre nicht so ruhig liegen geblieben und wäre zu seinem Kind gerannt. Tja, ich kann es nicht beschreiben. Mir fehlen da immernoch die richtigen Worte. Ich wusste mein Kind ist geboren aber nicht was passiert ist oder passiert nur das ich keine Kraft mehr hatte und einen Film abgespielt habe. Ich weiß das Leben ist manchmal grausam und ich denke ein Teil von mir hat schon versucht ganz normal weiterzumachen. Irgendwie gefasst darauf das gleich eine schlechte Nachricht kommt. Es war alles so anders als geplant. Es ist so gekippt und ich war mittendrin in diesem Film und habe einfach nur geschehen lassen. Plötzlich schrie ein Baby. Das habe ich auch erst nicht realisiert. Aber der Arzt, selbst erleichtert, sagte: "hören Sie das Baby nebenan? Das ist ihres" da musste ich kurz weinen und wollte nur sichergehen das mein Freund bei unserem Sohn ist. Was er natürlich war. Er wollte mir eigentlich ne Fanta holen und durfte dann aber zum Glück zu unserem Sohn.

Sonntag, 18. Juni 2017 Zum nähen musste dann auch der Oberarzt geholt werden. Eine gute Stunde waren die Herren da unten zugange und ich schaute mich währenddessen in meinem Schlachtfeld um. Und es war kalt. Kalt und immernoch leer. Rundherum war alles voller Blut gespritzt was ich plötzlich registrierte. Nicht wirklich das es alles von uns war. Aber da waren überall Blutspritzer.
Eine der Hebammen kam wieder da sie die Geburtszeit brauchten. Sie rätselte kurz mit dem Arzt wann der Kindernotfallwagen der Uni Klinik angefordert wurde und so kamen sie überein auf 20:38Uhr. Unser Ben Emilian ist am 05.02.2017 um 20:38Uhr mit 4050 Gramm und 53 cm geboren.
Man sagte mir dann, er müsse jetzt nach Gießen in die Uniklinik gebracht werden, aber ich dürfte ihn vorher sehen. Um 21.30Uhr, knapp eine Stunde nach der Geburt kam dann das eingetroffene Ärzteteam der Uniklinik mit meinem Sohn zu mir. Er war in ein Handtuch gehüllt und das Schönste was ich je gesehen habe. Ich sollte versuchen zu stillen. Aber da war nichts. Meins Kleiner lag nur da und war kraftlos und ich ebenso. Wir haben einfach nur diese 5 Minuten zusammen genossen. Milcheinschuss Fehlanzeige. Ich hatte immer noch etwas Leere in mir und konnte noch nicht so ganz verstehen was hier passiert ist und das er jetzt wo er endlich bei mir ist schon wieder weg muss. Doch nach 5 Minuten nahm ihn mir die Ärztin wieder ab und im Wärmekasten wurde er dann weggefahren.
Die Hebamme kam dann und bettete mich um bzw ging erst mit mir auf Toilette. Als ich da so saß. Leer und glücklich aber voll Sorge sah ich auch in ihrem Gesicht und auf ihrer Brille Blut. Es war so surreal. Ich hatte durchaus mit Schmerzen gerechnet. Aber hiermit nicht. Um 23 Uhr rief mein Freund dann mal bei unseren Familien an um Bescheid zu geben. Natürlich waren die auch verunsichert und wollten Infos. Aber die hatten wir bis dahin ja selbst nicht.  Zumindest aber wussten wir das es ihm gut geht und er nur zur Überwachung verlegt wurde. Wir überlegten ob wir uns mitverlegen lassen, das war aber nicht möglich, da auf der Station in der Uniklinik kein Platz mehr war. Da es hieß nur ein Tag Überwachung und er den nächsten Abend zurück zu uns kommen sollte, entschieden wir uns in unserer Geburtsklinik zu bleiben. Nach Hause zu gehen und ihn besuchen zu fahren war auch keine Option da ich selbst ja auch noch nicht fit war und die Ärzte mir auch rieten noch zu bleiben. Die Nacht war ein Zwischending aus einfach nur KO und vor Erschöpfung schlafen und weinen wenn man wach wurde und anderes Babys weinen hörte. Wir vermissten unseren Sohn sehr. Ich schaute mir immer wieder die Bilder an wo ich ihn auf dem Arm halten durfte und hörte Musik.  Musik hilft immer. Und dankbar war ich über das Familienzimmer. So konnten mein Freund und ich zumindest zusammen sein. Die nächsten zwei Tage, Montag und Dienstag, bestanden nur aus warten auf die Ärzte, einigen Gesprächen mit dem Oberarzt der uns erklärte was passiert ist. Ben steckte bzw verkeilte sich mit der Schulter im Becken. Schulterdystokie heißt es. Da muss alles schnell gehen da die Sauerstoffversorgung des Babys ein Gefahrenpunkt ist. Er erklärte mir auch das er in seiner Laufbahn erst 2x eine Schulterdystokie hatte und es sehr selten passiert. Bei 2000 Geburten nur ca 3-4 mal und nur 10% der Babys keine Folgeschäden behalten. Gerade das Gehirn ist oft betroffen aufgrund der Sauerstoffsituation. Vieles geht auch nur so rein, weil ich irgendwie gar nicht so aufnahmefähig war. Ich wartete nur darauf das wir unser Kind holen durften. Erst später wurde mir immer mehr bewusst was für ein Glück und wieviele Schutzengel wir im Kreißsaal hatten. Mittags bekamen wir die Info das er doch noch nicht zu uns darf. Erst dienstags. Da wurde dann aus morgens, mittags, aus mittags abends. Die Warterei war furchtbar. Montag Nachmittag habe ich mich dann auf eigenen Wunsch für 2 Stunden entlassen um unseren Sohn zu besuchen. Mein Freund fuhr mich liegend zur Uni Klinik. Sitzen ging ja nicht. Aber es war es einfach wert. Wir durften zu unserem Sohn. Zwar mit Krankenhaus Kittel aber wir hatten ihn auf dem Arm und wir wussten er hat keine Folgeschäden und all die Strapazen der Geburt gut verkraftet und es hieß nur noch das Mama und Sohn sich bald einfach nur noch erholen müssen. Der Besuch tat so gut auch wenn ich nach ner Stunde nicht mehr konnte und wir zurück mussten. Dienstag Abend dann durfte mein Freund ihn abholen. Ich war so aufgeregt. Gegen 21.00h waren meine Männer dann da. Einer der schönsten Momente. Wie die Tür aufging und mein Freund da mit unserem Sohn, eingemummelt im Maxi Cosi stand. Unbeschreiblich. Wir haben die ganze Nacht gekuschelt.

Bei den Ärztegesprächen den nächsten morgen erfuhren wir dann auch das er die ersten 10 Minuten nach der Geburt reanimiert und intubiert werden musste. Der Apgar Wert war nur 4 und nach 10 Minuten dann aber bei 9. Man hatte gewartet bis er bei uns ist um uns das zu sagen. Donnerstags, den 4. Tag nach Geburt ging es nach endlos scheinenden Abschlussgesprächen und Untersuchungen sowie einem Psychologen Gespräch gegen 16Uhr endlich nach Hause. Die Zeit zu Hause haben wir uns erstmal Ruhe eingeräumt. Besuche auf das Minimum beschränkt. Ich hatte mit dem Stillen zu kämpfen. Der Start war ja nicht so gegeben und in der Uni Klinik bekam er natürlich die Flasche. Mittlerweile haben sich die Mühen, Tränen und Schmerzen gelohnt. Wir genießen das Stillen und sind ok damit, dass er nie ganz von der Flasche weggekommen ist. Eigentlich bin ich einfach nur jeden Tag von Dankbarkeit erfüllt das alles so gut ausgegangen ist. Wir genießen jeden Moment zu 3. ich habe in der Schwangerschaft einfach nicht daran gedacht, welche Gefahren doch noch in so ner Geburt stecken. Und ich muss sagen: ZUM GLÜCK, denn ich habe die Schwangerschaft sehr genossen, und bin froh nicht gewusst zu haben, was für n Kampf die Geburt und auch die Zeit danach werden würde. Wir haben aber alles gut verarbeitet, viel geredet und das alles hat uns 3 unglaublich zusammengeschweißt. Manchmal denke ich noch an den Moment nach der Geburt und dieses Leere Gefühl. Das fehlt mir nach wie vor. Der Moment nach der Geburt wo ich mein Kind in meinen Gedanken immer auf mir lagen sah, das fehlt. Und das tut weh wenn Leute schwärmen das alle Schmerzen vergessen sind wenn man erst das Kind auf der Brust liegen hat. Und das ich die ersten 2 Tage nicht bei ihm sein konnte macht mich nach wie vor traurig.

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Caro (Freitag, 01 September 2017 09:53)

    Liebe Julia, danke für diesen offenen und emotionalen Bericht. Du bist eine Kämpferin das merkt man. Denk nicht mehr an die zwei Tage. Der Junge ist gesund und sieht dazu noch super süß aus. Alles Gute für euch!

  • #2

    Gabi (Freitag, 01 September 2017 10:34)

    Was für ein emotionaler Bericht ♥️ Das mit den ersten zwei Tagen, die Dir fehlen tut mir leid, die kann Dir leider auch keiner wiederbringen. Aber was Du und Dein Körper ausgehalten habt, um dieses kleine Wunder auf die Welt zu bringen - Wahnsinn. Schön, dass er alles so gut überstanden hat und jetzt so ein Süßer ist.

  • #3

    Adelaida (Freitag, 01 September 2017 10:42)

    Ich hatte Gänsehaut beim Lesen! Schön, dass es euch gut geht!

  • #4

    Amelie (Freitag, 01 September 2017 13:22)

    Ich hatte auch so Gänsehaut beim Lesen. Du hast ein kleines Wunder geboren und warst dabei so stark wie man es nur sein kann. Und auch wenn es sehr schwer war hast du es geschafft und deinem Kind geht es gut! :) Ich wünsche euch alles Gute!

  • #5

    Nine (Freitag, 01 September 2017 13:44)

    Das ist so unglaublich bewegend. Krasse Geschichte.

  • #6

    Lia (Freitag, 01 September 2017 16:34)

    Mir fehlen die Worte!!!....
    Du bist unheimlich tapfer! Mit deinem Bericht hast du mich knallhart erwischt... Mutig bist du!
    Sei nicht traurig über die ersten 2 Tage! Ihr seid beide zusammen und habt wahrscheinlich schon unzählig viele tolle Momente erlebt und es werden noch mehr�

  • #7

    Karin (Mittwoch, 06 September 2017 00:08)

    Eigentlich fehlen mir die Worte und d Tränen fließen bei mir grad. Unfassbar, was du mitgemacht hast!!! Unfassbar, dass man all das aushält. Danke, dass du über diese schwierige Geburt hier berichtet hast!!! Dem lieben Gott u all den Schutzengeln DANKE, dass euer Schatz gesund ist!!!
    Schön, dass dein Mann immer bei dir war!!!
    Alles Gute weiterhin u glg
    Karin ( dagidagmar)