Geburtsbericht der lieben Menerva @blog_hotel_mama

Mein kleiner Hai im Teich

Sie haben uns gesagt, wir würden keine Kinder bekommen können. Ich würde keine bekommen können. Er aber schon. Er wollte nur von mir Kinder und das konnte ich ihm nicht geben. „Es ist wahrscheinlicher, dass Sie von einem Hai im Teich attackiert werden als, dass Sie ein Kind austragen würden.“ Mit diesen Worten nahm mir meine damalige Gynäkologin jede Hoffnung Mutter zu sein und ich erstummte tagelang. Wir haben ein gutes Leben, wir haben einander und wir reisen viel. Vielleicht sollte es nicht mehr als das sein. Vielleicht verlange ich einfach zu viel. Andere Menschen haben die wahre Liebe nicht gefunden und ich darf neben meiner jeden Tag aufwachen. Ich sollte dankbar sein und den Mund halten, dachte ich. 
 
Eines Tages, es war mein 26. Geburtstag, hätte ich meine Periode bekommen sollen. Die kam aber nicht. Ich dachte mir nichts dabei, weil sie sich öfter verspätet oder verfrüht bei mir meldet, die gute Dame. An diesem Tag aber, wollte ich einen Schwangerschaftstest machen. Irgendwo muss noch ein ungebrauchter Test liegen, irgendwo in der Schublade waren noch zwanzig ungeöffnete Streifen, oder so. Ich nahm den Test, pinkelte auf ihn drauf, hob ihn zu meinem Gesicht hinauf und bildete mir ein, da war ein Streifen. Ein zweiter, heller, aber auf jeden Fall anwesender Streifen. Da war was. Mein Hai im Teich. Mein kleiner Super-Hai im Teich des Lebens, hatte mich tatsächlich gefunden. Voller Freudentränen und Fassungslosigkeit zugleich, rief ich meinen Mann (der in der Arbeit saß) an und teilte ihm die Nachricht mit. Danach rief ich alle Leute an, die mir etwas bedeuten und ließ sie Teil daran haben.
Die Schwangerschaft an sich war (fast) reibungslos. Aber mein Hai ließ auf sich warten. Erst 6 Tage nach dem Entbindungstermin spürte ich, dass da „jetzt vielleicht doch etwas kommt“. Mitten in der Nacht, es war fast Mitternacht, fuhren wir ins Krankenhaus. Ich wollte eine natürliche Geburt, kein PDA, weil ich in den Pool steigen wollte. Leider war schon eine andere Dame da, die gerade eine Wassergeburt hatte und es gibt nur einen Pool im Krankenhaus. Mit diesem Schock ging ich in das Vorbereitungszimmer und hörte die Frau im Zimmer gegenüber schreien:“Ich will nach Hause! Ich kann nicht mehr.“ Oje, ob ich das auch schreien werde? Die Wehen sind stark. Ich habe das Gefühl, dass mir der Rücken in den Bauch fällt. Wann ist das bloß vorbei? Ich kann nicht liegen, auch nicht sitzen, aber gehen hilft. Eine Hebamme stellt sich bei mir vor, ich bekomme ihren Namen nicht ganz mit, aber sie sieht nett aus. Mein Mann und meine Mutter sind bei mir. Beide schlafen auf einem Sofa, dann wacht mein Mann auf und macht Fotos von mir, UMBRINGEN könnte ich ihn, so wütend war ich. Die Hebamme kommt wieder herein, verabschiedet sich aber, weil ihre Schicht endet. Eine andere kommt und stellt sich vor, sie ist sehr distanziert und „macht einfach nur ihren Job“, nämlich mich. Sie kommt alle paar Stunden, wirft einen Blick auf mich und geht wieder. „Strengen Sie sich ein bisschen an, ich kann nicht alles für Sie tun“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Spätestens hier bereue ich, dass ich keine Wahlhebamme genommen habe. Ich hätte ihr am liebsten ins Gesicht geboxt! „Geben Sie mir eine PDA. Alles an Drogen was Sie haben, pumpem Sie mich damit voll.“ Sie weigert sich:“Zu spät, Ihr Muttermund ist schon fast 9 cm offen.“ Eine Stunde später öffnet sie den letzten cm mit ihren Fingern und schreit mich dann:“Na pressen Sie doch!“ In diesem Moment und Dank ihrem ignoranten Ton habe ich voller Wut nicht nur geschrien, gepresst und all meine Kraft benutzt, um meine Tochter rauszubekommen, sondern unabsichtlich mit meinem Fuß die unfreundliche Hebamme voll im Gesicht erwischt. Und da war sie dann. Mein kleiner Hai. Klein. Warm. Feucht. Erschöpft. Wunderschön. Meins. In diesem Moment hätte ich sogar die unfreundliche Hebamme abbusslen können. Unser erstes Selfie im Kreißsaal habe ich natürlich meiner alten Gynäkologin per Mail geschickt. 

 


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Kommentare: 5
  • #1

    Schirin (Freitag, 23 Juni 2017 13:30)

    Deine Texte sind so anziehend, dass meine Augen gezwungen sind weiterzulesen.

  • #2

    Carina (Freitag, 23 Juni 2017 20:50)

    So schön, ergreifen und einfach passend gewählt. Hab am Ende noch ein Tränchen gedrückt �.
    Alles Gute ��

  • #3

    Kristina (Freitag, 23 Juni 2017 21:39)

    Wie schön, dass euer kleiner Hai bei euch ist! Ich wünsche euch alles Gute :)

  • #4

    Ute (Freitag, 23 Juni 2017 23:52)

    Ooooh wie schön!!! ❤

  • #5

    Katharina (Donnerstag, 29 Juni 2017 14:25)

    Wahnsinnig schön und ergreifend! Ich finde es echt unfassbar wie oft ich schon von Frauen gehört habe, dass sie unfruchtbar seien, laut Arzt und trotzdem nun Mama. Ich gönne es all denen besonders arg :)