Geburtsbericht der lieben Nina @ninalevisofficial

Sie kommt definitiv eher Frau Levis , sagte man mir. Bis zur 18. Woche sagte man uns aber auch das  Hannah ein Noah wird. Vieles verunsicherte mich. Vor allem aber hatte ich Angst. 
Samstag, 12.11.2016  
Es war wieder einer dieser Abende. Ich hatte  mittlerweile den drölften Geburtsbericht auf Youtube intus.  Und auch die Suchergebnisse bei Dr. Google: „Wie merkt man das die Geburt los geht “ waren bereits alle gelesen. Ich hatte bereits den ganzen Tag diese fiesen, bei mir piksenden Übungswehen. Seit 2 Wochen dachte ich jeden Tag mindestens ein Mal es geht los. Und ich hatte wirklich alle “Anzeichen“ mit genommen, die es so gibt.  Von Selbstreinigendem Durchfall, Erbrechen bis zu übelstem Nestbautrieb war alles dabei.  Mittlerweile war ich ja nun schon 5 Tage über dem ET.  Und seit 3 Tagen war ich  auch auf allen sämtlichen Globulis . Ob die mir geholfen haben ? Keine Ahnung.  Ich ging viel spazieren, badete jeden Abend ( unseren Nachzahlungsbetrag möchte man nicht sehen :D ) . Stopfte scharfes Zeug in mich hinein. Aber nichts passierte.  Ich war mehr als deprimiert, geladen und hatte einfach keine Lust mehr.  
Irgendwas war heute komisch. Heute verschwanden die Übungswehen auch irgendwie keinen Moment.  Gegen 21 Uhr wurde es deutlich schwerer.  Ich lag wie ein gestrandeter Wal auf der Couch , jammerte vor mich hin und zählte wie eine Irre mit meiner App die Wehen Abstände.  Irgendeine komische Show lief im Hintergrund. Ich hätte ja niemals gedacht dass es heute  los geht. Gegen 23:30 hatte ich auch einen stärkeren Druck nach unten.  Weshalb wir uns dann entschieden hatten , los zu fahren. Mit Wir meine ich , meine Mama & meinen Mann. Ja ihr hört richtig. Meine Mama sollte an meiner Seite sein.  Ich hatte alles im Vorfeld mit meinem Mann so abgesprochen, dass er erst rein kommt , wenn sie da ist. Ich wollt es so, weil ich wusste, dass mir meine Mama definitiv mehr eine Hilfe sein wird, als er.  Im Nachhinein würde ich es immer wieder so machen. Denn er kann leider kein Blut sehen und ich wollte ihm das ganze Theater auch irgendwie ersparen. Nicht das mir irgendwas vor ihm peinlich wäre, nein. Aber so hatte ich einfach ein besseres Gefühl. 
Im Kreißsaal angekommen empfing man uns sehr herzlich.  Schon im Vorgespräch wählten wir damals ein Familienzimmer.  Auf welches wir dann direkt gebracht wurden.  Vorher wurde aber noch der MuMu untersucht, was wirklich etwas unangenehm aber auszuhalten war. Die Hebamme schmunzelte. „Frau Levis wir sind bei nicht mal einem cm - Es geht zwar los, aber nicht jetzt. Sie können gerne etwas gegen die Schmerzen haben und nochmal versuchen zu schlafen.“ Gott , dachte ich mir.  Wenn das alles hier den ganzen Tag für nicht mal 0,5cm gut war , wie soll ich erst den Rest schaffen ? 
Kurz nach 0:30 wurden wir auf unser Zimmer gebracht. Vorher wurde noch ein CTG geschrieben.  Auf welchem übrigens keine regelmäßigen Wehen mehr zu sehen waren.  Immer mal eine .  Aber hier war nichts mehr regelmäßig. Peinlich dachte ich .  Ich bekam ein Beruhigungsmedikament & ein Schmerzmedikament. 
Von dem ich mich leicht berauscht fühlte. Meinen Mann schickte ich nach Hause. Damit er nochmal schlafen kann.   
Richtig  fest einschlafen konnte ich allerdings nicht.  Gegen ca 4 Uhr wurde ich sehr sehr herb aus meinem Rausch “geweckt“. Dieses Mal waren die Wehen schon ziemlich schmerzhaft , aber immer noch aushaltbar.  Während der Wehenpausen versuchte ich mich zu entspannen und nicht zu verkrampfen.  Manchmal hielt ich einfach die Luft an, weil ich so dachte , dass der Schmerz aufhört. Er hörte  nicht auf. Nun durften wir dann den Kreißsaal beziehen.  Welcher wirklich sehr schön ausgestattet war. Es gab alles was eine Frau in der Geburt so gebrauchen könnte.  Ah fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass ich zuvor noch ein Sexy Hemd angezogen bekommen hatte.  Unter welchem ich übrigens ebenfalls vergessen hatte, meinen BH auszuziehen.  Mittlerweile traf auch noch eine Freundin ein.  Denn ich dachte mir, rechts und links jemanden zu haben , wäre durchaus von Vorteil.  Im Kreißsaal angekommen , trank ich erstmal ein paar Gläser Wasser.  Wahrscheinlich viel mehr, als über die gesamte Schwangerschaft verteilt. Das Bett war schön weich, der Kreißsaal in einem gedämmten Licht.  Es war Schichtwechsel.  Die neue Hebamme begrüßte mich und untersuchte erneut meinen MuMu.  Jetzt war es auch gar nicht mehr so unangenehm. 2 cm.  Ich dachte ich hörte nicht richtig. 2cm wow.  Schöne Scheiße. Gott verdammt wie sollte ich den Rest schaffen. Aber für diese Gedanken war schon gar keine Zeit mehr.  Denn die Wehenabstände wurden immer kürzer und der Schmerz stieg. Ich schrie mir wirklich die Seele aus dem Leib. Fluchte , weinte. Schrie nach meiner Mama , obwohl sie direkt neben mir stand. Sie hielt meine Hand , versuchte mit mir zu veratmen , trocknete meine Tränen . Die Hebamme sah ich selten. Sie betreute neben mir noch zwei weitere Geburten.  Ich hörte die Frauen ebenfalls schreien. Sie schrien um ihr Leben.  Noch mehr Angst machte sich breit. Hätte man die Wände nicht schaldicht bauen können? Als es irgendwann nicht mehr zum aushalten war , verlangte ich nach der PDA. Ein folgenschwerer Fehler. Wie sich später herausstellte. Der Anästhesist und seine Schwester , waren auch recht fix da. Ich weinte.  Und wieder diese doofe Angst. Vor dem was noch kommt. Die Betäubung spürte ich nicht. Das Legen der PDA war leicht unangenehm . Aber man schafft das. Ganze 2 Mal versuchte er sie zu legen. Beim dritten Mal funktionierte es dann endlich. Die Hebamme hing das Gerät, was aussah wie eine Fernbedienung , neben den Tropf. Niemand erklärte mir, wie irgendwas funktionierte.  Man spritze mir die Erstdosis.  Es ging wirklich sehr schnell, dass ich kaum noch etwas von den Wehen merkte . Es war wie im Traum.  Ich fühlte mich wie Hulk. Die Welt hätte ich retten können. Ich dachte mir , na wenn das jetzt so easy geht ist sicher mal ein bisschen Zeit für einen Instagrampost. Den ich dann auch uploadete . ( Gibt’s das Wort überhaupt? ) Nen ganz coolen vom Wehenschreiber. Das man aber auf das Teil was aussah wie eine Fernbedienung, alle halbe Stunde hätte draufdrücken sollen, sagte man mir auch nach 2 weiteren Stunden nicht. 
Und so kamen die Wehenstürme wirklich mit voller Wucht wieder. Eigentlich sah die Hebamme keine Gründe weshalb man mal den MuMu untersuchen sollte.  Aber auf mein Bitten, und das meiner Mama ließ sie sich dann doch überreden.  4cm. Und wieder eine Ohrfeige.  Frau Levis Sie stehen jetzt mal kurz auf und gehen bitte auf die Toilette.  Ich ? Aufstehen? Hahahahaha . Ich lachte so laut innerlich.  Dafür war keine Zeit . Die Wehen übermannten mich.  
Also auf zur Toilette.  Hilfe war das ein Marsch. Ich hatte wirklich die ganze Zeit Bammel , dass genau jetzt die Maus kommt. Natürlich kam sie nicht . Und ich schaffte es wirklich auf die Toilette zu gehen.  Und siehe da, kaum war ich wieder auf dem Bett angekommen. Machte es plopp und meine Fruchtblase war geplatzt.  Ja und dann ging es erst richtig los. Wo die Hebamme war ?  Die war mal wieder verschwunden. Ich fühlte mich wirklich unfassbar allein gelassen von ihr.  Jedes Mal wenn Sie rein kam stammelte sie irgendwas von:“ Frau Levis reißen Sie sich doch mal zusammen jetzt und so schlimm kann es doch gar nicht sein. Sie haben doch schon eine PDA bekommen.“ Irgendwann kam sie dann doch, weil es anscheinend so laut war , dass schon einige Ärzte ab und zu mal in den Kreißsaal illerten. Die Hebamme kam ans Bett und schaute nach meinem Blutdruck und wunderte sich selbst wieso die Schmerzen immer heftiger wurden. Sie fragte mich ob ich denn auch ordentlich auf den Knopf der PDA gedrückt hätte , damit sie sich überhaupt hoch dosiert.  Bitte was ?? Ich war so geschockt. Das hatte mir weder der Anästhesist gesagt , noch die Hebamme selbst.  Das sagte ich ihr dann auch. Sie wirkte ziemlich erstaunt und ebenfalls geschockt .  Sie war peinlich berührt und wurde rot. "Frau Levis da müssen Sie dann leider  jetzt so durch. Die PDA bekommen wir die letzten Stunden jetzt nicht nochmal so hoch dosiert , dass es Ihnen eine Erleichterung verschafft . Ich rufe die Anästhesie nochmal an , was wir jetzt machen können ." Mit dem Satz verließ sie mich wieder. Auch meine Mama kämpfte mit den Tränen . Dennoch gab es kein zurück mehr.  Für langes Nachdenken und aufregen war auch gar keine Zeit mehr . Die Wehen wurden immer heftiger. Denn ich spürte, dass sich auch die Lage der Maus so langsam veränderte und der Druck nach unten zunahm.  Irgendwann traf dann auch eine Anästhesistin ein .Das müsste so gegen 12:30 gewesen sein.  Ihr wurde die Lage kurz erklärt. Sie belächelte es allerdings nur und schaute dann in wie weit ich denn die Wahrheit sagte. Sie sprühte mir Desinfektionsmittel auf die eigentlich leicht betäubten Extremitäten und fragte mich ob ich spüre dass es kalt wird. Ich erwiderte natürlich, dass es leicht kalt ist und das ich alles komplett spüre. Logischerweise oder ?  
Sie spritze mir erneut etwas gegen die Schmerzen. Ob davon `ne Besserung eintrat , konnte ich leider nicht sagen. Ich wollte nicht mehr. Ich schrie so laut ich konnte. Fluchte. Biss in das Kissen und hatte wirklich Angst um mein Leben. Ich wünschte mir in diesem Moment nichts sehnlichster als einen Kaiserschnitt. Meiner Mama und meiner Freundin reichte es. Sie waren selbst betroffen und manchmal kamen Ihnen die Tränen. Ich sah das sie mir helfen wollten.  Meine Mama bat mich aufzustehen. ( Was sie mich übrigens schon seit 4 h gebeten hatte).  Ich aber einfach nicht wollte.  Dieses Mal versuchte ich es. Tja Mädels und als ich dann stand - ich konnte es kaum fassen.  Wurde es auf einmal so machbar. Ich begann mein Becken zu kreisen.  Es tat natürlich noch weh. Aber ich konnte es so viel besser veratmen und irgendwie aushalten.  Der Druck wurde immer heftiger. 
Mir war auch gar nicht mehr nach schreien. Ich wurde sogar stiller. Es war tatsächlich auszuhalten. Ich glaubte es nicht.  Wie sich der Druck nach unten anfühlt ?  Ja er fühlt sich tatsächlich an , als müsstet ihr mal ziemlich ziemlich Dolle groß🙈 Sehr groß… Im Stehen waren die Herztöne der Maus leider nicht mehr so toll. Mein Kreislauf machte auch etwas schlapp.  Weshalb dann irgendwann auch mal die Hebamme samt Oberärztin eintraf. Diese entschied dann , dass die Maus jetzt kommen muss . Also wieder aufs Bett . Keine Ahnung wie . Aber irgendwie hievte man mich dann nach oben.  Dort sollte ich dann die Beine anwinkeln und selbst in die Hände nehmen.  Die Oberärztin schaute mich eindringlich an und sagte ich solle nur dann pressen wenn sie es sagt. Gut dachte ich mir.  Endlich jemand der dich etwas anleitet. Nur doof wenn das pressen einfach so von selbst kommt . Ich versuchte wirklich so viel Kraft aufzuwenden wenn ich nicht pressen sollte. Ziemlich oft wurde mir schwarz vor Augen. Doch irgendwie war meine Motivation so hoch wie nie zuvor. Ich konnte  "mitarbeiten". Das Ziel war sehr nah.  Das Pressen war ziemlich anstrengend aber es war nichts gegen die Schmerzen zuvor.  Irgendwann hatte ich kaum noch Kraft.  Wieder eine Presswehe. " Frau Levis jetzt noch 2 mal pressen " ertönte es von irgendwo.  Denn ich war irgendwie in meiner eigenen Welt.  Es wurde alles hektischer. Ich presste wirklich was das Zeug hält und irgendwann schnellte die Oberärztin um mich rum und drückte auf meinem Bauch. Scheiße auch noch das, dachte ich mir. Sie war etwas kleiner als ich  & hockte über meinem Kopf.  Das hätte ich gerne gesehen :D Davor hatte ich doch auch so viel Angst. Doch ich war ihr so dankbar.  Sie half mir unglaublich damit und weh tat es nun auch nicht viel mehr , als die Wehen vom Anfang . Also eigentlich tat es nicht mal weh. Sondern war nur leicht unangenehm.  Ich nahm meine ganze Kraft zusammen , presste . Die Oberärztin drückte.  Von rechts und links feuerte man mich an. Und flatsch. Da war sie .  Sonntag, 13:26. Meine kleine Hannah.  3600 Gramm schwer 51cm groß.  Jubeln. Mein Mama weinte. Meine Freundin weinte.  Hannah fing an zu schreien.  Wow war ich geflasht und erleichtert . Das es meinem kleinen Mädchen gut geht. Ich fühlte nichts außer Erleichterung. Das  endlich alles vorbei war.  Sie war so hübsch. Diese Augen , die hatte sie definitiv vom Papa.  Der war soeben auch eingetroffen . Er hatte Tränen in den Augen . Schon eine ganze Stunde saß er vor dem Kreißsaal. Und auch da hörte man mich .  Er sagte mir wie viel Angst er um uns hatte und wie stolz er ist.  Ich fühlte mich immer und immer mehr benebelt und nun wurde auch unterhalb alles taub.  Ah die PDA dachte ich mir, wirkt endlich. Herzlichen Dank , nur etwas zu spät.  Nachdem die Maus gewogen und etwas gewaschen wurde , wurde sie mir direkt zum kuscheln auf die Brust gelegt. Dort legte ich sie auch zum ersten Mal an. Ich musste so schmunzeln , weil sie trank wie ein Vielfraß. Ganz der Papa, dachte ich mir. Und streichelte ihre Wangen.  Ich fand sie so so wunderschön .  In der Zeit wurde ich auch noch genäht . Denn man musste ihr  kurz bevor sie kam,  den Weg etwas erleichtern.  Das Schneiden bekam ich übrigens nicht mit, genauso wenig wie ich das nähen kaum spürte.  
Nach einiger Zeit wurden wir dann auf das Familien Zimmer gebracht.
Und es fühlte sich alles so unecht und neu an. Dennoch schön. Wunderschön. Unglaublich.  
Meine Lieben , leider ist bei mir so einiges schief gegangen. Was nicht hätte sein müssen.  Ich bin der vollen Überzeugung, dass wenn die PDA gewirkt hätte und ich mehr gestanden hätte & vor allem aber die Hebamme mich mehr angeleitet hätte , dies definitiv eine viel schönere Geburt hätte werden können.  Mittlerweile wünsche ich mir auch ein zweites Baby, irgendwann.  Doch da werde ich so einiges anders handhaben.  Ich würde mir auch wünschen das die Hebammen einfach vermehrt eingesetzt werden .  Denn wie soll sich  eine Hebamme auf dich konzentrieren   , wenn sie nebenbei noch 3 andere Geburten betreut.... Danke an Massa , irgendwie hat mir das aufschreiben geholfen.      

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Kommentare: 1
  • #1

    kontakt@elephanted.de (Freitag, 16 Juni 2017 10:39)

    Das ist einfach so heftig, wenn ich das lese. Ich denke noch nicht wirklich an Kinder und habe auch absolut keine Ahnung von Schwangerschaften, da ich noch nie eine Freundin hatte, mit der ich das irgendwie so richtig durchgemacht habe. Das was du hier schreibst, ist einfach unglaublich. Wie einen Menschen im Stich lassen können, die sich darum kümmern sollten, dein Kind sicher zur Welt zu bringen und versuchen sollten dir Schmerzen, die man vielleicht verringern hätte können, zu nehmen. Aber ein Glück geht es deiner Hannah und dir gut. :) Danke für den Bericht!
    Liebe Grüße
    Saso