Geburtsbericht der Lieben Isabell @Bellaisabellchen

Tja, wo fange ich am Besten an...
Irgendwie ist es so, dass man in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder auf das Thema Schwangerschaft und/oder Geburt kommt. Während der Gespräche kristallisiert sich wiederholt heraus, dass ich blöderweise bei allem mitreden kann (spontane Geburt, eingeleitete Geburt, stille Geburt, Kaiserschnitt...) Will ich eigentlich nicht, aber so ist nun mal das Leben. Mein Leben.
Ich muss vielleicht ein bisschen ausholen... Ende 2005 haben wir uns entschlossen die Pille wegzulassen und es einfach mal drauf ankommen zu lassen. Nun gut, ich kann schon hier erwähnen, dass wir uns nur anschauen brauchten und schwuppdiwupp war ich schwanger. Nach einer völlig relaxten Schwangerschaft kam dann unsere Maus Emily im Aug 06 auf die Welt. Hier muss ich echt einwerfen, dass ich mir in dieser Schwangerschaft jegliche Horrorgeschichten von Geburten reingezogen hab und immer dachte, pah alles Luschen... lange Rede kurzer Sinn, ich fand`s damals Hölle... zwei Tage nach der Geburt bin ich einer Schwangeren begegnet und ich hab losgeheult und gerufen: oh mein Gott, wenn du wüsstest was auf dich zu kommt!!!! Mein Mann hat mich dann dezent außer Reichweite geschoben.  Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass das das harmloseste meines Geburtenmarathon sein sollte. Wir haben lange Zeit gesagt Emily bleibe Einzelkind; nun ja 2010 haben wir es uns doch anders überlegt alles ging wieder ruck zuck und schwanger war ich... blauäugig und ohne jegliche Angst bin ich zu meinen Arztterminen... denn schlimme Sachen treffen immer andere! Von wegen. Bei einer normalen Kontrolle in der 19.Ssw stellte der Arzt zu wenig Fruchtwasser fest. Zudem noch andere kleine Auffälligkeiten, die ich aber gar nicht mehr wahrnahm. Völlig unter Schock faselte er etwas von Genfehler bla bla bla ich weiß es einfach nicht mehr. Schlussendlich stellte man einen seltenen Gendefekt fest (Meckel-Gruber-Syndrom für die Googler unter euch) die Babys haben außerhalb des Mutterleibes keinerlei Überlebungschancen. Ich weiß noch wie ich aus der Praxis bin und im Auto saß und es einfach nicht fassen konnte. Mir wurde so schlecht wie noch nie in meinem ganzen Leben und musste mich tatsächlich übergeben. (Ich muss hier kurz erwähnen; ich übergebe mich NIE, das letzte Mal mit 12 Jahren oder so). Nun gut, zwei Tage später wurde die Geburt eingeleitet. Das Ganze ging geschlagene 3 Tage bis wir den kleinen, vollständig entwickelten nur ziemlich kleinen Colin im Arm halten durften. Für uns war es eine kostbare Zeit, da wir genug Zeit bekamen uns zu verabschieden, ihn segnen zu lassen und und und. Für Emily war es hingegen Horror, als sie mich im Krankenhaus abholte schrie sie mich an, wo das Baby wäre, warum ich sie so lange alleine lies, warum sie keine Babyklamotten mitbringen durfte usw. Auch dieser Moment, wenn du OHNE Baby nach Hause gehst, zerreißt dich in Millionen Stücke… Das war die schlimmste Zeit in meinem ganzen Leben… und doch war genau Emily für mich der Rettungsanker in diesem schwarzen Tunnel. Dank ihr haben wir uns zusammengerauft und es tatsächlich das Jahr drauf einfach noch einmal versucht. Klar, das schwanger werden war ja nicht das Problem... wir sind dann zwar mit ganz anderen Gefühlen zum Arzt aber irgendwie dachten wir auch, zweimal das gleiche Schicksal passiert einem ja nicht. Leider lagen wir wieder falsch... erst in der 21. Woche stellte sich derselbe Genfehler heraus und uns stand das gleiche Prozedere bevor! Fragt mich nicht wie wir das alle nochmals durchgemacht haben, es lief einfach wie in einem Film an uns vorbei... 2011 kam dann unser zweiter perfekter Junior (Eric) still zur Welt. Du fragst dich wirklich was du falsch gemacht hast, warum wir, warum muss Emily in so jungen Jahren so einen Kack mitmachen? Alles was sie wollte war doch "nur" ein Geschwisterchen!!! Man fragt sich natürlich auch oft nach dem Sinn des Ganzen… Meiner Meinung nach gibt es keinen, aber es hat uns als Familie wahnsinnig zusammen geschweißt.
Für viele Leute unverständlich haben wir es trotzdem ein drittes Mal versucht, ja ihr wisst es ja schon, schwanger wurde ich auf Anhieb! Wir haben dann in der 15. Woche eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht... es waren die zwei nervenaufreibendsten Wochen die wir auf das Ergebnis warten mussten! Als dann unser mittlerweile persönlicher Genetiker anrief ,bin ich fast gestorben. Ich konnte es nicht glauben als er sagte: „ Frau S. mit dem Burschen ist alles in Ordnung!“ Wie jetzt??? Jedem, dem wir dann von unserer Schwangerschaft erzählten, freute sich nicht, weil ja jeder dachte:" wer weiß, was wieder passiert." Das ich bei der Verkündung dann schon in der 17. Woche war, kam für die Familie auch sehr überraschend. Diese Schwangerschaft verlief dann auch alles andere als schön. In der 24. Woche öffnete sich einfach so mein Gebärmutterhals und ich musste für eine Woche ins Krankenhaus. Dort wurde mir ein Ring eingelegt und ich hatte danach komplettes Sofawohnrecht! Ich sag`s euch, eine Haushaltshilfe nach der anderen machten unseren Alltag wahnsinnig und Emily zählte nur noch die Tage bis der ganze Schrott rum war. Zu allem Übel lag der Kerl natürlich falsch herum. Ich dachte nur „Halleluja“ ich mach nen Kaiserschnitt, Wehen will ich nie nie wieder. Drei Wochen früher als geplant ist mir die Fruchtblase geplatzt. Wir völlig panisch ins Krankenhaus. Dank meiner Akte fackelten sie nicht lange rum und der kleine Scheißer erblickte per Kaiserschnitt das Licht des OP-Saales! Der Akt selber ist ja herrlich, schwupp und das Baby ist da. Nur danach, diese Schmerzen. ich fand das so so schlimm ... aber wir hatten unser Baby! Manchmal kann ich es selber nicht fassen, dass wir eine kleine Familie sind…
Mein Fazit der letzten 6 Jahre? Es war nervenaufreibend, tränenreich, hoffnungslos und doch erfahrungsreich, mein Leben prägend und in keinster Weise wegdenkbar. Ich würde trotzdem mit keinem tauschen wollen. Wir haben das schlimmste durchgemacht und trotzdem haben wir das Beste was uns hätte passieren können links und rechts an der Hand und zwei süße kleine Schutzengel, die immer in unseren Herzen bleiben werden!
 Auch wenn das Leben zäh sein kann, aufgeben war für uns nie eine Option und es hat sich gelohnt !
Danke fürs lesen...

Isabell

 

 

 

Wenn ihr mehr zum Thema Sternenkinder lesen wollt, schaut mal: hier

LG Eure Massa.

 

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Kommentare: 12
  • #1

    fraeulein_raupe (Freitag, 19 Mai 2017 07:09)

    Ich bin immer wieder beeindruckt von den Kräften einer Familie und der großen Liebe solche Verluste zu überstehen.

  • #2

    Denise (Freitag, 19 Mai 2017 07:26)

    Vielen Dank für das Teilen Deiner Geschichte! Bewundernswert, wie ihr das zusammen durchgestanden habt.

  • #3

    Nicole (Freitag, 19 Mai 2017 08:30)

    Danke für das teilen Eurer Geschichte. Ihr seit eine unglaublich starke Familie und ich wünsche euch für die Zukunft ganz viel Freude und Gesundheit

  • #4

    Andreakatzenundliebe (Freitag, 19 Mai 2017 09:04)

    Was für ein toll geschriebener Bericht wieder! Und wieder nicht ohne Tränen Verdrücken gelesen. Wie schön, dass am Ende manchmal doch alles gut wird <3 :-). Wunderbar, ich freue mich sehr für euch!

  • #5

    Herzamstiel2.0 (Freitag, 19 Mai 2017 10:07)

    Wow. Ich weine.
    Ein ähnliches Schicksal mit zwei stillen Geburten hintereinander hat ein Freundin durchleben müssen. Ich hoffe auch für sie, dass sie und ihr Mann es ein drittes Mal versuchen wollen. Und bewundere diese wahnsinnige Kraft. Ein Schmerz, unvorstellbar. Danke fürs teilen eurer Geschichte

  • #6

    Paul (Freitag, 19 Mai 2017 10:26)

    Danke für deine Story. Sie hört sich so schlimm es auch ist, für mich ein bisschen nach Jammern auf hohen Niveau an. Denn für Leute die gar keine Kinder bekommen können Ist das Leben nochmal schwieriger. Ihr habt 2 gesunde Kinder. Seid dankbar dafür.

  • #7

    Rebecca (Freitag, 19 Mai 2017 11:05)

    @Paul, ich finde deinem Kommentar unmöglich. Jemand der keine Kinder hat kann auch nicht nachvollziehen, was es heißt, sein Kind zu verlieren!!

  • #8

    Jule (Freitag, 19 Mai 2017)

    Ich weine. Meine Tochter hat das gleiche Syndrom und wurde eingeleitet still geboren. :( es ist so selten, so unfassbar selten. Sie ist das besonderste meiner Kinder. Sie hat mich geprägt und mir gezeigt, dass alles seinen Sinn hat. Auch wenn es am Anfang nicht so erscheinen mag, der Schmerz unfassbar ist. Heute schaue ich mit Demut und Dankbarkeit in den Himmel. dankbar dafür, dass sie unser Kind ist. sich uns als Eltern ausgesucht hat. Am Ende des Regenbogens sehen wir dich wieder. Ich liebe dich Johanna.

  • #9

    Isabell (Freitag, 19 Mai 2017 13:16)

    @paul glaub mir, das willst du nicht mitgemacht haben und auch ich weiß, dass kinderlose wahnsinnig viel mitmachen müssen, ich masse mir aber nicht an, diese Menschen zu verurteilen was schlimm oder Jammern auf hohem Niveau ist, das ist bei jedem anders. Und ich bin bestimmt eine der dankbarsten Mamas, das kannst du dir nicht vorstellen. Trotzdem danke und viel Glück für euch...

  • #10

    Jess (Freitag, 19 Mai 2017 13:21)

    @paul sorry aber bitte schmeiß dein Handy weg...

  • #11

    Annika (Freitag, 19 Mai 2017 18:47)

    @Paul dein Kommentar ist ja wohl absolut daneben.
    Natürlich ist es für Paare die keine Kinder bekommen können schlimm, aber ich möchte mir nicht einmal vorstellen wie es ist zwei Babys gehen lassen zu müssen. Ich finde niemand darf sich anmaßen was "Jammern auf hohem Niveau" ist,denn jeder hat sein Päckchen zutragen.
    Liebe @Bellaisabellchen danke das du eure Geschichte mit uns geteilt hast. Es hat mich sehr berührt. Ich drücke dich ganz doll.

  • #12

    Tanjazzzzzz (Montag, 22 Mai 2017 06:12)

    Wow!Hut ab vor so viel Kraft! Einmal Hölle und zurück ! Und Eure Kinder sind bezaubernd! Danke fürs teilen!