Geburtsbericht der lieben Lena @triple_mom_life

Eigentlich wären wir jetzt Sechs

     

Ich fang mal kurz ganz vorne an, am Anfang der Schwangerschaft. Ich wusste jedes mal sofort, dass ich schwanger bin. Schon bevor meine Periode ausblieb, war da dieses Gefühl, dieses Gefühl, dass irgendwas anders ist. So auch dieses mal, bei Schwangerschaft Nummer 3. Beim Frauenarzt war es noch zu früh, etwas zu sehen, lediglich eine klitzekleine Fruchthöhle zeigte sich. Eine Woche später ging mein Mann mit und auf die Frage, ob denn alles okay sei, mit dem Baby antwortete die Ärztin: „Um ehrlich zu sein, liebe Frau W., sind hier 2 Fruchthöhlen.“ Ich sah meinen Mann an, wir waren geschockt. Zwillinge??? Mein Mann war kreidebleich. Nach dem Schock kam auch ein bisschen Freude. Ich kuckte schon nach einem Zwillingswagen, war mir ganz sicher, wir würden einen Jungen und ein Mädchen bekommen. 2 Wochen später saß ich wieder auf dem Stuhl, aber es war kein 2. Baby zu finden. Ich war mir aber doch so sicher, dass es noch da war...hatte nichts gemerkt, dass irgendwas anders wäre. Bis zum Schluss der Schwangerschaft tauchte kein zweites Baby mehr auf und je weiter die Schwangerschaft voranschritt, desto weniger dachte ich an unser Baby, das nicht mehr da war. Als sich herausstellte, wir bekämen einen Jungen, war er wieder mal da...der Gedanke...der Gedanke, dass uns dann wohl unser Mädchen verlassen hat. (Ich bin einfach so fest davon überzeugt, dass es ein Mädchen war) Aber es war okay so. Die Freude auf unseren Jungen überwog, das Mädchen verließ uns so bald, noch bevor man es spüren konnte...es war traurig, aber okay.

 

Dann kam der Tag der Geburt, Ich lag schon im Krankenhaus, mit Verdacht auch Schwangerschaftsvergiftung (Ich nahm diesmal alles mit, von Übelkeit, Erbrechen, über Wassereinlagerungen und Schwangerschaftsdiabetes, bis hin zur Schwangerschaftsvergiftung). Um 9 Uhr sollte ich in den Kreißsaal zur CTG-Kontrolle, Die Hebamme untersuchte meinen Muttermund, dieser war schon ein Stück offen, Wehen hatte ich jedoch noch keine. Zurück im Zimmer war gerade Visite und der Arzt erklärte mir, wir würden noch nicht einleiten, ich wäre noch über 2 Wochen vor Termin und wir würden erst die Untersuchungen abwarten, in Bezug auf die Schwangerschaftsvergiftung. In dem Moment kam sie...eine Monsterwehe...ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, atmete ruhig weiter, nickte, lächelte gequält und sagte nur „Jaja, ich verstehe schon.“ Insgeheim dachte ich mir nur, „mein Baby wird heute noch kommen, wir müssen gar nichts mehr einleiten und jetzt hau ab, dass ich meine Wehe in Ruhe veratmen kann.“

 

Als er weg war, kamen ziemlich schnell aufeinander immer heftigere Wehen. Um 10 Uhr ca. rief ich meinen Mann an, dass er sich mal auf den Weg machen solle. Ebenso meine Mama, die schon bei Baby Nummer 2 dabei war und sich auch diesmal wieder sehr darauf freute, die Geburt miterleben zu dürfen. Zwischen halb 11 und 11 waren dann alle da. Ich musste nochmal zur Toilette und als ich aufstand, machte es PLATSCH. Das war dann wohl die Fruchtblase. Ich fing an zu Putzen, worüber sich meine Hebamme köstlich amüsierte, aber das liegt einfach in meiner Natur...ich konnte das nicht einfach lassen. Ab da lag ich dann...eine Wehe nach der anderen überrollte mich. Meine Hebamme riss noch Witze über meine Wassereinlagerungen, als die Presswehen einsetzen. Ich muss sowieso ein riesen Lob an meine Hebamme aussprechen. Sie hat mich so toll begleitet während dieser Entbindung. Mit Humor, Gefühl und Gelassenheit haben wir gemeinsam um 12.08 Uhr unseren kleinen Toni zur Welt gebracht. Ich schwebte im 7. Himmel, war einfach nur überglücklich...und dann kam er...der Moment...der Moment, der doch nochmal alles auf den Kopf stellte...Die Nachgeburt kam, meine Hebamme sah sie und fragte sofort: „“Waren das Zwillinge?“Ich war geschockt und bejahte ihre Frage, fragte sie, wie sie denn darauf käme. Und da zeigte sie sie mir, die Plazenta unseres Mädchens, die Plazenta, die nur mandarinengroß war und sich dann anscheinend nicht weiterentwickelt hat, Diese zweite Plazenta, die aufgehört hatte, das zweite Baby zu ernähren und zu versorgen. Und doch war sie da. Da hatte ich ihn, den Beweis, dass unser Mädchen wohl doch noch ein wenig in mir war, dass sie nicht ganz so schnell von uns gegangen ist, wie erst vermutet wurde. Die Freude über Toni war riesig, der Adrenalinausstoß enorm und so rückte der Gedanke an unsere Mila (Ich hatte ihr schon einen Namen gegeben) wieder in den Hintergrund. Erst mit der Zeit, als sich alles legte, wir als Familie zur Ruhe kamen, da tauchten sie immer wieder auf. Diese Gedanken an unser Babymädchen und ich ließ sie zu. Ich trauerte und nahm bewusst Abschied von ihr. Ich sagte Tschüß zu unserer kleinen Mila und machte Platz in meinem Herzen für sie. Ich rückte ihr ein Plätzchen zurecht und füllte es mit Liebe nur für sie allein...Liebe für unsere kleine Mila, die warum auch immer, nicht bei uns bleiben konnte und trotz allen genauso mein Herz füllen sollte, wie unsere anderen drei Kinder. Es ist okay für mich, ich bin mir sicher, dass alles auf der Welt aus einem bestimmten Grund passiert, Und so hatte es mit Sicherheit auch seinen Grund, warum unser Baby nicht bei uns bleiben konnte. Doch trotzdem taucht er immer wieder auf, zwischendrin, der Gedanke: Eigentlich wären wir jetzt zu sechst.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Kathrin (Freitag, 28 April 2017 08:44)

    Liebe Lena, ein wunderschöner Bericht! Rührt mich Freitag morgens zu tränen. Alles gute für euch!

  • #2

    anni_mone (Freitag, 28 April 2017 08:48)

    Wow. Früh am Morgen mit Tränen in den Augen. Aber du hast recht, alles passiert aus einem bestimmten Grund. Mila sollte "nur" in euren Herzen leben. Ein besonderes Herzenskind eben ❤️

  • #3

    Carmen (Freitag, 28 April 2017 09:45)

    Sehr rührend. Ich muss weinen.

  • #4

    leas_mama_30 (Freitag, 28 April 2017 16:07)

    Sehr berührend❤

  • #5

    Bianca (Samstag, 29 April 2017 12:02)

    Wow, toll geschrieben. Konnte mich richtig in den Text hineinfühlen. Den Tränen nah, möchte ich noch hinzufügen. Alles liebe dir und deiner Familie. Gruß Bianca aus Österreich

  • #6

    Lara (Samstag, 29 April 2017 13:08)

    Dein Bericht zeigt auch wieder mal, das Gefühl einer Mutter trügt nicht, egal was Ärzte sagen.

    Alles Liebe für euch. :)