Geburtsbericht der lieben Jacqueline

 Am 12.06.2016 hielt ich mein ganzes Glück im Arm.


Ich bin schon immer ein ängstlicher Mensch gewesen. Ich machte mir also grosse Sorgen um die Geburt. Was wenn das Köpfchen zu gross ist? Was wenn mein Becken bricht? Oder ich eine Herzstillstand erleide? Solche Gedanken kamen mir dabei. Aber die Hebammen aus dem Geburtshaus nahmen mir meine Ängste und ermöglichten mir somit eine wundervolle Traumgeburt. Ich habe es ganz einfach passieren lassen.


SAMSTAG 3.00 Uhr:

Ein paar Tage nach ET hatte ich in der Nacht von Freitag auf Samstag Schmerzen. Ich habe kaum geschlafen. Musste andauernd auf Toilette. Rosafarbiger Schleim war zu sehen. Es ging also endlich los.


SAMSTAG 6.30 Uhr:

Mein Mann und ich fuhren Samstag morgens früh ins Geburtshaus. Dort untersuchte mich meine Hebamme. Der Gebärmutterhals war verkürzt, aber der Muttermund war noch nicht geöffnet. Sie riet uns, nochmal nach Hause zu fahren und zu schlafen. Wir waren etwas enttäuscht. Denn wenn man überfällig ist, kann man gar nicht mehr warten.



SAMSTAG 12.30 Uhr

Die Schmerzen wurden weniger und wir konnten noch etwas schlafen.


SAMSTAG 17.30 Uhr

Die Hebamme von morgens (meine Lieblingshebamme nebenbei bemerkt 😁) hatte ab 18 Uhr keine Rufbereitschaft mehr und wollte nachhören, wie es mir so geht. Mir ging es gut und noch kamen keine weiteren Wehen


SAMSTAG 18.00 Uhr

Punkt 18 Uhr fingen die Schmerzen wieder an und diesmal waren es richtige Wehen. Mein Mann war sich kurz vorher nicht sicher, woran erkennen wir richtige Wehen? Und die Hebamme meinte dann immer: 'das wirst Du merken, glaub mir. Deine Frau wird dann nicht mehr ruhig sitzen können und keine Kraft mehr haben zu reden.' Das war dann auch so 😁 Wir schauten uns in der Zeit zu Hause auf der Couch den Film Fack Yu Goethe. Das werde ich wohl nie vergessen, wie wir die Pausen der Wehen mit der Stoppuhr verfolgten und gleichzeitig über die Witze im Film lachten. Ich schrie und drückte die Hand meines Mannes.


SAMSTAG 21.30 Uhr

Die Hebamme riet nochmal baden zu gehen, zu testen ob es richtige Wehen sind. Dazu hatte ich aber gar keine Zeit und auch keine Lust. Es wurde immer heftiger. Ich lief um unseren Esstisch herum und konnte nicht mal mehr reden, als die Hebamme am Telefon fragte, wie es mir geht (Also man merkt es ganz eindeutig, wenn es richtige Wehen sind ☺).


SAMSTAG 22.30 Uhr

Auf dem Weg zum Geburtshaus. Merke: Autofahren mit Wehen ist scheisse. Ich befahl meinem Mann vorsichtig zufahren bei jeder Kurve und bei jedem Hubel und gleichzeitig sollte er sich beeilen 😁


SAMSTAG 23.00 Uhr

Meine Hebamme machte schon beim Aussteigen aus dem Auto Andeutungen, dass es nicht lange dauern würde und machte alles bereit. Nach der Untersuchung kam dann die ernüchternde Nachricht, nur 3 cm geöffnet. Uff. Ich musste mich mehr entspannen und die Wehen veratmen. Jutta - meine Hebamme - half mir durch jede Wehe und sprach mit mir. Dank ihrer Hilfe kam ich zur Ruhe und öffnete mich schnell. Zwischendurch hörte sie die Herztöne meiner Kleinen ab. Es war alles in Ordnung.

Anfangs sass ich auf einem Ball und hinter mir Jutta. Mein Mann konnte nicht viel helfen, aber ich war einfach nur froh, dass Jutta in dem Moment hinter mir sass. Unter anderem deshalb weil mir plötzlich bei der nächsten Wehe so schlecht wurde, dass ich mich übergeben musste - leider zu spät für einen Eimer, mein Mann und die Praktikantin bekamen alles ab 🙈 das werde ich ebenfalls nie vergessen. Aber es war alles halb so wild.

Irgendwann hatte ich einen richtigen Druck nach unten und wollte pressen. Ich  brauchte noch ein paar Zentimeter und musste versuchen dem Druck Stand zu halten und die Wehen zu veratmen. Mittlerweile lag ich nun in einem ziemlich grossen Bett (im Geburtshaus gibt es ein Zimmer, das so aufgebaut ist, wie ein nettes Schlafzimmer - sehr gemütlich)


SONNTAG 3.03 Uhr

Und dann war es soweit, dass ich pressen durfte - und dann ging es sehr schnell. Jutta massierte meinen Damm und legte warme Lappen auf meine Scheide.

Das Köpfchen schob sich immer ein Stückchen rein und raus. So sollte sich alles etwas dehnen.

Dann war das Köpfchen komplett draussen und Jutta sagte: "jetzt musst du nur noch einmal pressen und du kannst deine Kleine in den Arm nehmen" und so war es auch. Das ganze ging so schnell - nach 4 Stunden im Geburtshaus war Lola auf der Welt.

Ohne PDA - ohne Geburtsverletzungen - ohne andere Hilfsmittel.


Abgesehen von den üblen dennoch erträglichen Schmerzen war es eine Traumgeburt und es ging alles seeehr schnell. Jutta meinte, dass es auch zum ersten Mal so schnell ging im Geburtshaus - die Wehen kamen in sehr kurzen Abständen und ich hatte kaum Pausen. Aber sie meinte, ich hätte dafür sehr grossartig mitgeholfen und gut zugehört. Ich bin froh, dass ich mich für das Geburtshaus entschieden habe. Meine Hebamme war ständig bei mir. Wir kannten uns seit Anfang der Schwangerschaft.


Nachdem Lola dann auf der Welt war, wurde meine Maus gewogen und untersucht und von Hannah - der zweiten Hebamme - und meinem Mann angezogen. Ich wollte währenddessen duschen gehen als mich Jutta wieder rücksichtsvoll aufs Bett schob und meinte: 'das wird nicht klappen'. Ich war etwas verwirrt, aber als ich dann auf Toilette ging, wusste ich, was gemeint war. Mein Kreislauf war im Keller. Das hatte ich dann wohl etwas unterschätzt ☺

Die Hebammen machten uns noch etwas zu essen und dann durften wir um 6 Uhr nach Hause.


Jede werdende Mama, die die Möglichkeit hat, eine Beleghebamme bei der Geburt einzubeziehen, rate ich: tut es. Ob nun im Geburtshaus oder Kreissaal. Das muss wirklich jeder selber entscheiden. Aber jemanden abgesehen von seinem Mann dabei zu haben, der einen kennt und dem man vertraut, ist ein Geschenk.


Im Übrigen habe ich vor der Geburt Dampfsitzbäder und Dammmassagen gemacht. Ich weiss nicht, ob ich deshalb keine Geburtsverletzung hatte. Einen grosser Teil habe ich jedoch Jutta zu verdanken und natürlich meiner kleinen Maus, die ebenfalls alles so toll mitgemacht hat :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Carmen (Freitag, 02 Juni 2017 08:17)

    Ein toller Bericht. Erinnert mich sehr an meine Geburt. Richtige wehen wenn du nicht mehr sprechen kannst. Das ist wahr!
    Und an die böse Autofahrt kann ich mich auch gut erinnern ;)
    Schön, dass dein Baby einem so guten friedlichen Start ins Leben hatte!