Geburtsbericht der lieben Miriam @mini.mipa

 Hausgeburtsbericht meiner Tochter Paula

Am 11.11 war der errechnete Geburtstermin. Er verstrich ohne, dass sich etwas tat. Es sollte ganze 11 weitere tage dauern bis wir die Kleine in den Armen halten durften. In dieser Zeit tat ich so ziemlich alles, was man tun kann, um Wehen anzuregen. Heißes Erkältungsbad, Wehentee, Zimt in Massen, Spaziergänge, Bitter Lemon. Nichts davon löste Wehen aus.  Ich war also mittlerweile in einem Stadium von Gleichgültigkeit angekommen. "Bleibt sie halt drinnen" dachte ich mir. Am 21.11, gegen 17 Uhr, hatte ich plötzlich eine ziemlich schmerzhafte Wehe. Schon in der Nacht davor spürte ich einige Kontraktionen, die mir jedoch keine Schmerzen verursachten. Voller Hoffnung, dass es nun losgehen würde, saß ich auf dem Sofa und wartete auf eine weitere Wehe. Doch es kam keine. Frustriert schaltete ich also den Fernseher ein, spielte mit meiner großen Tochter, kochte Abendessen, schlachtete abends noch eine Kokosnuss und war wieder davon überzeugt: "sie kommt niemals raus". Ich war nervös. 10 Tage überm Geburtstermin, nach 14 Tagen hätte ich vermutlich einen Wehencocktail getrunken, die einzige Einleitungsmethode, die meine Hebamme hätte begleiten können. Für alles andere hätte ich ins Krankenhaus gemusst, was ich nur im absoluten Notfall wollte. Die Geburt meiner ersten Tochter fand im Krankenhaus statt und war alles andere als schön und ich wollte dieses mal unbedingt, dass mein Baby selbst entscheidet wann es kommt.
Bis 23 Uhr saßen mein Partner und ich im Wohnzimmer und sahen fern, er ging um 23 uhr ins Bett und ich blieb noch wach. Schlafen war schon lange nicht mehr wirklich erholsam, also zappte ich durchs Fernsehprogramm als plötzlich, um 1 Uhr morgens, eine weitere schmerzhafte Wehe heranrollte. Ich musste sie sofort veratmen und war leicht erschrocken. Ich beschloss mich nochmal ins Bett zu legen und Kraft zu tanken, sollte es wirklich bald losgehen. Ich weckte also meinen Partner und erzählte ihm, dass ich wieder eine Wehe hatte. Er stand mit mir auf, kam ins Wohnzimmer und war plötzlich hellwach. Eine weitere Wehe kam nach ca. 10 Minuten. Da es aber vermutlich noch ewig dauern würde, bis es ernst würde, beschlossen wir uns wieder hinzulegen und legten uns neben unsere Tochter ins Familienbett. In den 30 Minuten die wir dort lagen, hatte ich 4 weitere Wehen, die so heftig waren, dass ich sie laut veratmen musste. "Ich glaub ich kann nicht mehr schlafen, lass uns schonmal alles vorbereiten" sagte ich zu meinem Partner. Er trug unsere große Tochter in ihr eigenes Zimmer, wir legten Malerfolie auf das Bett und spannten darüber ein weiteres Bettlaken. Ich ging ins Wohnzimmer und zündete ein paar Kerzen an. Auf einmal überkam mich eine dermaßen schmerzhafte Wehe, dass ich mich an meinen Partner klammerte und Angst bekam. Die Erinnerung an die erste Geburt war plöltzlich glasklar. "Ich schaff das nicht" sagte ich und hatte unglaubliche Angst. Ich schnappte mir mein "Hypnobirthing"-Buch und blätterte nochmal durch. "Lange, tiefe Atemzüge, öffne dich, entspanne dich, arbeite mit deinem Körper zusammen" las ich und war plötzlich wieder ganz gefasst. Ich atmete von Wehe zu Wehe und wir sahen uns eine Tierdokumentation im Fernsehen an. Wir packten schonmal die Brotdose für unsere Tochter, die weiterhin in ihrem Zimmer schlief, ich lief in den Flur und schoss 2 letzte Fotos von meinem Babybauch, glättete mir die Haare und war in den Wehenpausen total entspannt. In meiner Vorstellung wollte ich aber unbedingt im Schlafzimmer entbinden, also zündete ich auch dort Kerzen an und suchte mir einen Ort, an dem ich die Wehen besonders gut veratmen konnte. Das Beistellbett war perfekt zum Aufstützen und Becken kreisen. Um 3:48 beschloss ich meine Hebamme schonmal zu informieren, dass ich seit knapp 3 Stunden Wehen hatte. Alle 5-10 Minuten kamen die Wehen, ich erzählte ihr, dass sie noch nicht kommen brauche, fragte nur, ob ich Nasenspray benutzen dürfe, um besser atmen zu können. Durfte ich. Die Wehen wurden stärker, ich spürte aber, dass es meinem Baby gut ging, es strampelte nämlich wie wild in meinem Bauch. Um 5:25 rief ich meine Hebamme erneut an. Im Stehen kamen die Wehen schon alle 2 Minuten, sobald ich saß verlängerten die Wehenpausen sich auf 5 Minuten. Also lief und stand ich, eher schleppte ich mich von der Küche zum Wohnzimmer und zum Schlafzimmer. Eine halbe Stunde später waren die Wehen mit so starkem Druck verbunden, dass ich meinen Partner drum bat die Hebamme nochmal anzurufen, sie sollte vorbeikommen. Um 6:15 war sie dann bei uns, ich saß im Schlafzimmer auf dem Pezziball und veratmete weiterhin. Sie setzte sich auf den Boden und wir haben uns erstmal unterhalten. Ich habe sie einiges zu ihrer Hebammenausbildung gefragt und war guter Dinge. Ich bat sie drum mich einmal zu untersuchen, ob sich überhaupt schon was getan hat. "Man hört, dass deine Wehen effektiv sind" sagte sie und schien sich sehr sicher. Nach der Untersuchung teilte sie mir mit, dass mein Muttermund bei 5cm war.  "Die Hälfte geschafft" dachte ich mir und war positiv eingestellt. Dann würde Paula sicherlich am Nachmittag da sein und bisher war es wirklich erträglich. Ich konnte die Wehen bestens veratmen, merkte aber, wie ich langsam müde wurde. Die Nacht war vorbei und ich legte mich aufs Bett, um in den Pausen Energie zu tanken.Mittlerweile war es kurz vor 8 Uhr, im Liegen waren die Wehen viel schlechter erträglich, ich wollte mich also wieder aufrichten und spürte wie mir dabei die Fruchtblase platzte, gefolgt von einer Wehe, die so heftig war, dass ich kaum Atmen konnte. Völlig überfordert rief ich nur, dass mir die Fruchtblase geplatzt sei und, dass es plötzlich tierisch wehtat. Übelkeit überkam mich und ich begann zu würgen. "Das ist normal, das ist die Übergangsphase, dein Muttermund ist bestimmt jetzt ganz offen" sagte meine Hebamme und ich sah sie erschrocken an. "Wie? Ich war doch gerade erst bei 5cm" sagte ich völlig ungläubig und überrumpelt von dem Tempo. Ich spürte wie die Wehen sich veränderten, sie waren viel intensiver und drückten nach unten. Ich wusste sofort, dass das nun Presswehen waren, war aber noch gar nicht bereit dem Druck nachzugeben. Meine Hebamme legte Unterlagen auf den Boden und stellte den Gebärhocker vor unser Bett. Alle 10 Minuten hörte sie nach Paulas Herztönen, die stets gut waren. Paula war auch während der gesamten Geburt aktiv, strampelte und zwickte mir in den Muttermund. Ich hatte überhaupt keine Sorge um sie und konnte auch meiner Hebamme und ihrer Professionalität die ganze Zeit vertrauen. Auf Anraten meiner Hebamme setzte ich mich einmal auf den Gebärhocker und in dem Moment wurde der Druck und der Schmerz unerträglich. Panisch sprang ich wieder auf und rief "Ich schaff das nicht, es tut so weh. Es reicht jetzt! Ich kann nicht mehr". Mein Partner und meine Hebamme ermutigten mich. "Du hast es gleich geschafft, gleich ist sie da" sagte meine Hebamme mir immer wieder und ich konnte das kaum realisieren. Ich war mir so sicher, dass es mindestens bis Nachmittags dauern würde.Unsere große Tochter wachte auf und mein Partner brachte sie ins Wohnzimmer, setzte sie vor den Fernseher, ich wollte nicht, dass sie etwas mitbekommt und er pendelte für ca. 15 Minuten zwischen ihr und mir hin und her. Gegen 8:30 uhr wurde sie von meiner Schwester abgeholt und in den Kindergarten gebracht. Bis zu diesem Moment habe ich mich sehr zusammengerissen, ich habe kaum einen Mucks gemacht, nicht geschrien oder laut gejammert, ich wollte auf keinen Fall, dass meine große Tochter Angst um mich bekommt. Als sie weg war wusste ich, dass ich nun loslassen müsse. Wieder überkam mich große Angst. Alle sagten, das Baby wird über 4kg haben, es wird mir sicherlich alles aufreißen. "Ruf jetzt einen Krankenwagen! Ich möchte eine PDA!" sagte ich panisch zu meiner Hebamme, wohlwissen, dass es dafür viel zu spät war. "Paula ist gleich da, ich sehe den Kopf schon" sagte meine Hebamme wieder und bestärkte mich darin, dass ich das auch ohne Schmerzmittel schaffe. Ich musste mich hinstellen und die Wehen wegatmen. Ich konnte nicht nachgeben und mitdrücken. Also stand ich vor dem Hocker und nahm mr die Zeit, die ich brauchte. Glücklicherweise lies meine Hebamme auch, sie hörte zwar nun sehr häufig nach Paulas Herztönen, aber sie ließ mir die Zeit bereit zu werden. Um kurz nach 9 beschloss ich meiner Tochter auf die Welt zu helfen. Ich nahm meinen Mut zusammen, setzt mich auf den Hocker und spürte diesen unerträglichen Druck. "Du musst mir helfen" sagte ich zu meiner Hebamme und sah sie an. "Ich helfe dir" sagte sie und hielt meine Hand. Mein Freund saß auf dem Bett direkt hinter mir und stützte mich. Mit jeder Wehe gab ich dem Druck nach und presste. "Komm jetzt raus!" rief ich dabei immer wieder ziemlich laut. Ich drückte nur nach Gefühl, nicht nach Anleitung und immer nur so lang und so doll, wie ich es wollte. Während der Presswehen überkam mich ein unglaublicher Durst, ich weiß nicht wie oft mein Freund in die Küche flitzte um mein Wasserglas neu zu befüllen.Auch während der Presswehen waren Paulas Herztöne immer stabil, auch wenn das Abhören mich am Ende sehr störte. Um 9:26 nahm ich all meinen Mut zusammen und gebar in einer Presswehe ihr Köpfchen, es brannte wahnsinnig. "Ich glaube es zerreißt mich" sagte ich. Meine Hebamme hielt mir warme Kaffeekompressen gegen den Damm, um diesen zu schützen. "Miriam,du musst dich jetzt umdrehen, in den Vierfüßler!" sagte meine Hebamme plötzlich etwas hektisch und mein Herz fing an zu klopfen. War etwas mit meinem Baby nicht okay? "Ich kann nicht" sagte  ich"Ich kann nicht, die kommt jetzt raus." Eine Minute später, um 9:27 war unsere Paula endlich da.Paula wurde mir ihrer Hand am Kopf geboren und meine Hebamme befürchtete, dass sie mit der Schulter stecken bleiben könnte, was aber glücklicherweise nicht geschah.  Meine Hebamme hat sie aufgefangen und erstmal vor mich gelegt. "Die ist ja gar nicht fett" sagte ich, völlig erstaunt darüber, dass ich ein ganz durchschnittliches Baby geboren hatte. 3760g und 53cm. Klein und nass lag Paula dort. Sie schrie und schrie und schrie, war topfit. Ich merkte wie mich plötzlich meine Kraft verließ, stellte mich auf und spürte wie das Blut an meinen Beinen herunterlief. Ich legte mich ins Bett und hatte plötzlich das Gefühl mich kaum noch bewegen zu können. Die Geburt hatte mich so viel Kraft gekostet. Ich lag auf dem Rücken und bat darum mir mein Baby auf den Bauch zu legen. So lagen wir dann dort. Paula auf meinem Bauch und mein Partner neben mir. Paula schrie recht lang, ich legte sie zwischendurch an und unsere Hebamme ging erstmal ins Wohnzimmer und ließ uns alleine. Ich konnte nicht glauben, dass ich es geschafft hatte. So wie ich es mir gewünscht hatte. Eine Hausgeburt, ganz ohne Schmerzmittel. 45 Minuten später kam meine Hebamme wieder ins Schlafzimmer, die Plazenta wurde geboren, was ein unglaublich erleichterndes Gefühl war ,und wir kuschelten uns richtig unter die Bettdecken und genossen unser frisches Glück.  Meine Blutung hat sich schnell wieder normalisiert, ich habe, bis auf eine winzige Schürfwunde, von der ich aber nie was gespürt habe, keinerlei Geburtsverletzungen gehabt und bin unglaublich froh, diese tolle Erfahrung gemacht zu haben. Ich habe mich in keiner Sekunde unsicher oder schlecht aufgehoben gefühl. Im Gegenteil: Durch die gute Betreuung habe ich mich sogar sicherer als im Krankenhaus gefühlt und ich bin glücklich darüber eine so natürliche Geburt erlebt haben zu dürfen. Vorbereiten mussten wir auch nicht viel. Wir haben lediglich Malerfolie gekauft um unsere Matratze zu schützen. Außerdem brauchten wir 2 Schüsseln, eine für die Plazenta und eine, in der meine Hebamme, den Kaffee hatte, um meinen Damm zu schützen. Warme Handtücher für Paula hatten wir auf der Heizung und alls andere hat die Hebamme mitgebracht. Auch nach der Geburt dauerte es nicht lange,  bis sie die Einlagen vom Boden eingesammelt und weggeworfen hatte. Es ist also kein großes Schlachtfeld nach einer Hausgeburt. Lediglich ein Bettlaken mussten wir wegwerfen, aber damit hatte ich auch gerechnet. Ich kann jedem, der mit dem Gedanken an eine außerklinische Geburt spielt, dazu raten sich damit enger auseinanderzusetzen, mal mit einer Hebamme darüber zu sprechen, auch über Ängste und Zweifel, die man vielleicht noch hat und vor allem: Kümmert euch frühzeitig darum! Am besten schon mit positivem Test, es gibt leider nur noch sehr wenige Hebammen, die Hausgeburten begleiten.

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Kommentare: 3
  • #1

    Christina (Freitag, 14 April 2017 09:36)

    Was für eine wunderschöne Geburt! Selbstbestimmt und jederzeit auf das eigene Gefühl verlassen. Großartig.
    Meine 4. Tochter wollte auch mit der Hand am Kopf geboren werden deshalb verlegten die Hebammen uns vom Geburtshaus ins KH( Leider) das finde ich heute noch sehr schade...
    Danke Massa für diese Geburtsberichte, ich lese sie so gerne.
    Liebe Grüße
    Christina ( Butschina bei Instagram)

  • #2

    Carmen (Freitag, 14 April 2017 09:37)

    Wundervoll. Danke fürs teilen!!!

  • #3

    leas_mama_30 (Freitag, 14 April 2017 15:07)

    Danke für diesen tollen Geburtsbericht.