Geburtsbericht der lieben Mari @babykindundmeer

Jede Geburt ist ein Wunder. Und es wird nicht weniger spannend, je mehr Kinder man bekommt. Die Aufregung bleibt jedes Mal gleich. Man ist gespannt, neugierig und gleichzeitig voller Hoffnung, dass alles gut gehen wird. Wie wird das Baby, das man viele Monate lang im Bauch getragen hat, wohl aussehen? Wie wird es riechen? Wie und wann wird es letztendlich das Licht der Welt erblicken?

 

Ich bin Mutter von drei zauberhaften Kindern und bin unfassbar dankbar dafür! Jedes unserer Kinder ist ein Wunschkind. Für alle drei haben wir lange gekämpft – aufgrund von Hormonstörungen, Risikoschwangerschaften, Frühgeburten und vorzeitige Wehen.

 

Da gleicht es fast einem Wunder, dass wir heute eine fünfköpfige Familie sind, oder?

 

Unser drittes Kind, unser Sohn Tom, ist mittlerweile zwei Jahre alt. Bei seiner Geburt war alles ganz anders als bei den ersten beiden Geburten. Unsere älteste Tochter kam auf natürlichem Wege zur Welt, unsere zweite Tochter per Kaiserschnitt am festgelegten Termin. Und Tom suchte sich den Mittelweg und kam ziemlich spontan per Kaiserschnitt – und zwar an 36+0 SSW.

 

Bevor ich euch erzähle, warum ich meine Wehen nicht sofort für Wehen hielt, möchte ich kurz vorweg nehmen, dass mich bei allen drei Schwangerschaften vorzeitige Wehen ab der 16 SSW begleitet haben. Mit Lilli lag ich damals vier Monate lang am wehenhemmenden Tropf im Krankenhaus, bei Lotte hielt ich ab dem 4. Schwangerschaftsmonat absolute Bettruhe und musste zusätzlich in höchster Dosis ein wehenhemmendes Medikament mit heftigen Nebenwirkungen nehmen. Bei Tom lief es grundsätzlich ähnlich, allerdings wurde ich während dieser Schwangerschaft von einer viel besseren und entspannteren Frauenärztin begleitet. Sie verstand, dass ich nicht wieder ins Krankenhaus wollte. Sie verstand auch, dass jegliche Art von Bettruhe, Krankenhaus oder Panikmacherei die Wehen wesentlich schlimmer machte als etwas Bewegung. Darum untersuchte sie mich engmaschig und regelmäßig und bot mir statt einem Krankenhausaufenthalt an, dass ich immer – ganz egal wann und wie – vorbeikommen durfte, ohne dass ich mir dabei doof vorkommen sollte. Das hat mich immens beruhigt, denn dadurch wusste ich, dass immer jemand für mich bzw. uns da war.

 

Und so verlief die Schwangerschaft – trotz Wehen und gewisser körperlicher Schonung – wesentlich besser als die beiden vorherigen. Und das sogar ohne wehenhemmendes Medikament! Dennoch waren die Kontraktionen immer vorhanden. Deshalb ist es für werdende Mütter mit starken vorzeitigen Wehen nicht ganz einfach, die echten Wehen zu erkennen. Denn auch bei vorzeitigen Wehen gibt es schlimme, schmerzhafte Phasen – im Wechsel mit besseren Phasen.

 

Am 16. Januar 2015 wurden die Wehen dann aber doch irgendwie anders. Ich spürte das. Ich ließ sogar eine Badewanne ein und begann damit, die Abstände zwischen den Wehen zu beobachten. Die Wehen blieben – auch beim Baden. Und sie fühlten sich anders an. Mein Mann und ich warteten noch eine ganze Weile ab, bevor wir schließlich eine Freundin anriefen, … denn es war bereits abends, damit sie vorbeikam und auf unsere beiden Töchter aufpasste, während wir ins  Krankenhaus fuhren.

 

Im Krankenhaus wurde ich untersucht und es wurde ein CTG geschrieben. Die Wehen waren stark und sehr regelmäßig. Der Kopf von Tom befand sich tief im Becken, der Muttermund war bereits 3-4 cm geöffnet, der Gebärmutterhals stand nur noch ein ganz kleines Stück. Dennoch wurden wir vorerst zurück nach Hause geschickt

 

Ich schob bereits leichte Panik und beobachtete die Wehen weiter. Außerdem packte ich meine Kliniktasche, denn ich wusste wirklich, dass es nicht mehr lange dauern konnte. Das Problem bei mir war allerdings, dass ich nach der natürlichen Geburt von Lilli aus medizinischen Gründen (mehrfach bestätigt) keine natürliche Geburt mehr wagen sollte. Aus diesem Grund hatte ich furchtbare Angst, dass es plötzlich doch ziemlich schnell losgehen würde. Und einen hektischen Notkaiserschnitt wollte ich um jeden Preis verhindern.

 

Ich schlief die Nacht sehr schlecht. Sie war sehr wehenreich. Heute weiß ich, dass die Geburt in jener Nacht bereits voll in Gange war – schleichend, aber in Gange. Am nächsten Morgen, nämlich am 17. Januar 2015, befand ich mich an 36+0 SSW.

 

An jenem Tag hatten wir nachmittags einen Termin zur Geburtsbesprechung im Krankenhaus. Das passte perfekt! Ich hielt es bis zu diesem Termin aus. Dort bestand ich dann darauf, noch einmal untersucht zu werden. Der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt bereits 5 cm geöffnet, der Gebärmutterhals gänzlich verstrichen.

 

Ich selbst war körperlich und psychisch am Ende. Ich war müde und erschöpft von den Wehen, der schlaflosen Nacht und von der gesamten Schwangerschaft. Ich veratmete eine Wehe nach der nächsten.

 

Unsere beiden Töchter waren in der Zeit bei einer Freundin.  Micha und ich hatten die beiden kurz vor dem Termin dort vorbeigebracht und nur das Nötigste eingepackt.

 

Irgendwann wurde ich erneut ans CTG gehängt. Die Wehen und mein Zustand sprachen Bände.

 

Daraufhin wurde ich ein weiteres Mal untersucht. Der Muttermund war dann schon 6 cm offen, die Wehen wurden zunehmend stärker.

 

Eigentlich war ein Kaiserschnitt in der 40. SSW geplant, doch nun musste alles ganz schnell gehen.

 

Um 16 Uhr waren wir in der Klinik angekommen, um 17 Uhr befand ich mich OP-bereit im Nebenzimmer. Wir sagten unserer Freundin Bescheid und ärgerten uns darüber, die blöde Kliniktasche nicht mitgenommen zu haben. Wir hatten nicht mal einen Fotoapparat dabei!

 

Aber egal, die Geburt ging natürlich vor.

 

Im Grunde war mir in jenem Moment sowieso alles egal. Ich war so erschöpft, dass ich nicht mal Angst vor dem Kaiserschnitt hatte.

 

Gegen 19:00 Uhr begann schließlich die OP.

 

Und um 19:15 Uhr erblickte Tom das Licht der Welt. <3

 

Der Kaiserschnitt dauerte länger als der erste Kaiserschnitt und fühlte sich auch ganz anders an. Natürlich spürte ich keine Schmerzen, aber trotzdem fühlte ich genau, was wann gemacht wurde.

 

Doch das wurde zur Nebensache, als mir unser erster Sohn, unser kleiner Tom, in die Arme gedrückt wurde. Er war so klein und so hübsch und duftete! Ich war so dankbar und glücklich und unfassbar selig. Tom war 46 cm groß, hatte einen Kopfumfang von 35 cm und wog 2800g.

 

Allerdings hatte er nach der Geburt starke Anpassungsschwierigkeiten. Er konnte seine Körpertemperatur nicht halten und auch sein Blutzucker war extrem niedrig. Außerdem atmete er schnappend und schien nicht richtig gut Luft zu bekommen.

 

Dennoch durfte ich ihn erst mal bei mir behalten. Nackig. Wir kuschelten und kuschelten und kuschelten und ich versuchte mehrfach, ihn anzulegen. Doch Tom war zu schwach. Aufgrund seines niedrigen Blutzuckers mussten wir ihn schließlich mit einer Zuckerlösung füttern. Doch seine Atmung beruhigte sich trotzdem nicht. Und so kam es, dass Tom vorerst nicht bei uns bleiben konnte. Er brauchte ein Wärmebettchen und musste überwacht werden.

 

Für die erste Nacht war das für mich noch einigermaßen in Ordnung, denn ich hatte ohnehin mit so starken Nachwehen zu kämpfen, dass kein Schmerzmittel half, ich kein Auge zubekam und glaubte, ich würde noch ein viertes Baby bekommen.

 

Doch am nächsten Tag, als es mir allmählich besser ging, wünschte ich mir nichts mehr, als Tom bei mir zu haben. Und dafür setzte ich mich mit all meiner Mutterkraft ein. Beim dritten Kind ist man in solchen Situationen nämlich weniger gehemmt und viel selbstbewusster. Ich wollte zumindest eine Chance haben, Tom mit meiner Körperwärme zu wärmen statt mit dem Wärmebettchen, ihn anzulegen, statt nur zu füttern. Ich machte einen halben Aufstand, da ich bei meiner ersten Geburt, nach der Lilli ziemlich lange nicht bei uns sein konnte, ganz schlechte Erfahrungen mit so einer Situation gemacht hatte.

 

Letztendlich folgte ein Gespräch mit den Schwestern, dann mit den Hebammen, dann mit einer Gynäkologin und schließlich mit der Kinderärztin. Und: Wir setzten uns durch! Letztendlich war es die Kinderärztin, die unsere Gedanken bestätigte und uns sogar Recht gab! Denn Tom war stabil. Er musste lediglich streng kontrolliert werden - sowohl seine Temperatur als auch sein Blutzucker. Aber das war kein Grund, dass er nicht bei uns sein konnte. Ich war so unfassbar dankbar!

 

Und nur eine Stunde später wurde das Wärmebettchen in unser Zimmer geschoben. Das war der größte Moment für mich! Der schönste und erlösendste!

 

Endlich waren wir vereint! Wir waren zusammen! Und unzertrennlich!

 

Und wisst ihr was? Toms Blutzucker und seine Temperatur waren nie richtig gut, aber kaum dass er bei uns war, stabilisierte er sich enorm. Darüber waren sogar die Schwestern und Ärzte mehr als erstaunt. Es ging ihm besser als je zuvor und sogar das Stillen klappte nach kurzer Zeit.

 

Was ich damit sagen möchte: Natürlich kommt es in erster Linie auf die jeweilige Situation an, aber dennoch sollten wir Mütter manchmal auf unser Bauchgefühl vertrauen und auf unser Herz hören und uns durchsetzen, wenn wir spüren, dass etwas nicht richtig läuft. Für mich hat das Zusammensein mit Tom damals die Welt bedeutet. Es fühlte sich an, als wäre ein Loch in meinem Herzen gefüllt worden. Es war Vollkommenheit und Dankbarkeit und vor allem ganz viel Liebe.

 

Einzig der Moment, an dem Lilli und Lotte ihren Bruder das erste Mal sahen, toppte dieses Gefühl. Denn in jenem Augenblick wurde die Liebe – beim Anblick der drei, kuschelnd auf dem Klinikbett - verdreifacht.

 

Da wusste ich, dass wir alles richtig gemacht hatten. Ich wusste, dass sich der Kampf gelohnt hatte und dass Tom zu uns gehörte, als hätte dieser Plan schon immer festgestanden.

 

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir drei wundervolle Kinder haben. Sie sind ein Geschenk, … drei unbezahlbare Wunder. Wir fühlen uns vollkommen und können uns – trotz all der Strapazen – sogar gut vorstellen, das Ganze noch ein viertes Mal zu wagen. Manche mögen uns für verrückt halten, aber das hielten sie uns schon, als wir mit unserer zweiten Tochter schwanger waren.

 

Manchmal muss man einfach an sich glauben und sich nicht von Ängsten leiten lassen. Und wir glauben daran, dass wir auch ein viertes Wunder schaffen können! <3

 

In diesem Sinne: Hört immer auf euer Herz! Denn das sagt manchmal mehr als 1000 Gedanken.

 

Alles Liebe,

 

eure Mari

 

 

 

 

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Rea (Freitag, 24 März 2017 07:36)

    Wunderschön geschrieben! Ihr seid so zauberhaft!!! �

  • #2

    Denise S. (Freitag, 24 März 2017 07:39)

    Da geht mir das Herz auf � und die Tränenkanäle...
    Was mir besonders gefällt ist, dass nicht der Eingriff im Vordergrund steht sondern alls die Liebe, Zuversicht und Stärke drum herum. Vielen Dank für den Bericht!

  • #3

    Anna (Freitag, 24 März 2017 09:49)

    Danke Mari! Ich kenne den Bericht schon von der Video Version, aber bin immer noch sehr berührt. Besonders bei dem Punkt, wie du darum gekämpft hast, dass Tom bei dir bleibt. Leider musste ich auch die furchtbare Trennung nach Frühgeburt erleben und bin nun mit dem zweiten Baby schwanger. Ich wünsche mir nichts schehnlicher als dass mein Körper und das Baby es bis zur 40. Woche schaffen und die Trennung gar kein Thema ist, aber dennoch fühle ich mich nun stärker, falls es doch wieder so kommen sollte. Alles Liebe für euch!

  • #4

    Melanie B. (Freitag, 24 März 2017 10:04)

    Großartig ❤

  • #5

    Nina (Freitag, 24 März 2017 10:15)

    Was ein wunderbarer Bericht. Nun sitze ich hier und mir laufen die Tränen übers Gesicht, weil ich so gerührt bin.
    Meine erste Geburt steht bevor und ich bin so wahnsinnig aufgeregt-im positiven Sinne.
    Danke, dass du uns an deinen Emotionen teilhaben lässt. ☺

  • #6

    Kathrin (Freitag, 24 März 2017 10:43)

    Liebe Mari, ein sehr schöner Bericht. Das mit der mamaintuition stimmt. Leider hatte ich nicht die kraft mich durch zu setzen bzw. Bekam einfach die Antwort, dass geht nicht. Aber ständig das Gefühl das meine Tochter genau das brauchen würde, kuschel, von Mama gewärmt werden und bei ihr sein. Habe immer noch das Gefühl das mir diese erste zeit genommen wurde.

  • #7

    Carmen (Freitag, 24 März 2017 11:30)

    Toller Bericht. Super dass du dich durchgesetzt hast!
    Alles gute für euch 5!!

  • #8

    leas_mama_30 (Freitag, 24 März 2017 19:06)

    Schön geschrieben,es fühlt sich an als wäre man live dabei gewesen. �

  • #9

    www.mamamulle.de (Freitag, 24 März 2017 20:28)

    Joooo, hat sie sich erstmal Mari hier hin gehört. Läuft bei ihr. Ich lese ja keine Geburtsberichte, weil langweilig und so, aber heute habe ich mal gelesen. =) Als Mama wird man zur Löwin... "pack mein Kind nicht an" - super Mari! ♥ Und die Newborn-Bilder von Tom sind so scheeee <3