Geburtsbericht der lieben Johanna @blablahanna

Wenn das Baby schneller da ist, als Mama denken kann...

Wenn man im Netz surft, liest man häufig Geburtsberichte ich denen es darum geht, wie ewig lang sich das Ganze hingezogen hat und wie unglaublich kräftezehrend die stundenlange Prozedur war. Selten liest man etwas über sogenannte überstürzte Geburten und wie es der Mutter (bzw. eigentlich Mutter und Vater) mit so einem Erlebnis ergeht.
Aber erst mal zu uns. Wir, das sind ich Johanna (25) und meine Tochter Magdalena (13 Monate). Mittlerweile sind wir ein ziemlich gutes Team, aber das hat eine ganze Weile gedauert. Aber von vorn...
Meine Schwangerschaft verlief ganz ohne Probleme. Ich konnte noch die gesamte Zeit der Schwangerschaft als Diplomandin in einem Automobilkonzern mein Studium zu Ende bringen. Dafür war ich zwar örtlich etwa 500km von meinem Freund entfernt, aber das war es mir wert. Die räumliche Trennung unter der Woche machte uns auch nicht viel aus, da wir beide zu sehr mit unseren Diplomarbeiten beschäftigt waren und froh waren, dass sich nicht alles um das ungeborene Kind dreht.
Zurück in der Heimat und im Mutterschutz dachte ich, jetzt kann ich locker noch 7 Wochen entspannen und in Ruhe meine Abschlussarbeit zu Ende bringen. Ich dachte eh, dass das Baby (wir wussten nicht ob es Junge oder Mädchen wird) später kommt, da  zum Ende des ersten Trimesters der Geburtstermin um 1,5 Wochen vordatiert wurde (ET1: 04.03. und ET2: 23.02.2016). Aber so viel Zeit sollte ich dann doch nicht mehr haben...
Am 26. Januar (SSW 36+0) fingen erste ganz leichte Beschwerden im unteren Rücken an und ich dachte die ganze Zeit an Vorwehen oder Senkwehen oder was auch immer (liest man ja überall SSW36 beginnen Senkwehen). Nie hätte ich da gedacht, dass das erste Anzeichen sind. Nach 1,5 Tagen Rückenschmerzen wollte ich mich am 28. Januar (SSW 36+2) dann doch mal im Krankenhaus vorstellen. Nur so zur Sicherheit. Dort angekommen, wurde erst mal ein CTG geschrieben, welches aber völlig unauffällig war. Bei der Untersuchung war der Muttermund 2cm geöffnet. Da den Hebammen dort das alles recht spanisch vorkam, sollte ich direkt im Krankenhaus bleiben (da war es etwa 10:30 Uhr). Das habe ich aber abgelehnt, und bin wieder mit meinem Freund nach Hause gefahren. Die Frauenärztin meinte nur im Gehen zur mir: „Wenn die Schmerzen mehr werden oder gleich bleiben, kommen sie bitte heute Nachmittag wieder.“ Zu Hause angekommen bauten wir vorsichtshalber mal das Beistellbett auf und ich räumte ein paar Dinge von A nach B. Der Schmerz wurde weder schlimmer noch besser...alles beim Alten. Gegen 17 Uhr fuhren wir dann wieder ins Krankenhaus. Wieder CTG, wieder keine Wehentätigkeit, Muttermund noch immer bei 2cm. Diesmal wurde ich allerdings auf Drängen der Ärztin auf Station aufgenommen, um die ganze Sache über Nacht zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich durchgehend, dass ich am nächsten Tag unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahre. Dann gab es auf der Wochenbettstation um 18 Uhr auch schon Abendbrot. Mein Freund war derweil mal eben nach Hause gefahren, um mir noch meinen Laptop zu holen, damit ich mich nicht zu sehr langweile. Zu meiner Freude brachte er auch meine beste Freundin mit, mit der ich mir noch bis 20 Uhr die Zeit vertrieb. Mein Freund wollte an diesem Abend zu einem Konzert und da ich da kein Problem sah, ließ ich ihn natürlich gehen. Ab 20:15 Uhr wurden die Schmerzen im Rücken zunehmend schlimmer und ließ mir von der Hebamme ein Kirschkernkissen geben. Diese nahm meine Bitte zum Anlass mich nochmal in den Kreißsaal-Bereich zu schicken. Da war ich ehrlich genervt... Bei der Untersuchung war der Muttermund jetzt bei 3cm und durch den Impuls der Hebamme platzte auch meine Fruchtblase (da war es 20:35 Uhr). Jetzt war ich ehrlich geschockt, ich war überhaupt nicht vorbereitet. Mein Geburtsvorbereitungskurs war gerade mal zur Hälfte rum und mein Freund war ja auf diesem Konzert. Also rief die Hebamme meinen Freund an, konnte ihm aber nur auf die Mailbox sprechen, da er wahrscheinlich in diesem Club keinen Empfang hatte. Da kam ich das erste Mal ins Schwitzen. Mein Freund nicht erreichbar und ich bekomme hier ein Kind. Also hab ich versucht meine beste Freundin zu erreichen, auch sie ging nicht an ihr Telefon. Währenddessen musste ich mich im Kreißsaal mehrmals übergeben, woraufhin die Hebamme meinte: „Okay jetzt geht es wirklich los!“ Kurz darauf ging auch schon die Kreißsaaltür auf und mein Freund kam reingerannt. Ich musst lachen, da er nur kurz die Vorband gehört hatte und als er seine Mailbox abhörte in einem Affenzahn zum Krankenhaus gekommen ist. Mein Freund hat es gerade noch rechtzeitig geschafft. Nach Schmerzen, Hecheln, Prusten, Schreien und Pressen war um 21:14 Uhr unsere Tochter auch schon da. Die kleine Maus wog gerade mal 2270g und war nur 44cm groß. Im Kreißsaal verbrachten wir dann noch etwa 2 Stunden und um 23:30 Uhr waren wir auch schon auf der Wochenbettstation. Um keinen Preis dieser Welt hätte ich am Morgen damit gerechnet, noch am selben Tag mein Kind in den Armen zu halten. Ich liebte mein Kind von der ersten Minute an, aber ich brauchte ewig, um zu realisieren, dass diese kleine Wesen jetzt für immer an meiner Seite sein wird und auch nicht mehr weg geht. Das hat mich total umgehauen am Anfang. Diese riesige Verantwortung, die man von heute auf morgen hat...Aber wenn das Kind eben schneller kommt, als Mama denken kann, dann bleibt einem nichts anderes übrigen außer: LIEBEN.

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Kommentare: 2
  • #1

    Bine (Freitag, 05 Mai 2017 08:56)

    Toller Bericht!
    Meistens kann keiner so richtig verstehen, dass einen so eine schnelle Geburt so sehr überfordern kann. Hatte ich auch drei Mal...
    Alles Gute!

  • #2

    Keksfröschle (Freitag, 05 Mai 2017 12:10)

    So ungefähr ging es mir bei Nr.2. Meine tollen Geburtspläne und Atemübungen und die zenmäßige Einstellung "das wird schoooon" waren dahin als Me.Ferrari meinte in Abwesenheit der Ärztin und des künftigen Zweifachpapas mal entspannt den Kopf zwischen meinen Beinen rauszustrecken. Die Hebamme bugsierte mich noch irgendwie aufs Bett, mein Mann fiel im Türrahmen beinahe um und dann war ich Zweifachmama. Nach drei Wehen die mich völlig überrascht hatten, weil der Mumu kurz zuvor bei 4cm war. Die junge Assistenz-Ärztin kann nachts bestimmt noch immer nicht schlafen, weil sie den Zugang nicht legen konnte und kein CTG geschrieben hat� Das war nicht nur für mich, sondern auch die zu viel✌�