Geburtsbericht in der 8. Woche - anonym

 Der Tag an dem wir unser Baby verloren


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich ein doch so sensibles Thema anfangen soll.
Ich denke, viele die diese Situation mitgemacht haben, werden nur annähernd unseren Schmerz verstehe, den wir damals erlebt haben.
Am 29.11.2016 erfuhren wir von unserem kleinen Wunder. Was waren wir aufgeregt und voller Freude.
Zu diesem Zeitpunkt war ich in der 5. SSW (4+4) Es war unsere allererste Schwangerschaft.
Unser kleiner Krümel kündigte sich mit immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen und extremem Brustziehen an.
Soweit ging es mir aber, abgesehen von der wahnsinnigen Müdigkeit, echt gut.
Direkt ein Tag später wurde die Schwangerschaft von meinem Frauenarzt bestätigt. Ein kleiner süßer Punkt - die Fruchthöhle.
Der voraussichtlicher Geburtstermin wurde auf den 04.08.2017 geschätzt. Ein kleines Augustbaby. Wir waren überglücklich.
Die Tage des Wartens auf den nächsten Termin zogen nur so vorbei und so war der Tag des nächsten Ultraschalls gekommen (13.12.2017)
Mein Mann hatte sich extra frei genommen um unser kleines Glückskind zu betrachten.
Was wir sahen, war allerdings nicht wie wir es uns gewünscht hatten.
Die Fruchthöhle war nur minimal größer geworden. Aber die Frauenärztin beruhigte uns direkt. “Es ist alles in bester Ordnung” sagte Sie.
Allerdings stufte sie mich auf 5+4 zurück (also eine ganze Woche) und besprach mit mir, wann ich meinen Mutterpass bekommen sollte. Am 2. Januar bekam ich dann meinen nächsten Termin
Dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen.
Am 14.12. bekam ich leichte Schmierblutungen und machte mir erstmal nicht einen allzu großen Kopf. Ich dachte an Kontaktblutungen durch den am Tag davor gehabten Arzttermin.
Am 15.12. wurde es allerdings immer mehr und so entschlossen wir am 16.12. Abends ins Krankenhaus zu fahren.
Man behandelte mich wie eine Nummer und ich wurde nur so abgefertigt. Die Untersuchung war schmerzhaft und entwürdigend. Mein Mann war geschockt und ich verzweifelt.
Nach 7 Minuten Untersuchung, die mir vorkam wie eine Stunde, bat sie mich, mich wieder anzuziehen und in den Besprechungsraum zu kommen.
Dort angekommen, sagte sie uns, dass mein Kind “zurückgeblieben” wäre. Sie konnte zwar einen Hauch eines Dottersacks erkennen und soweit wäre auch alles in Ordnung, aber sie wolle mir keine Hoffnung machen.
Am 18.12. war ich erneut zu einer Untersuchung beim Frauenarzt. Sie sah direkt den Dottersack. Das machte mir in dem Moment so Hoffnung.
Hoffnung auf eine intakte Schwangerschaft. Hoffnung auf ein gesundes Baby. Hoffnung bald eine Familie zu sein. Doch sie bremste mich in meiner Hoffnung und sagte, dass alles so aussah, dass mein Baby sich nicht weiter entwickeln wird. Man sah bis jetzt immer noch kein Embryo und ich wäre eigentlich ja auch schon in der 10. Schwangerschaftswoche.
Sie gab mir zwei Möglichkeiten: Entweder die Ausschabung, oder aber Warten - mit starken Schmerzen zum Ende hin.
Als ich sagte, dass ich gern warten würde, bestärkte sie mich in meinem Entschluss und riet mir gleichzeitig zu einer Hebamme - denn egal in welcher Woche eine Frau schwanger ist, sie hat in dieser Zeit Anspruch auf eine Hebamme!!
Ich entschied mich dagegen und wollte nur für mich allein sein. Ich ließ mir Medikamente aufschreiben, die ich dann nehmen könne, und fuhr völlig fertig nachhause.
Erst zuhause ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Ich weinte nur so vor mich hin und war völlig verzweifelt. Habe ich doch gerade erfahren, dass wir unser Baby verlieren werde. Und urplötzlich kamen Fragen in mir hoch: Was hättest du besser machen können? War die eine IBU 200 zu viel für dein Baby? Hast du nicht genügend Vitamine genommen? Zu viel Sport gemacht?
In der Nacht vom 19. auf den 20.12.2016 bekam ich krampfartige Schmerzen. Es waren die schlimmsten Schmerzen, die ich in meinem Leben je hatte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass dies wehenartige Schmerzen waren. Unterbewusst war mir aber klar, was jetzt passieren wird. Ich blendete es nur irgendwie aus. Ich weinte so heftig wie noch nie in meinem Leben und kämpfte so um unser Baby. Leider musste ich einsehen, dass jeglicher Kampf zu spät war. Denn mein Baby hatte den Kampf aufgegeben und war bereit zu gehen. Nach 2-3 Stunden heftigsten “Wehen” in denen ich fast kollabiert bin, “gebar” ich komplett die Fruchthöhle mit Dottersack.
Es war ein unglaublicher Schmerz. Körperlich sowie auch seelisch.
Aber es tat dennoch so wunderbar gut.
Es war irgendwie heilend. Ich wusste, mein Baby wurde mir nicht einfach so genommen, sondern es wollte selbst gehen und hat dies auch getan.
In der ganzen Zeit meiner Schmerzen, schlief mein Mann. Es war 3 Uhr Nachts. Ich wollte das so und habe mich dazu entschieden ihn schlafen zu lassen. Dieser Moment gehörte nur mir und meinem Baby.
So saß ich danach bestimmt 30 minuten auf dem Sofa und hielt die Fruchthöhle in einem kleinem Tuch, auf meinem Schoss.
Ich ging dann irgendwann vor lauter Erschöpfung schlafen und am nächstem Tag begruben wir unser Wunder im Garten.
Viele finden dies wahrscheinlich ziemlich überzogen und denken sich: mein Gott! Das Baby war ja noch nicht mal zu sehen.
Wir ticken da anders. In der Situation war es für uns perfekt. Denn für uns hat dieses Wunder schon gelebt. Wir haben es schon im Garten spielen sehen, und im Bett schlafen sehen.
Meine Einstellung ist, dass Jede Frau das Tun sollte, was ihr am Besten tut! Seid Egoistisch und schaut nur auf euch. Ihr seid in dem Moment das wichtigste.
Auch wenn ich mich gegen eine Hebammenbetreuung entschieden habe, heißt das nicht, dass ihr das tun müsst.
Hebammen sind was wunderbares und unterstützen in dieser Zeit enorm.
Woher ich das weiß? Ich habe 3 Jahre auf einer Pränatal Sation gearbeitet und auch Fehlgeburten betreut.
Das mir das gleiche jetzt wiederfahren ist, zeigt nur, dass es jede Frau treffen kann.
Dieses Thema ist leider immer mehr ein Tabuthema in unserer Welt.
Damit will ich brechen. Ich darf trauern und wenn ich will, darf ich auch die leere Fruchthöhle begraben.
Denn für uns Frauen, ist da was gewesen. Eine Verbindung die niemand anders nachvollziehen kann. Besonders wenig die, die noch nie schwanger waren.
Hört auf euch und euren Körper und tut das, was ihr für richtig haltet.
Denn wir sind alle Mamas. Ob wir nun Sternchen haben, Glückskinder, Wunschkinder oder Adoptiert haben. Jede Mama hat eine Intuition - folgt ihr.
Bis heute ist es ein unfassbarer Schmerz, der aber von Tag zu Tag weniger wird.
Wir hoffen, dass wir bald unser 2. Wunder begrüßen dürfen.


Jede Frau sollte das Tun, was ihr am Besten tut!
Alina.

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Kommentare: 14
  • #1

    Lisa (Freitag, 17 Februar 2017 08:08)

    Ich bin Sprachlos. So toll geschrieben. Jetzt weiß ich wie es meiner Schwägerin damals ging. � ich drücke euch die Daumen für euer 2. Wunder.

  • #2

    Carmen (Freitag, 17 Februar 2017 08:15)

    Hallo
    Als ich den bericht gelesen habe musste ich einfach schreiben! Ich kann do gut mit dir fühlen! Ich hab an genau dem selben tag mein baby in der 5. verlohren... ich musste es verstecken weil es mir auf einer öffentlichen toillette passiert ist... zum glück war mein mann da aber es war so schwehr die tränen zu verstecken!
    2tage später fuhren wir zum arzt und der hat gesehen das wir zwar eins verlohren haben aber eins war noch da! Es war erst ein unerwarteter schock aber jezt sind wir soo glücklich und kämpfen um das was noch da ist (hab häufig blutungen und grosse angst) aber es geht vorwärts... ich wünsche dir ganz viel kraft!!!
    P.s findes eine frechheit das wir uns anhöhren mussten:" also wir hätten die ss nie so früh bekannt gegeben, das ist doch peinlich wen etwas passiert!)

  • #3

    Katja (Freitag, 17 Februar 2017 08:22)

    Und ich sitze hier und weine.
    Zwei Wochen vor Weihnachten 2015 musste ich mein Kind ebenfalls in der 8. Ssw gehen lassen. Es ist ein Schmerz der zwar irgendwann dumpfer wird, aber nie ganz weg gegangen ist.
    Inzwischen konnten wir wieder ein Wunder begrüßen, es ist 2 Monate alt und sabbert gerade friedlich im Schlaf. Und doch frage ich mich oft, wie dieses Kind gewesen wäre. So wie seine kleine Schwester? Oder wie der große Bruder? Oder ganz anders?
    Dieses Kind wird immer fehlen.
    Es ist gut, dass Du Abschied nehmen konntest. Und einen Platz hast, zu dem Du gehen kannst. Es hilft.
    Ich wünsche Dir und deinem Mann Kraft. Und bald ein neues Wunder.

  • #4

    Schnulle (Freitag, 17 Februar 2017 08:34)

    Ganz viel Kraft für euch und ebenso viel Glück für das 2te Wunder. Sehr schön geschrieben. Gefühle hat man nur alleine egal in welcher Art. Denn jedes Gefühl, fühlt sich bei jemand anderem anders an. Alles Liebe ❤

  • #5

    Löwenherz (Freitag, 17 Februar 2017 08:45)

    Auch ich möchte dir gerne Hoffnung machen. Ich habe im November 2015 mein Baby in der 8 ssw verloren. Den Schmerz kann keiner verstehen, der das nicht selbst durchmachen musste. Heute trage ich mein Sternchen nicht nur im Herzen, sondern auch an meinem Handgelenk als Tattoo. Fast genau ein Jahr nachdem ich von meiner ersten Schwangerschaft erfahren habe kam nun im Oktober 2016 mein Sohn zu Welt. Solche Geschichten haben mir immer Mut gemacht. Am Ende wird alles gut!

  • #6

    Kathleen (Freitag, 17 Februar 2017 08:51)

    Wunderschön geschrieben. Ich wünsche euch alles Gute und drücke die Daumen dass euer Wunsch bald Wirklichkeit wird.
    Schade finde ich die Erfahrung die du im Krankenhaus machen musstest. Ich hatte damals mehr Glück - die Ärztin war sehr einfühlsam und hat mich mehrfach gefragt ob alles okay ist oder ob ich Hilfe brauche. Das hat wirklich gut getan.

  • #7

    Monika (Freitag, 17 Februar 2017 11:22)

    Vielen lieben Dank für deinen Bericht. Es hat mich sehr berührt, haben wir selber unser erstes Baby in der 8. Woche verloren. Es waren 2 Wochen voller Hoffen und Bangen, doch unser “Böhnchen“ hat es leider nicht geschafft. Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe, dass ihr bald ein Folgewunder erleben dürft. Wir haben jetzt 2 Jungs, wo ich oft denke, das ein kleiner Teil des ersten Baby in ihnen weiterlebt.
    Alles Liebe
    Monika

  • #8

    Yasemin (Freitag, 17 Februar 2017 13:26)

    Oh mein Gott mir kamen die Tränen. So toll geschrieben. Wünsche den Frauen viel Kraft die so etwas schreckliches erleben.

  • #9

    Kathi (Freitag, 17 Februar 2017 15:48)

    Du hast es sehr toll geschrieben.
    Mir kamen die Tränen, als ich es gelesen habe. Ich denke niemand, der nicht auch in dieser Situation war, kann annähernd diesen Schmerz verstehen. Meine Geburt war weiß Gott nicht einfach und hatte auch so einige Momente im denen ich Angst um mein Kind hatte, aber wenn ich dann eure Geschichten bzw Erfahrungen lese, dann wird mir immer ganz anders. Ich wünsche euch viel Glück und Kraft für ein kleines Wunder.

  • #10

    leas_mama_30 (Freitag, 17 Februar 2017 18:46)

    Bei lesen kamen mir die Tränen. Ich wünsche euch für die Zukunft nur das Beste!
    Fühl dich unbekannterweise gedrückt.

  • #11

    Nadine (Freitag, 17 Februar 2017 20:08)

    Das hast du sehr toll geschrieben, auch wenn es bestimmt nicht einfach war. Du hast viel Stärke gezeigt und ich wünsche dir von Herzen alles Gute!!

  • #12

    Jasmin (Freitag, 17 Februar 2017 20:22)

    Liebe unbekannte, du hast auf eine traurige, aber wundervolle Art und Weise beschrieben was in vielen Frauen vorgeht. Auch ich habe ein Kind "verloren". Es ist ziemlich genau zwei Jahre her und war damals eine Eileiter Schwangerschaft. Ich habe mich furchtbar alleine gefühlt mit den Gefühlen und auch mit dem Schmerz. Aktuell trage ich unser zweites Kind unter meinem Herzen. Das größte Glück war für mich der Eintrag in den Mutterpass, als die Sprechstundenhilfe Erstgravida eintragen wollte und dann von ihrer Kollegin darauf hingewiesen wurde, dass ich schonmal schwanger war und sie zwei schreiben soll. In diesem Moment habe ich mich zum ersten Mal verstanden gefühlt. Egal wie lange du es getragen hast und egal wie weit es entwickelt war. Es war da! Und deine Freude ebenso wie deine Trauer. Ich wünsche dir viel Kraft und von Herzen, dass sich euer zweites Wunder bald auf den Weg macht.

  • #13

    Me (Sonntag, 19 Februar 2017 16:47)

    Danke für deinen Bericht. Wir Sternenmamas werden so häufig schief angeschaut wenn/weil wir trauern.. vor allem wenn es so früh passiert.
    Ich verneige mich vor deinem Mut und wünsche euch bald ein zweites Wunder �

  • #14

    Liz (Freitag, 07 April 2017 10:57)

    Ich hab damals unsere Kleine auch in der 8. Woche verloren und es war einfach furchtbar. Ich war ungeplant mit Spirale schwanger geworden aber wir haben uns so wahnsinnig drauf gefreut. Und ich hab in der Zeit festgestellt wie viele Frauen Fehlgeburten haben ohne darüber zu sprechen, was sehr sehr traurig ist. Wir haben uns damals entschieden keine 6 Monate oder ähnliches zu warten und heute ist unsere Maus fast 7 Wochen alt. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und viel Glück.