Geburtsbericht der lieben Bianca @konfettiimherz

Pressbericht

Tja, da is er nun. Der gefühlt 2345-ste Geburtsbericht  den ihr aufs Brot geschmiert bekommt. Was macht ihn so besonders?! Es ist meiner. Ganz alleine. Es gibt ihn so kein zweites mal. Für euch ist es nur ein Bericht. Für mich ist es die Geburt meiner ersten Tochter. Unsere Geschichte, unser erstes kennenlernen, unsere Vorfreude, unsere Angst, MEINE Scheiß Schmerzen, mein armer traumatisierter Mann (Ladys der musste echt unschöne Dinge sehen), mein erster Moment mit meiner Tochter. Diese Stunden werde ich niemals vergessen. So wird es euch auch gehen. Jeder von uns wird  etwas anderes erleben, es anders empfinden. Aber eines haben wir alle gemeinsam: Es wird nur unsere Geschichte sein. Wir werden sie sehr oft erzählen, denn sie wird unser ganzes Leben verändern.

Viele haben von uns haben ja eine gewisse Erwartung wenn es um das Thema Geburt geht. Am besten auf natürlichem Weg und ohne Schmerzmittel. Schließlich sind wir Frauen ja dafür gemacht. Also hat es gefälligst auch reibungslos zu klappen. Und bei Verena, von nebenan, hat es doch auch so gut geklappt. Nur 3-mal musste sie pressen. Welche Hebamme sagt dir schon, dass du dir im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch aufreißen wirst, du die schlimmsten Schmerzen deines Lebens haben wirst und du zwischenzeitlich gerne einfach sterben willst? Richtig! Keine. Und Verena hat es auch nicht erzählt. Die Sau.
 Ich möchte euch auch wirklich keine Angst machen. Vielleicht wird es ja genauso wunderbar wie ihr euch das vorstellt, aber es muss nicht sein und es macht euch nicht zu schlechteren Frauen/Müttern wenn es bei euch anders läuft. Ihr habt nicht versagt und die anderen Mütter sind auch nicht besser oder schlechter. Eine Geburt ist immer anders. Immer.

So nach dem ganzen Gelaber fange ich mal an euch von der Geburt meiner ersten Tochter zu erzählen. Sie wurde im Februar 2010 geboren. Da war ich 21 Jahre alt.

Ich war super vorbereitet. Bin erst ins Krankenhaus gefahren als die Wehen alle 2-3 Minuten kamen. Mein Muttermund war schon 6 cm offen. Da war es ca. 8 Uhr. Dann bin ich in die Wanne. Da konnte ich die Wehen wirklich super ertragen aber es ging auch nicht wirklich weiter. Dort wurde dann auch meine Fruchtblase gesprengt. Das Fruchtwasser war schon grün, was ja bedeutet, dass mein Baby schon Stress hatte. (Hab ich natürlich nicht gerafft, war ja mit jammern beschäftigt). Ab da an wurden die Wehen auch echt fies. Die Wehenpausen habe ich als besonders schlimm empfunden, da ich ja wusste, gleich kommt die nächste Scheiss Arsch Fuck Wehe. Bis dahin hatte ich nur so ein homöopathisches Schmerzmittel bekommen. Aber ich wollte mehr. Sofort. Am besten alles. Als ich nach einer PDA fragte, hat mich die Hebamme nur ausgelacht und mich gefragt ob ich im Vorbereitungskurs nicht aufgepasst hätte. Dafür wäre es jetzt schon zu spät. Sorry du Arschkrampe. Kann mich leider nicht an jeden Mist erinnern. Aber ist es nicht dein Job, mir sowas anzubieten? Naja ich hab dann also weiter gejammert. Ja richtig! Gejammert. Ich habe ja immer gedacht ich werde richtig asozial unter den Schmerzen und beschimpfe meinen armen Mann wüst aber so war es nicht. Ich war ganz leise und habe einfach gelitten 

Nach 3 Stunden bin ich dann raus aus der Wanne und dann ging es sofort los. Die Wehen wurden viel heftiger und die Hebamme hat gefragt ob ich einen Einlauf möchte. Brauch ich nicht. Hab ja kaum was gegessen. Will nicht wissen wie oft ich aufs Bett gemacht habe! Sie hatte auf jeden Fall einiges zu tun. Ich hatte recht schnell Presswehen aber mein Muttermund ging nicht auf 10cm. Er blieb bei 9cm. Sie versuchten dann den Muttermund über das Köpfchen zu stülpen. Sehr angenehme Geschichte kann ich nur sagen. Gegen 2 Uhr gingen die Herztöne der kleinen runter und ab da an ging alles ganz schnell. Verstanden habe ich es nicht, da die Ärztin und Hebamme sich auf Türkisch unterhielten. War vielleicht auch besser so. Ich wurde sehr schnell ausgezogen und zum Aufzug gebracht. Ich wollte nur noch dass meine Eltern sofort angerufen werden. Dann war ich auch schon im OP. Immer noch mit Presswehen auf dieser Schlachtbank. Dann war ich weg.

Als ich langsam wieder zu mir kam, sah ich nur meinen Vater mit einem Bündel auf dem Arm. Ich wusste nicht was passiert war. Ich wusste nicht, dass ich ein Kind bekommen hatte. Ich bin immer wieder eingeschlafen. Ich kann mich leider nicht an den ersten Moment mit meiner Tochter erinnern, nicht an das erste stillen. Das ist halt der Nachteil bei einer Vollnarkose. Aber es belastet mich nicht. Es hat uns gerettet. Unsere Tochter war gesund. Ich hatte trotzdem vom ersten Moment an diese unfassbare Liebe für unsere Tochter in mir. Meinen Muttergefühlen hat es keinen Abbruch getan. Das hat mit der Art der Geburt überhaupt nichts zu tun. Unsere Tochter war wunderschön. Einfach perfekt. Auch wenn die Geburt es nicht war.
Mir wurde später gesagt, dass ich ein Trichterförmiges Becken habe und unsere Tochter einfach nicht durch gepasst hat. Außerdem hatte sie die Nabelschnur mehrfach um den Hals gewickelt.
Ich war anfangs sehr enttäuscht dass es nicht „normal“ geklappt hat. Ich war schon so weit. Ich hatte 16 Stunden Wehen. 2 Stunden Presswehen. Aber ich bin auch froh, dass ich Wehen haben durfte. Das ich gespürt habe als es losging. Das ich bis auf den letzten Abschnitt alles erleben konnte. Ich bin einfach froh und dankbar dass unsere Tochter gesund zur Welt gekommen ist. Egal auf welchem Weg.
Hoffentlich hat euch  unser Bericht gefallen. Ihr braucht keine Angst vor der Geburt zu haben. Es wird nur wahrscheinlich anders als in euren Vorstellungen. Aber am Ende werdet ihr das in euren Armen halten, was jeden Schmerz der Welt wert war. EUER Kind.
Alles Liebe
Bianca




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Kommentare: 4
  • #1

    leas_mama_30 (Freitag, 10 Februar 2017 08:52)

    Danke das du dein Geburtserlebnis mit uns geteilt hast. Sehr schön geschrieben.

  • #2

    Susi-Pusi (Freitag, 10 Februar 2017 09:14)

    Sehr authentisch geschrieben !! Die haben sich auf Türkisch unterhalten?!? Is ja noch schlimmer als bei mir im Kreißsaal, da wurde auf deutsch geflüstert....danke für deinen Bericht <3

  • #3

    Sarah (Freitag, 10 Februar 2017 11:13)

    Schön geschrieben.
    Die Geburt meines Sohnes verlief ganz ähnlich. Es endete auch im Kaiserschnitt mit Vollnarkose. Trotzdem bin ich genau so dankbar wie du dass doch noch alles gut gegangen ist.
    Viele Grüße

  • #4

    Sabiralein (Freitag, 10 Februar 2017 14:17)

    Sehr authentisch und schön geschrieben. Und wie recht du hast. Eine Geburt ist immer anders, vorallem wie man es sich vorgestellt hat.