Geburtsbericht der lieben Sarah @undeinepriseliebe

 

 

Kaiserschnitt. Ein viel umstrittenes Thema. Und ja, auch nicht mein Wunsch in erster Linie. Aber wie es nun mal so ist, ändert sich eine Meinung auch schon mal. War es für mich doch in der ersten Schwangerschaft undenkbar, mein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, so bei der Zweiten die klare Wahl.

 

Aber vielleicht fange ich mal kurz bei der ersten Geburt an, damit man meine Entscheidung versteht. Eine Traumschwangerschaft endete in 31 Stunden Wehen, 6 Tage über den Termin wurde die Schwangerschaft eingeleitet, da ich schon Wehen hatte, aber sich ansonsten nichts tat. Im Nachhinein denke ich, hätte ich vielleicht noch warten sollen. Aber irgendwie verließ ich mich auf das Urteil der Ärzte.

 

Dank einer Rücken-OP mit 14 Jahren war eine PDA nicht möglich, was das Thema Kaiserschnitt für mich von vorne herein hat sterben lassen für mich. Denn schließlich wollte ich nicht aus einer Narkose aufwachen, um mein Kind sehen zu können, wenn es schon völlig „sauber“ ist.

 

Das bedeutete aber auch: ohne PDA die Geburt durchstehen müssen. In der letzten Hebammen-Schicht hatte ich endlich eine, die anpackte und mir die Angst restlos nahm. Sie war begeistert, dass das Ganze ohne PDA durchzuziehen war. Endlich dann auch richtige Wehen, nachdem die Fruchtblase zum Platzen gebracht worden war. Die Schmerzen hielten sich im Rahmen, zumindest waren sie mir egal, aber dann: „Man sieht den Kopf…gleich ist es soweit!“. Aber beim nächsten Einatmen war der Kopf wieder reingeflutscht. Plötzlich wurden alle panisch. Die Hebamme, Ärzte und Schwestern stürzten sich auf mich drückten, machten, taten, nichts. Dann: die Entscheidung für einen Notkaiserschnitt war es zu spät, also Saugglocke – ohne PDA und ganz plötzlich. Auf einmal ging alles schnell – und kurze Zeit später lag mein Sohn auf meinem Bauch mit leicht komischer Kopfform dank Saugglocke. Und dann war er schon wieder weg, denn er atmete nicht richtig. Alles Folgen einer stressigen Geburt, denn die Nabelschnur war zu kurz und hatte ihn immer wieder zurückgezogen. Drei Tage und viele Tränen auf der Intensivstation später war alles wieder gut und irgendwie auch vergessen…

 

…bis ich dann wieder schwanger wurde 3 Jahre später. Als mich dann auch noch mein Ehemann im 5. Monat verließ, war mir eins klar: ich schaffe es nicht auf eine spontane Geburt zu warten. Ich wollte das planbare kleinere Übel: den Kaiserschnitt. Dank toller Ärzte war nun auch eine PDA möglich, an anderer Stelle der Wirbelsäule. Das nahm mir die letzten Zweifel.

 

In der Nacht vor dem Termin schlief meine Mutter bei mir. Sie sollte meine OP-Begleiterin sein und ihre Enkelin zum ersten Mal dort kennenlernen. Wäre ich nicht schwanger gewesen, hätte ich mich gerne betrunken, so aufgeregt war ich! Wir haben, glaube ich, kaum geschlafen und standen punkt halb 7 morgens im Krankenhaus. Meine Tante hatte uns gefahren und begleitete uns auch bei diesem Ereignis. Volle Frauen-Power also.

 

Schnell wurde ich für den Kaiserschnitt zurecht gemacht. Irgendwie war es ab dem Moment merkwürdig, so mit gezieltem Termin sein Kind zu bekommen. Aber gut, es gab kein Zurück mehr.

 

Die PDA wurde gesetzt, vor Aufregung wurde mir so schlecht, dass ich fast ohnmächtig wurde. Leider wirkte sie auch nicht direkt, also noch mal. Dann konnte meine aufgeregte Mama den OP betreten. Während das Ärzteteam sich über den letzten Sommerurlaub unterhielt, streichelte mir die Hebamme über den Arm und beruhigte meine Mama mich durch ihre Anwesenheit.

 

Ja, und dann ruckelte es und ich bemerkte, dass man etwas an mir machte – und keine zehn Sekunden später war er da – der langersehnte Schrei inmitten des sterilen OPs.

 

Meine Tochter taufte den Arzt direkt mit einem riesen Strahl Pipi und kurze Zeit später lag sie endlich in meinem Arm. „Sie hat ein Grübchen! Hach, wie schön…“, so die Hebamme. Mir liefen die Tränen und meiner Mama auch.

 

Und dann kam sicher der bewegendste Moment für meine Mutter, sie durfte die Nabelschnur durchtrennen und die ersten Untersuchungen begleiten.

 

Ob ich das noch mal so machen würde? Gute Frage. Weiß ich nicht. In diesem Moment war es genau der richtige Weg für mich. Dennoch war es sehr steril und irgendwie weit weg von einer Geburt. Hinzu kamen natürlich die langanhaltende Taubheit in den Beinen und starke Schmerzen. Aber zumindest konnte ich von Anfang an mit meiner Tochter sein – das hatte ich mir so sehr gewünscht, hatte ich doch bei der ersten Geburt sehr darunter gelitten, nicht bei meinem Kind sein zu können in den ersten Tagen.

 

Meine Narbe der OP verheilte schnell und ich stand 8 Stunden später auch wieder auf den Beinen. Eigentlich war ich fast fitter, als nach der ersten Geburt, hatte ich dabei doch auch große Wunden erlitten, die mir das Laufen schwer machten.

 

Natürlich wurde ich immer wieder damit konfrontiert, was die negativen Aspekte eines Kaiserschnitts sind. Glücklicherweise umgab mich das Schutzschild einer frisch verlassenen Schwangeren, nicht auszudenken, was man mir im Normalzustand an den Kopf geworfen hätte!

 

In diesem Sinne an Alle, die sich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden: Hut ab! Denn Ihr müsst Euch sicher einiges anhören…

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Alana (Freitag, 13 Januar 2017 11:06)

    Eigentlich hielt ich nicht viel von Frauen die bewußt einen Kaiserschnitt machen wollen. Diese Meinung hat sich nun geändert und ich finde es unglaublich wie du diese Situation gemeistert hast. Danke für diesen Bericht :)

  • #2

    leas_mama_30 (Freitag, 13 Januar 2017 21:03)

    Danke für deinen tollen Beitrag.
    Meine Meinung ist immer schon gewesen, das jede Frau selbst entscheiden kann,auf welche Art und Weise sie ihre Kinder bekommen. Und ich finde niemand hat das Recht jemanden zu verurteilen,weil er sich bewusst für einen Kaiserschnitt entscheidet.
    Jede Frau ist auf ihre Weise Stark während der Geburt,ob auf normalem Wege oder durch Kaiserschnitt!

  • #3

    Sarah (Samstag, 14 Januar 2017 22:12)

    Danke, Alana für Deinen Kommentar! Ich freue mich, wenn ich Deine Sicht darauf ändern konnte ;-)

    Und liebe leas_mama_30, wie Recht Du hast! Es ist immer eine riesige Leistung einer Frau!