Geburtsbericht derlieben Maike @Raisingmucki

Für mich stand schon immer fest - wenn ich jemals ein Kind bekommen sollte, dann per Kaiserschnitt. Ich kann gar nicht erklären, warum das so war. Für mich ist es irgendwie "unnatürlich" dass ein Kopf bzw ein ganzes Kind aus meiner... ihr wisst schon... kommt :D Da ich selbst gelernte Kinderpflegerin bin, haben wir während der Ausbildung natürlich auch ein Geburtshaus besucht. Bei diesem Besuch sollten uns die Vorteile und schönen Seiten einer natürlichen Geburt näher gebracht werden. Und danach war ich noch viel überzeugter von meinem Wunschkaiserschnitt! :D Ja, darüber hat auch die Oberärztin im Krankenhaus gelacht. Immerhin ist es seit immer normal, dass eben genau DA die Kinder rauskommen. Aber nein, nicht mit mir! :D Nach einer turbulenten Schwangerschaft mit Höhen und Tiefen hatte ich also meinen Termin zur Geburtsplanung. Eine Kaisergeburt sollte es werden. Die Oberärztin war begeistert, da nur wenige Mütter diese Art von Kaiserschnitt wünschen. Bei einer Kaisergeburt wird nach Öffnung der Gebärmutter das Tuch zwischen Mutter und Arzt entfernt, so dass die Mutter dabei zusehen kann, wie das Kind aus dem Bauch geboren wird. Den offenen Bauch sieht man dank dicker Plauze natürlich nicht! Ich war absolut zufrieden mit meiner Entscheidung und blickte gespannt zum 12 Februar 2015, der Termin des Kaiserschnittes. Ich schlief in der Nacht zum 12.02 super und war auch morgens null aufgeregt, schließlich wusste ich, was auf mich zukommt - dachte ich.
Im Kreißsaal angekommen durfte ich mich in mein sexy Netzhöschen und meinen Kittel schmeißen und lag ein letztes Mal am CTG. Danach wurde ich in den Vorbereitungsraum gefahren, wo mich 2 super nette (!!!!) Pfleger/Schwestern erwarteten. Ich bekam einem großen Schlauch unter meine Decke gelegt, der mir heiße Luft unter die Decke blies, da es dort schon sehr kalt war. Immer noch nicht aufgeregt. Dann wurde ich in den OP geschoben. Ein riesiger Raum mit großen Fenstern, sehr hell und sogar gar nicht unheimlich. Alle Ärzte und Schwestern machten Späßchen und ich witzelte mit. Ich durfte mich dann setzen und sollte mich weit nach vorne beugen, da die Spinalanästhesie nun gesetzt werden sollte. Erst ein kleiner Pieks zur Betäubung der Haut und dann die Spinale. Und Zack! Da war er! Ein Blitz der durch meinen ganzen Körper schoss! Es tat wirklich richtig weh und ich war dann gar nicht mehr so lustig. Irgend etwas schien nicht zu klappen. Der Anästhesist fummelte und stach 8 Mal (!) in meinen Rücken - nichts passierte. Mittlerweile heulte ich wie verrückt, hatte mega Angst und schlug vor, nach hause zu fahren und einfach zu einer natürlichen Geburt wieder zu kommen - daran sieht man, wie verzweifelt ich war :D Aber nein, ich durfte nicht gehen. Ich sollte mich hinlegen. Ich wackelte die ganze Zeit mit meinem Fuß und wartete, dass irgend etwas taub wird. Nichts. Nada. 2 Schwestern streichelte meine Hände und versuchten, mich irgendwie zu beruhigen. Dann ging alles ganz schnell. Ohne ein weiteres Wort bekam ich eine Maske aufs Gesicht und weg war ich.

Als ich wieder zu mir kam, konnte ich meine Augen nicht öffnen. Ich hatte Schmerzen.. Unfassbar. Ich schrie, hatte Angst und wusste nicht, wo und wer ich bin. "Frau Kremer, Ihrem Kind geht es gut!" hörte ich. "Welches Kind?" war meine Antwort. Ich konnte mich nicht daran erinnern, schwanger gewesen zu sein. Es kam mir vor, als hätte ich das alles geträumt. Irgendwann bewegte sich mein Bett und ich wurde in den Kreißsaal geschoben. Ich konnte die Augen immer noch nur einen Spalt breit öffnen. Als wir in den Kreißsaal kamen, sah ich meine Mutter. Sie sollte zur Geburt mit in den Kreißsaal kommen. Da saß sie nun, am anderen Ende des Raumes mit einem Bündel auf dem Arm. Mit meinem Sohn. Nach einer Weile (ich hatte absolut kein Zeitgefühl) wurde er mir in den Arm gelegt. Immer noch konnte ich meine Augen kaum öffnen, es ging einfach nicht. So konnte ich ihn also auch nicht ansehen. Meine Mutter machte dann ein Foto und zeigte es mir. Das war er also. Mein Sohn. Aber dieses Gefühl, das man aus Film und Fernsehen kennt - es kam nicht. Das kam erst eine ganze Weile später. Ich wusste, dass es mein Sohn ist und ich wusste, dass ich ihn über alles liebte, aber dieses Glücksgefühl fehlte. Aber mir fehlte immerhin auch die komplette Erinnerung an meine Schwangerschaft. Nach ein paar Stunden kam die Oberärztin dann in mein Zimmer. Sie erzählte mir, dass meine Wirbel zu eng gewesen seien und der Anästhesie nicht durchkam, um die Spinalanhästesie zu legen. Dann wurden durch den Stress wohl die Herztöne meines Sohnes schlecht und ich bekam die Vollnarkose. Jetzt machte das auch Sinn. Und durch diverse Beruhigungsmittel konnte ich die Augen nicht öffnen. Aaaaaah! Erklärt alles! Sie sagte mir auch, dass meine Entscheidung zu einem Kaiserschnitt intuitiv die absolut richtige gewesen sei. Mein Sohn hatte die Nabelschnur so fest und oft um den Hals gehabt, dass er eine natürliche Geburt nicht überlebt hätte. Also alles richtig gemacht. Mittlerweile kann ich mich wieder an einige Sachen aus der Schwangerschaft erinnern und bei mir und meinem Sohn ist alles super. Ich würde mich - trotz allem - jederzeit wieder für einen Kaiserschnitt entscheiden. Diesmal dann aber leider direkt mit Vollnarkose - dafür aber ohne Beruhigungsmittel :)

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Kommentare: 5
  • #1

    Kathrin (Freitag, 09 Dezember 2016 07:51)

    Kaisergeburt, danach hatte ich auch gefragt und mir wurde gesagt, sowas (so einen furz) machen sie nicht.

  • #2

    Julia (Freitag, 09 Dezember 2016 08:33)

    Ahhh, das ist natürlich krass mit der Vollnarkose! Aber kann passieren... Ich war auch erst so drauf wie du, dass ich nur KS wollte (aus denselben Gründen). Im Laufe der SS hat sich meine Meinung geändert, nach dem Motto, doch nur das Beste für's Kind-also spontan . Nun liegt sie in der 36.ssw in BEL u ich kann wieder zurück zum Ursprungsgedanken. Hoffe natürlich auf PDA!
    Hauptsache ihr seid gesund u munter...

  • #3

    Julia (Freitag, 09 Dezember 2016 08:48)

    Boah das klingt ja aufregend. Ich bin froh das bei mir beide spinalen gesessen haben obwohl ich bei der kleinen meinte mehr zu spüren...Hatte echt zwei super Narkoseärzte habe weder Betäubung noch spinale beim setzten gemerkt. Und beide Male ein super OP Team. Haben bei der kleinen so gelacht im OP da war Garkeine zeit zum angst haben :-)

  • #4

    Meike (Freitag, 09 Dezember 2016 09:29)

    Oh Mist... Das mit der ungeplanten Vollnarkose ist natürlich große *******!
    Irgendwie dachte ich, dass mit einem Wunschkaiserschnitt alles etwas planbarer wird. Aber dann wohl Pustekuchen! Naja, bei mir war's statt Geburtshaus, dann auch ein Notkaiserschnitt... Aber auch wenn's abgedroschen klingt: Hauptsache Baby und Mutter geht es hinterher gut, oder?

  • #5

    Flora (Montag, 12 Dezember 2016 14:05)

    Ich habe auch immer gesagt, dass ich nur einen KS mache, wenn ich mal ein Kind bekommen sollte. Ich bin so ein Angsthase und sehr empfindlich und war davon fest überzeugt und begeistert als ich hörte das es nun auch Wunsch KS bei mir in der Klinik gibt.
    Aber als es soweit war dacht ich nicht darüber nach bzw drängte den Gedanken weg und lies es auf mich zu kommen. Ich hab's irgendwie "geschafft" und ich bin eine Erfahrung reicher. Aber ich hätte nach dem KS Fragen sollen, denn der Geburtskanal war viel zu eng und ich werde bei bestimmten Dingen immer Schmerzen haben -.-
    Beim nächsten mal dann ;)

    Alles gute!