Mama ● Wifey ● Hero

Ich habe ein ernsthaftes Problem. Und ja, ich schreibe bewusst im Präsens.  Ich kann mich dem Moment nicht hingeben. Ich bin nicht in der Lage mich am Hier und Jetzt angemessen dankbar zu freuen. Eigentlich warte ich nur. Auf den Mittagsschlaf meiner geliebten Kinder, einen geplanten Ausflug, auf Besuch, dass mein Mann Feierabend hat und vor allem: Ja, wirklich vor allem anderen, warte ich auf Freitag. Ich sitze fest in der Warteschleife, die sich mein Alltag nennt. Flehe, dass die Zeit schnell vergeht, bis zum ersehnten Ereignis und wenn ES dann soweit ist, geht es mir zu schnell. Glaubt mir, das hat nichts mehr mit Vorfreude zu tun.  Das ist Zeitverschwendung.

Mit dem ständigen Warten geht gleichsam ein potenzieller Anstieg der  Erwartungshaltung einher. Ich freue mich also auf den Feierabend meines Mannes. Und setze gleichzeitig und unbewusst einen Haufen Erwartungen an ihn. Wenn möglich sollte er bester Laune und fröhlich pfeifend,  mit einem Leib Brot unter dem Arm und früher als gedacht, zur Haustür reinschneien. Dass das jetzt nicht so oft vorkommt, sollte klar sein. Ganz im Gegenteil. Er ist oft müde, abgespannt und will nach einem stressigen Tag nur noch Ruhe und seine Familie. Während also der eine den ganzen Tag auf Sparflamme glimmt und gegen 17Uhr fiebert. Läuft der andere auf 200% Turbo und sehnt sich dennoch nicht minder. Nur die Erwartungen sind anders. Und so knallte es im Hause Massahudblock eine Zeit lang gehörig. Bis, ja bis ich mich anfing zu ändern. Nicht über Nacht. Aber ich arbeite seitdem an meiner Haltung. Ich mache mir immer öfter bewusst, dass ICH dafür zuständig bin einen erfüllten, liebevollen Tag zu verleben. Und nicht um 17Uhr die Haustür aufgeht und mein ganz persönlicher Buttler den Tag Supercalifragilisticexpialigetisch macht.

Die Letzten zwei  Jahre bin ich zudem, dem „Mythos der Perfekten Mutter“ hinterher geeifert. Mama●Wifey●Hero. Und ich habe es sogar, nah an die Perfektion geschafft. Keine klebrigen Böden, ein befriedigter Ehemann, gezupfte Augenbrauen und ausgelastete, glückliche Kinder.  Mit den alltäglichen Unternehmungen, ständigem Haushalt machen und zwanghaftem aufräumen, erschuf ich nicht nur einen Mombie sondern v.a. macht ich meine innere Zufriedenheit existenziell abhängig von dem Zustand meines Hauses.

Was machen Sie beruflich? Hausfrau und Mutter! So Mädels, wer will bitte seinen Job nicht perfekt machen. Ich erzeuge mir Glücksgefühle nicht mit dem Vibrator sondern durch den Staubsauger.  Wenn es bei uns zu Hause aussieht, als würde mindestens das Fernsehen kommen, dann kann ich mich beruhigt auf die Couch setzen, natürlich ohne die Anordnung der Kissen zerstören. Ich bin dann echt happy. Ich weiß nicht wie und warum es so weit kam. Und ob ich mit diesem Ordnungszwang allein bin. Ich weiß nur:

Wenn im Hause nicht mehr gelebt werden darf, verliert es die Berechtigung sich ein „zu Hause“ zu nennen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 12
  • #1

    Laura (Mittwoch, 23 November 2016 14:23)

    Für mich ist es nicht wichtig ob jetzt die Merkel vorbei kommen kann ohne die Augenbraue hoch zu ziehen. Das ist für mich nicht machbar, ohne das wichtigere Dinge auf der Strecke bleiben. Es ist schwer, wirklich schwer alles unter einen Hut zu bekommen. Mein Kind ist 25 std im kiga , ich gehe 12 Stunden arbeiten , Haushalt, Mann, und am Ende, ich selber. Ich habe den Weg der ultimativen Zufriedenheit und Perfektion noch nicht gefunden.

  • #2

    KleineClau (Mittwoch, 23 November 2016 14:32)

    Ich kann das nachvollziehen. Und zwar total. Ich freue mich auch sehr aufs Wochenende oder wenn mein Mann mal früher als erwartet aus der Arbeit kommt. Und gebe ihm dann gerne mal die Kinder "ab" ... obwohl ich weiß, dass er auch erst mal ein bißl "Pause" braucht. Und mit der Wohnung ist das so ne Sache. Ich brauche es nicht total sauber, sprich überall gesaugt, gewischt etc., aber es muss aufgeräumt sein.

  • #3

    L. (Mittwoch, 23 November 2016 14:53)

    Ich kann es verstehen. Vielleicht nicht nur auf den Haushalt bezogen, auch auf zwischenmenschliche Perfektion. Und wenn ich tief drinnen bin im Wahn, dann reicht nur ein kleiner auslöser, ein vergessener Termin, der Wasserfleck der nicht weggeht, das Geschenk, dass ich nicht rechtzeitig fertig bekomm..ja das reicht um die Welle der Überforderung über mich reinbrechen zu lassen. Mich in den Strudel nach unten zu ziehen, unten wo nichts mehr genug ist, nicht der Haushalt, nicht das was ich geben kann, und auch ich nicht. Und dann schaff ich es überhaupt nicht mehr das hier und jetzt zu leben und zu lieben.
    Und wahrscheinlich ist die Lösung auf sich zu schauen, und auf sich zu achten. Aber wie so oft, nur leicht gesagt.

  • #4

    Verena (Mittwoch, 23 November 2016 14:54)

    Du sprichst mir aus der Seele, genau so geht es mir gerade auch ständig. Bin jetzt seit einem guten Jahr zuhause und habe das Gefühl, ich mache nichts aus dieser tollen Zeit mit Baby, kann es gar nicht richtig genießen. Bin gefühlt auch nur dauernd am Haushalt schmeißen und auf Termine fiebern... entspannt bin ich nur wenn die Wohnung aufgeräumt ist. Stillsitzen und mal Pause machen und das genießen? Schwierig! Der Mann kann das alles nicht so richtig nachvollziehen. Wir sollten eine Selbsthilfegruppe gründen...

  • #5

    marion (Mittwoch, 23 November 2016 15:05)

    Wir jagen dem perfekten ich hinterher. Meinen nur dann akzeptiert zu werden wenn wir beim kochen noch schnell die socken stopfen und den kids dabei ein buch vorlesen um dann abends im bett sexy räkelnd neben unseren männern liegen.... Bullshit..... Wir verlieren uns dabei. Und wofür??? Mommy des Jahres? Wir werden gefragt was wir machen. Sagst du ich bin Hausfrau und Mutter hast du ein schlechtes gewissen. Sagst ich bin vollzeit berufstätig, hast du ein schlechtes gewissen. Und wem gegenüber??? Gegenüber menschen die dein leben nichts angeht. Wir müßen abends in den spiegel schauen und sagen , ja, alles richtig gemacht. Egal ob der wäscheberg da noch steht und der pizzalieferant gerade klingelt. Den anderen machen wir es nie recht. Und müßen lernen das wir das auch nicht brauchen!!!!!!

  • #6

    leas_mama_30 (Mittwoch, 23 November 2016 16:13)

    Liebes das hast du toll geschrieben. ❤
    Fühl dich ganz doll gedrückt.
    Ja ich kenne das ich erwarte auch immer zu viel,aber von mir selber und wenn es dann nicht klappt bin ich enttäuscht.
    Du machst deinen Job super. Deine Kinder können stolz sein so eine tolle Mama zu haben.

  • #7

    Moni (Mittwoch, 23 November 2016 18:59)

    Hach ja, dieses "Perfekte Mutter-Ehefrau-Hausfrau-Freundin-Schwester-Tochter"-Ding, hat mich an einen Punkt gebracht, an den ich mein ganzes Leben bitte nie mehr kommen möchte... Ich kann es soooo nachvollziehen und es so schwer davon abzulassen, ich arbeite da mit Hochdruck dran! Verrückte Welt, verrückte Ansprüche, verrückte Anforderungen.... Danke für Deine ehrlichen Worte ❤️

  • #8

    Monika (Mittwoch, 23 November 2016 19:00)

    Hey, du sprichst mir so aus der Seele.
    Ich warte und warte, dass bestimmte Dinge eintreffen wie Freitag, Urlaube etc. Und wehe das verläuft nicht wie geplant, dann kann es passieren das ich in ein Loch falle.
    Und immer dieser Anspruch alles perfekt machen zu müssen. Ifh vergleiche mich dann auch immer mit den falschen Leuten.
    Einfach den Moment genießen, das kann ich leider sehr schlecht.
    Ich hoffe das ich das irgendwann lerne.
    Liebe Grüße,
    Monika

  • #9

    Jessi (Mittwoch, 23 November 2016 19:25)

    Hey, ich dachte bis dato nur wenigen geht es so. Tatsächlich definiere ich mein Leben über diesen Perfektionismus...dauernd renn ich rum...Krümel hier, Wäsche da und Mensch Kinder lasst nicht immer alles liegen. Schrecklich, schon fast Zwanghaft. Tatsächlich bin ich mehr damit beschäftigt alles sauber und ordentlich zu haben, dass mir oft die Zeit fehlt mich einfach mit hinzusetzen und zu spielen.

    Berichte doch mal in einem gesonderten Artikel, wie du es weg vom Perfektionismus schaffst?

    Danke für deine Ehrlichkeit

  • #10

    Le (Mittwoch, 23 November 2016 20:33)

    Du sprichst mir aus der Seele! Mir geht es exakt so wie du es beschreibst...

  • #11

    Edith (un.verleichtbarkeit) (Mittwoch, 23 November 2016 23:03)

    Ich hab gelernt loszulassen. Im letzten Jahr und aktuell auch: ganz bewusstes loslassen. Vorstellungen, Erwartungen (da steckt auch WARTEN drin), und das, alles im Griff haben zu wollen, Pläne umzusetzen usw. 'Loslassen braucht weniger Kraft als festhalten- und dennoch ist es schwerer'. Und an so trüben Tagen und wenn mich die Wohnung und alles nervt und bedrückt, dann übe ich mich im dankbar sein. Ich zieh mir dann z.b. was besonderes schönes an und überlege, wie schön wie möglich ich es mir und den Kindern machen kann, i.R. meiner Möglichkeiten. Z.b. mit Kerzen und Musik (das gefällt auch den kindern), büchereibesuch, oder ne DVD. Und ich lerne auf kleine Schöne Dinge zu achten - ich gehe meinen täglichen weg zum Kindergarten mehrmals und entdecke immer wieder Neues und schönes . Deshalb hab ich auch angefangen zu fotografieren. An manchen tagen sind die gefühle einfach sch..., und das ist normal, da muss man durch, es kommen auch wieder gute tage! Und es ist doch toll, dass du das reflektierSt und dich so gut ausdrücken kannst. ♡grüße an dich!

  • #12

    Flora (Dienstag, 29 November 2016 13:31)

    Haben wir nicht alle diese Gedanken und Anwandlungen? Die eine mehr die andere weniger. Das mit dem Mann ist bei mir auch sehr stark, da er nur am Wochenende zuhause ist und da erwarte ich sehr viel von ihm und natürlich kann er die Erwartungen erfüllen, wie denn??
    Also Kopf waschen und lernen, dass er auch nur ein Mann ist. Mit dem Haushalt war ich schon vor dem Baby nicht gut Freund und so reicht es mir, wenn "nur" aufgeräumt ist. Gesaugt und gewischt wird, wenn es passt und ansonsten geht's ums Kind!
    Denn mit ihm ist es (meistens) die schönste Zeit ♡

    Du machst deinen Job sehr gut und dazu noch der Blick und Insta usw.. Hut ab! Du bist toll!

    Liebe grüße