Geburtsbericht der lieben Sandra @_sandibeach_

Mein Geburtsbericht... ok wo fängt man da an? Ich habe keine mitreißende Überschrift. Denn ich hatte zwei nach dem Lehrbuch unspektakuläre Geburten. So rein faktisch gesehen. Zu keinem Zeitpunkt war entweder mein Leben, oder das der Kinder in Gefahr (das vom Hubbs vielleicht als er meinte sich mal eben schlafen zu legen), zum Glück und oh ja wie dankbar ich bin darüber. Dennoch denke ich, ist jede Geburt auf ihre Weise traumatisch. Denn was ist ein Trauma? Ein Trauma ist ein lebensveränderndes Ereignis. In jedem Fall ist das die Geburt eines Kindes. So oder so. Damit will ich selbstverständlich keinesfalls Geburten herunterspielen, die tatsächlich hochgradig dramatisch ablaufen oder enden. Ich denke ihr wisst wie ich es meine. Jede Mutter und vermutlich jeder Vater, erinnert sich an diese besonderen Stunden oder Tage.
Bei Lily, meiner Großen, war die Geburt ein Ereignis, dem ich wirklich entgegen fieberte. Ich hatte keine Sorgen, keine Ängste, komisch weil ich sonst ein eher ängstlicher Mensch bin, der sich hundert Gedanken zu einem Thema macht. Aber nicht beim Thema Geburt. Da herrschte bei mir nur pure Vorfreude. Meine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester lag gerade erst hinter mir und meine Erfahrungen von der Frühchenstation und Neugeborenenintensivpflege waren noch frisch und trotzdem konnte mich nichts in meiner Seifenblase, dass alles gut werden und sein würde, stören. Nur eines stand für mich von Anfang an fest: kein Kaiserschnitt. Dabei ging es mir gar nicht so sehr darum es selbst schaffen zu wollen, das war nur ein kleiner Teil dieser Überzeugung. Hauptsächlich spielten da meine Erfahrungen im Kreissaal mit, die ich als Auszubildende habe machen dürfen. Es waren atemberaubende Situationen  für mich gewesen, aber abschreckend wie kühl und brutal der Eingriff jedes mal von Statten ging. Wirklich Hut ab auch an jede Frau, die einen Kaiserschnitt hat machen lassen oder machen lassen müssen. Das ist ganz schön harter Tobak finde ich und steht auf einem völlig anderen Blatt als eine spontane Geburt. Was die körperliche Erfahrung angeht auf jeden Fall.
Als ich also Morgens um 5.00 am errechneten Geburtstermin aufwachte von einem leisen Knack irgendwo tief in mir, dachte ich erst so: Hä? Hat jemand meinem Kind Luftpolsterfolie gegeben? Es hörte sich an als hätte ein Gelenk geknackt, nur dass ich mich eben nicht bewegt hatte. Das war mit meinen walfischgleichen Ausmaßen im Bett auch gar nicht so ohne Weiteres möglich. Der Hubbs war ebenfalls von dem Geräusch wach geworden, was einem Wunder gleicht, weil er sonst nicht mal aufwacht, wenn eine Bombe neben ihm detoniert. Ich stand auf und Flüssigkeit rann an meinen Beinen herunter. Es war nicht übermäßig viel aber ich fühlte mich immer noch Herr bzw Frau über meine Blase und auch sonst, war mir gleich klar- normal ist das nicht. Ich sagte dem Hubbs ziemlich nüchtern: "Also wir sollten dann wohl mal ins Krankenhaus!" Das ist natürlich kein Satz, den ein werdender Vater so leichtfertig hinnimmt. Ich glaube so schnell hab ich ihn noch nie aus dem Bett springen sehen. Dennoch schien er auch verwirrt. Er hatte sicherlich mit einem anderen Geburtsbeginn gerechnet. Jeder hat schon von geplatzten Fruchtblasen gehört und dabei Szenen von Filmen vor Augen, in denen der Supermarktflur von Fruchtwasser geflutet wurde und der werdende Papa dann loshechtet mit Tatü-Tata und Rollstuhl und es alle ganz furchtbar eilig haben. Er hat sicher Fanfaren erwartet und Chöre, die uns auf den Weg ins Krankenhaus begleiten mit guten Wünschen und mutmachenden Mantras. Die Realität um 5 Uhr morgens in unserer kleinen 2-Zimmer Wohnung im 3 stock mit feuchtem Schlafanzugschritt war befremdlich anders. Ich bin dann noch in aller Ruhe duschen gegangen, ohne Fanfaren und ohne Chöre. Aber das war eine sehr erinnerungswürdige Dusche. Ich weiß noch wie ich wirklich Mut sammelte, mir sagte, dass es jetzt los geht und dass sich das alles so völlig surreal anfühlte. Relativ zeitgleich fingen auch die ersten Wehen an. Im Krankenhaus angekommen erzählte ich von dem Knacken, dem Wasser, den Wehen. Sie schloßen mich ans CTG an aber die Wehen waren zwar stark aber noch relativ unregelmäßig, der Muttermund durchlässig aber nicht mehr und die Fruchtwasseruntersuchung ergab, dass es nur ein minimaler Riss und kein Blasensprung war. Dennoch stand fest es geht los... aber wir sollen laufen. Laufen, laufen, laufen. Im Nachhinein war es eine unheimlich schöne Stimmung. Es war der 21. August 2012, es war ein herrlicher Morgen, die Zeit die ich im Sommer am liebsten mag, wenn die Luft noch frisch ist aber die Sonne schon Kraft hat und man die Vorfreude auf einen Sommertag überall spürt. Wir liefen also... durch den Park, ab und an musste ich veratmen, dann ging es weiter. Wir redeten viel und waren so voller Spannung. Wir fanden es beide irre witzig, dass wir ausgerechnet ein so pünktliches Kind bekommen sollten, das direkt am errechneten Termin kommt. Dieses Glück wird ja schließlich nur 5% aller werdenden Eltern zu Teil. Der Tag war ja auch noch sehr jung und so waren wir uns sicher... Lily kommt heute. Aber wie Lily so ist, fängt sie an zu bocken sobald man einen zeitlichen Rahmen vorgibt. Irgendwann wurden die Wehen heftiger, ich musste öfter Pausen machen und wir wurden unruhig. Also zurück in den Kreissaal. Dort wurde ich von einer dummen Tante von Hebamme erstmal ordentlich angepampt, was ich denn schon wieder bei ihnen will... wir sollten doch laufen. Aber klar, wir waren über eine Stunde weg gewesen, es kam mir vor wie eine Ewigkeit und ich hatte heftige Wehen und war nunmal unsicher. Sie meinte, so wie ich daherkomme, hätte ich noch keine heftigen Wehen und ich wäre ihr am liebsten ins Gesicht gesprungen, denn was ich da fühlte war schon heftig. Sie schloss mich dann ans CTG an und war doch überrascht wie stark die Wehen wohl laut Gerät waren. Ok ich hatte also eine Daseins Berechtigung. Juhu. Es ging ein paar Stunden so weiter ohne großartige Fortschritte. Der Muttermund wollte und wollte nicht weiter als 2cm aufgehen und meine Geduld begann knapp zu werden. Irgendwann ließ auch die Intensität der Wehen nach. Also sollten wir wieder laufen. Diesmal lag da nicht mehr so viel Euphorie in meinen Schritten. Ich war müde und kaputt und wenn ich gewusst hätte, was mir noch alles blüht, hätte ich wohl an die Tür zum OP Saal gehämmert und darum gebeten mal eben kurzen Prozess zu machen. Diesmal trauten wir uns nicht so schnell wieder zurück. Gegen späten Nachmittag aber konnte ich nicht mehr, die Wehen wurden wieder stärker, mich beschlich eine Übelkeit und einfach das Gefühl, dass ich jetzt mein Kind bekommen und nicht für das Wanderabzeichen vom Alpverein trainieren will. Wir gingen zurück und mussten einige Zeit im Aufenthaltsraum warten... alle Kreißsäle waren belegt. Bis mal eine Hebamme sich meiner annahm, die sah dass es mir weder psychisch noch physisch besonders gut ging, dauerte es eine Weile. Als es dann so weit war, durfte ich gleich in die Wanne. Das war mein Wunsch gewesen und das Wasser fühlte sich unheimlich gut an. Die Wehen wurden heftiger und irgendwann konnte ich das Wasser um mich herum nicht mehr ertragen. Ich durfte in den Kreissaal und auf das Kreisbett. Ich hatte jetzt wirklich starke Wehen. Ich stöhnte, ich krallte mich in die Matratze, ich bekam wenig um mich herum noch mit. Ich dachte da tut sich jetzt bestimmt was, das geht jetzt gleich so richtig los. Aber die Schwester die gerade zum Nachtdienst kam, bestätigte mir leider nur, dass sich am Muttermund weiterhin nichts tat. Ich verstand das nicht und auch die Hebamme schien irritiert, denn sie sah an meiner Reaktion, meinem Körper und am Wehenschreiber, die heftigen Kontraktionen. Leider war an diesem Tag echt high life im Kreissaal. Ich sah auch diese Hebamme nur selten und so war der Hubbs der einzige wirkliche Ansprechpartner. Ein völlig unerfahrener, besorgter und völlig übermüdeter Ansprechpartner. Wir wussten beide nicht warum das so lang dauerte, warum die Wehen jetzt schon so heftig waren und in so kurzen Abständen kamen, und das seit Stunden, mir kaum Pausen zum Kraft holen ließen und es trotzdem nicht voran ging. Irgendwann kam ein Sonnenschein ins Kreiszimmer. Eine Hebammenschülerin, im Nachtdienst und mit viel Zeit, zumindest im Moment. Sie erklärte mir so einiges. Unter anderem auch, dass Lily noch falsch herum lag. Also nicht als Beckenendlage, aber mit dem Gesicht nach Vorne. Ein sogenannter Sterngucker. Die Sterngucker Babies bleiben oft durch die Wehen nach unten gedrückt am Steißbein hängen, dadurch geht nichts richtig voran aber es entstehen von der ersten Wehe an heftige Schmerzen. Lily konnte also noch gar nicht auf den Muttermund drücken und da etwas bewirken. Sie leitete mich zu ein paar Turnübungen im Bett an, die eine Drehung bewirken sollten. Aber die heftigen Wehen ließen kaum Zeit dafür. Ich war so kraftlos und müde. Irgendwann überkam mich eine furchtbare Übelkeit und ich erbrach mich 2-3 mal... hatte aber ja schon seit bald 24h nichts mehr gegessen. Fieber kam dann auch noch dazu. Alles wohl Nebeneffekte, die ein Körper so zeigen kann unter einer Geburt. Das wurde mir zumindest völlig unbeeindruckt von der Hebamme so gesagt, Nett, dass einem das vorher auch niemand erzählt. Es war eine ganz furchtbare Phase. Ich wusste nicht woher ich noch Kraft sammeln sollte, um ein Kind zu gebären. Um 4 Uhr nachts stand der Hubbs, der wirklich völlig allein gelassen mit mir überfordert war, mit Tränen in den Augen an meinem Bett und sagte: "Bitte lass dir eine PDA geben!" Eine PDA hatte ich nie gewollt. ich fand den Gedanken immer schon gruselig meine Beine nicht mehr zu spüren und im Rückenmark rumzupfuschen. Und ja... irgendwie wollte ich es einfach selbst schaffen. Ist ja schon so ein bisschen wie aufgeben, dachte ich. Aber ich sah den Hubbs und dachte mir, er hat recht. Ich brauche zumindest mal eine kurze Pause von diesen heftigen Wehen. So wurde es gemacht. PDA gelegt und dem Hubbs wurde erst mal ein Bett in den Kreissaal geschoben, damit er kurz die Augen zumachen kann :-) was er auch tat. Es war mittlerweile 5 Uhr am Morgen und wir hatten längst kein pünktliches Kind mehr. Vor 24h hatten wir meinen Eltern geschrieben, dass es losgeht... vor 24h dachte ich, ich stehe kurz davor Mama zu werden. In dem Moment kam es mir von 4cm auf irgendwann mal 10cm noch unheimlich weit vor. Durch die PDA konnte ich selbst endlich wieder entkrampfen, locker lassen, aber hatte auch gleichzeitig das Gefühl, da passiert jetzt nichts mehr. Die Fortschritte waren etwa 1cm alle 2-3h... so konnte das nicht weitergehen. Die Hebamme bestätigte leider, dass mit der PDA nun alles noch langsamer ging und sie die PDA runterdrehen müsse. Außerdem musste nochmal geturnt werden, um Lily eventuell nochmal von ihrer Sternguckerposition abzubringen. Mit einem komplett tauben und einem halb gefühllosen Bein ist das ganz nett gesagt, aber getan ist es nicht so leicht. Aber tatsächlich, Lily drehte sich. Gegen 9.00 Uhr am Morgen war Visite. Der Arzt schaute nach dem Rechten, da so zwischen meinen Beinen. Auch er fand den Geburtsvorgang zu langsam und machte sich zum ersten Mal Gedanken um Lily, obwohl ihre Herztöne stets stabil waren. Er sagte, wenn sich bis elf nichts tut, bereiten sie alles für einen Kaiserschnitt vor. Alarmglocken schellten tausendfach in meinem Kopf. Kaiserschnitt?! Und das nach dieser ganzen Schinderei?! Dann hätte ich wirklich vorhin schon um 10 Uhr in der Früh an die OP Tür klopfen können. Nein nicht mit mir. Nicht mit uns Lily, dachte ich. Am liebsten hätte ich dem Arzt sonst was erzählt, aber da er hauptsächlich mit meinem Lady Business da unten am plaudern war und alles irgendwie da so in die südlichen Regionen meines Körpers hinein nuschelte, schien er mir nicht auf Augenhöhe. Dich brauche ich heute nicht, dachte ich. Die Schwester der Frühschicht war auch endlich eine Hebamme nach meinem Geschmack. Sie war herzlich und offen und bestärkte mich. Dass wir das schaffen, dass das jetzt voran geht, wo sich Lily gedreht hat. Und so war es. Um elf kam der Arzt noch einmal herein und nein Lily war noch immer nicht da. Aber ich war bei 8cm und es ging immer schneller voran. Schneller als ich denken konnte, sagte die Hebamme plötzlich zu mir,: "Bei der nächsten Wehe können sie mal mitpressen." Und ich dachte so, was? Einfach so? War es das jetzt? Pressen und gut? Ich hatte die PDA zwar runtergedreht, aber Presswehen spürte ich dennoch keine. Plötzlich wachte auch der ganze Kreissaal auf, der Hubbs war hellwach, die Hebamme war sehr geschäftig, rief jemanden im Gang, eine Schülerin kam noch dazu... es war Aufbruchstimmung. Ich soll jetzt also pressen.... und das tat ich dann. 3 mal. Mit letzter Kraft. Und da war sie um 11.55 am 22.August hatten wir es dann geschafft. Lily war da. Und wundervoll, gesund und einfach DA!
Als es in der Schwangerschaft mit Theo aka. Bruce auf die Geburt zuging, machte ich mir wieder wenig, bis keine Sorgen. Nicht was den Geburtsvorgang an sich anging. Meine einzige Sorge galt Lily und dem wie und wo ich sie unterbringen würde, wenn es in dem einen Moment losginge in dem ich mit ihr allein wäre. Ganz schön dämlich aber ich dachte echt, da jeder sagte 'beim zweiten gehts schneller', dass es zur Sturzgeburt zu Hause kommen würde und Lily zum Geburtshelfer wird. Naja nach 30 Stunden beim ersten Kind, könnte das zweite Kind ja immerhin rasante 18h oder so hinlegen. Der Bruce machte es aber auch spannend. Ich wehte eine Woche lang vor dem Termin schon sehr regelmäßig herum. Regelmäßig und kräftig aber dann immer nach ein paar Stunden wieder weg. An dem Tag an dem es dann aber richtig los ging, war mir irgendwie schon klar, das hört heute so schnell nicht wieder auf. Zum Glück war meine Schwester schon auf Babyabruf bei uns zu Hause einquartiert und übernahm morgens dann also die Große, als wir uns auf ins Krankenhaus machten. Diesmal in ein anders Krankenhaus, in der Hoffnung auf mehr Betreuung, weniger dumme Sprüche und mehr Fürsorge. Gegen 10 Uhr in der Früh waren wir am Krankenhaus und schon auf dem Weg zur Station musste ich anhalten und konnte während der Wehe nur gestützt an den Hubbs stehen, weil es mir sonst die Beine unterm Hintern weggezogen hätte. Die Hebamme sah dementsprechend schon als ich angeschlichen kam: die ist reif! Also rein in den Kreissaal, verkabeln und dann die spannende Untersuchung "Ja bei wieviel cm sind wir denn nun?" Leider auch da erst mal Ernüchterung. Es waren 2! Mickrige zwei. Aber ich war guten Mutes. Immerhin war ich weiter, als bei der ersten Geburt nach Stunden voll schmerzhafter Wehen. Eine Freundin von mir, die zeitgleich schwanger war, hatte mir damals von hypnobirthing erzählt und ich hatte mir im Vornherein ein paar Videos dazu angeschaut. Im Prinzip geht es darum, den Körper in einen so entspannten Zustand zu versetzen, durch die Kraft der eigene Psyche, um völlig ohne Schmerzmittel und ohne all zu großes Schmerzempfinden durch die Geburt zu kommen und die Geburt als solches einfach ganz anders und durchweg positiv zu erleben. Dabei sollte nicht nur das Ziel, das Baby in den Armen zu halten, sondern auch die Wehen als etwas positives und willkommenes gesehen werden. Wehen, werden zur Wellen, die über einen kommen und einen ein Stück näher zum finalen Moment tragen. Ich fand diesen Gedanken schön und klammerte mich daran zu Anfang richtig fest. Ich hopste auf einem Pezziball auf und ab, kreiste das Becken und veratmete die Wehen so souverän, dass ich mich selbst imaginär auf die Schulter klopfte. Auch die Hebamme kam ein paar mal herein, sprach mit mir über das hypnobirthing und war beeindruckt, so sagte sie es, von meiner Ruhe, die ich ausstrahlte. Auch bei der zweiten Geburt, sollte es aber nicht so rasant gehen. Ich sollte nochmal laufen, runter vom Pezziball, den Gang auf und ab, aber bitte nicht zu weit weg. Wir liefen auch nicht lang, denn die Wehen waren zu stark zum Spazierengehen. Ich äußerte den Wunsch in die Gebärwanne zu wollen. Wassergeburt dachte ich, passt irgendwie zu den Wellen und Wasser ist eigentlich auch voll mein Element. Also los gehts! Ich werd das Baby jetzt völlig selbstbestimmt und ohne Hilfe auf diese Welt bringen und wenn es sein muss, die Nabelschnur mit den Zähnen durchtrennen. Ich fühlt mich wirklich unwirklich stark und bereit für alles. PDA hatte ich längst vergessen. Ich kann das. Ich hab das schonmal gemacht, also was soll noch kommen. Die zwei Hebammen ließen das Wasser in den großen Gebärpool ein und baten mich noch auf dem Kreisbett zu liegen, bis es soweit ist. Das war so gegen kurz nach 14 Uhr, also um den Schichtwechsel herum und eigentlich wollten die zwei Damen noch gleich Übergabe machen. Auf dem Bett kontrollierte die eine Hebamme nochmal den Muttermund, 6cm. Immerhin. Sie tastete und meinte Theo fände den Weg mit dem Kopf nicht richtig, ich soll mich mal auf die rechte Seite drehen, nur mal probieren, ob das ihm hilft. Gesagt getan. Keine Minute später zerriss mich innerlich ein Schmerz, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. ich weiß aus der Literatur, wie der Geburtsschmerz während der sogenannten Austreibunngsphase als 'vernichtend' bezeichnet wird. Ich kann es nicht besser beschreiben. Vernichtend. Und vor allem für mich eines: überraschend. Erst im Nachhinein dachte ich, klar, Presswehen hattest du noch nie erlebt. Diese Intensität, dieser alles ausfüllende Schmerz war wirklich etwas ganz anderes. Dazu kam dieser Drang zu pressen. Ich wusste nicht wohin mit mir. Die Hebammen wollten das ich aufstehe, zur Wanne laufe, aber mein Körper war völlig gelähmt vom Schmerz und ich schrie: ''ich muss pressssseeeeen!'' Dann wurden die zwei Damen aber panisch. ''Noch nicht pressen, sonst reißt die Gebärmutter, sie dürfen noch nicht.... hecheln sie, hecheln sie!'' Ich war komplett überfordert. Klar jeder weiß, sowas lernt man im Geburtsvorbereitungskurs, das typische Hecheln.... aber da war ich wohl gerade Kreide holen gewesen. Presswehen hatten irgendwie nicht auf meiner Agenda gestanden, Pressen ebenfalls nicht und schon gar nicht, dass ich nicht pressen darf, wenn aber alles in mir schreit: Ich muss! Ich flehte den Hubbs an, der zurück schrie, ich solle auf keinen Fall pressen. Es waren keine 2 Wehen später, da ging es nicht mehr anders. So viel Zeit wie er sich anfangs gelassen hatte, um so eiliger hatte er es jetzt. Und da war er. Kurz nachdem ich den Kreissaal zusammengeschrien hatte, dass ich nicht mehr kann und das doch nicht normal sein kann so. Ja... I C H - die in mir ruhende Hypotante...  Als die Hebamme mir dann diesen kleinen grau blauen, perfekten Kerl auf die Brust legte (nachdem ich wie eine Kuh auf allen Vieren entbunden hatte- ich wollte das nicht aber die Postion zu wechseln war ein unmögliches Unterfangen) war die Stille im Kreissaal sehr laut. War ich das die gerade so gebrüllt hatte? Die gewimmert, gefleht und gebettelt hat? Ich sagte der Hebamme, als mich der Arzt, der es zur tatsächlichen Geburt von Theo nicht rechtzeitig geschafft hatte, wieder untenrum zusammenflickte: "Ich hatte bei der ersten Geburt eine PDA und keine Presswehen!" Ich wollte mich einfach erklären, ich wollte mich aber eigentlich vor mir selbst erklären. Das, meinte sie lächelnd,  hatten sie gemerkt, aber sie waren auch sehr überrumpelt gewesen, davon, dass es der kleine dann plötzlich nicht mehr abwarten konnte. Und so ließen sie das Wasser wieder aus dem Geburtspool.
Diese zwei Tage, diese Situationen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können, werden mir einfach ewig bleiben. So unterschiedlich und bezeichnend... wie die Kinder eben auch.

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Kommentare: 3
  • #1

    Amy (Freitag, 25 November 2016 09:24)

    Liebe Sandi,
    Ich folge dir schon länger auf Instagram und liebe deine unkomplizierte Art! Du hattest mal erwähnt, dass Lily ein Sterngucker war, aber dass du so lange gekämpft, gewartet hast!
    Finde ich ganz toll!
    Alles liebe ❤️ für euch 4 + Carlo

    Amy

  • #2

    leas_mama_30 (Freitag, 25 November 2016 09:38)

    Danke das du deine zwei Geburten mit uns teilst. Schön geschrieben. Ich lese total gerne die Geburtsberichte.

  • #3

    Susanne (Freitag, 25 November 2016 13:21)

    Liebe Sandi,
    auch ich folg dir schon lange auf Insta und auch auf deinem Blog. Du schreibst so schön ehrlich und ungekünstelt und mit so viel Gefühl und trotzdem auch noch witzig... mach weiter so!