Geburtsbericht der lieben Gesine @mummy_birdie

Ich liebe es, Geburtsberichte zu lesen. Wirklich. Seit meiner ersten Schwangerschaft („Hallo, Hormone“) lese ich sie zu gern. So, wie ich Babygeburten im Fernsehen liebe. Und jedes Mal flennen muss, wenn da am flimmernden Bildschirm ein so kleines, schrumpeliges Wesen geboren wird.
Vor einiger Zeit wurde in einer dieser Sendungen eine spontane (lies: natürliche) Geburt einer Beckenendlage gezeigt. Begleitet von den Worten des Sprechers aus dem Off: „gefährlich“, „bedrohlich“ und „mutig“. Ich wurde etwas stutzig. Denn diese Beschreibungen passten so gar nicht zu meiner Erfahrung. Darum würde ich gern berichten, wie das bei uns so lief: Eine wundervolle, natürliche Geburt aus Beckenendlage.
Vor meinen Schwangerschaften konnte ich mit dem Kürzel BEL wenig anfangen. Ja. das Becken am Ende. Das heißt jetzt konkret nochmal genau was?!
Für alle, denen es genauso geht: BEL ,oder auch Steißlage, nennt man all die Babies, die „verkehrt herum“ liegen. Das Köpfchen schiebt sich also nicht ins Becken, sondern der Po liegt unten. Das ist nicht ideal, aber auch gar nicht mal so ungewöhnlich. Oft drehen sich die Kleinen last minute, manche bleiben aber auch so. Das ist an und für sich nicht so wild, denn auch so können Babies unkompliziert geboren werden. Ich bin, wie bei vielen Dingen im Leben, davon überzeugt, dass die Kleinsten einen eigenen Plan haben. Take it or leave it. All unsere Bemühungen, das Speckbaby von einer Drehung zu überzeugen, waren zumindest vergeblich.
Allerdings birgt eine BEL-Geburt ein paar mehr Risiken für Komplikationen als eine ganz „normale“ Geburt. Wir wissen aber auch alle, dass im Grunde jede Geburt schwierig sein kann – nicht umsonst unterzeichnet man in der Regel vorab Papiere für einen theoretischen Not-Kaiserschnitt.
Dank meiner liebsten Hebamme, die bereits das große Tochterkind auf die Welt brachte, unserer kleinen, aber sehr kompetenten Klinik für BEL und einer resoluten Chefärztin, fühlte ich mich aber entspannt genug, um eine spontane Geburt anzustreben. Echte Pläne habe ich für keine meiner Geburten gemacht, denn nichts passt besser als das Sprichwort „erstens kommt es anders und zweitens als du denkst“. Warum also unnötige Erwartungen schüren?
Für mich stand fest: Ich warte auf Wehen und probiere es dann einfach.
Da das Tochterkind eine Woche zu früh und in Rekordzeit von 3 Stunden zur Welt kam, war ich ein wenig verwöhnt. Die Mini allerdings ließ sich Zeit. Der errechnete Termin kam und kein Baby in Sicht. Im Gegenteil: Das CTG war ruhig-ruhiger-am ruhigsten und auch ich war tiefenentspannt. Die Mini legte ordentlich zu und die Prognosen gingen in Richtung großes, schweres Baby. Was bei BEL irgendwie nicht so optimal sei.
Ich war zu diesem Zeitpunkt innerlich davon überzeugt, dass die Mini per Kaiserschnitt zur Welt kommen würde, da sie so absolut keine Anstalten machte, sich zu bewegen. So kam es, dass wir abends, am 30. November, noch den Adventskalender vom Tochterkind  aufhingen und die bevorstehende Dienstreise des Mannes besprachen. Fahren oder nicht fahren, das war die große Frage.
Die Antwort wurde uns wenig später abgenommen, als die Fruchtblase platzte. Ich hüpfte noch kurz unter die Dusche (was angesichts der MASSEN an Fruchtwasser absoluter Quatsch war) und merkte gleich, dass mit dem Blasensprung tatsächlich auch die Wehen einsetzten. Gott sei Dank, ich wollte eine Einleitung nämlich unbedingt vermeiden.
Wenig später waren wir im Krankenhaus. Eine BEL wird immer nochmal geschallt, da Baby gemessen werden muss. Auch hier wieder: eher groß und schwer, aber machbar. Alles klar. Machbar schaffe ich.
Die ärztliche Untersuchung ergab bereits 7cm. Wahnsinn!
Im Kreißsaal wurde ich fix ans CTG angeschlossen, Zugang gelegt, Wehentropf dran. Moment! Wehentropf? Ich sagte noch so was wie: „Aber ich finde ich habe ganz gute Wehen“, was ganz charmant belächelt wurde. Die diensthabende Hebamme erklärte mir, dass bei Steißlagen am Ende ganz kräftige Wehen gebraucht werden. Denn ist die Gebärmutter erstmal halb leer, lassen die Wehen nach – hier werden sie aber gerade dann akut benötigt.
Meine guten Wehen wurden jetzt also noch besser und das Künstliche vom Wehentropf war schon sehr, sehr unangenehm.
Meine Mutter war in der Zwischenzeit auch da und ihre Anwesenheit beruhigte mich sofort. Ich bin ganz ehrlich, ich habe es sehr genossen, dass mein Mann bei beiden Geburten dabei war. Allerdings hätte ich auf meine Mutter nur ungern verzichtet. Sie kennt mich wie kein anderer, kann meine Stärke einschätzen und war ein ganz wichtiger, emotionaler Teil beider Geburten.
Nach etwa 2 Stunden und kurz nach Mitternacht musste und durfte ich pressen, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenig später war der kleine Speckpo da und nach weiteren 2 Presswehen auch der Rest des hübschen Mädchens. Die Mini. Endlich da!!! Am 1. Dezember, das erster Aventskalendertürchen!
Meine Hormone waren sofort im Mamamodus und ich wollte sie einfach nur kennen lernen. Nach kurzer Zeit auf mir wurde sie allerdings untersucht und ich genäht (Dammschnitt lässt sich leider aufgrund der helfenden Griffe unter der Geburt nicht vermeiden). Theoretisch hätte ich nach einer kurzen Dusche das Krankenhaus verlassen dürfen, entschied mich aber für eine Nacht im Krankenhaus und starrte die Hälfte der Zeit davon mein Baby an.
Nach dem Frühstück durfte ich heim, das Tochterkind konnte die süße, speckige Mini kennenlernen, der Mann auf Dienstreise und ich dank Mama und eben der besten Hebamme ever das allerbeste Wochenbett erleben. Die Ruhe daheim und all die vertrauten Menschen um mich herum machten es mir leicht, mich in mein Baby zu verlieben. Ich muss gestehen, dass ich bei beiden Kindern einige Tage gebraucht habe, um wirklich starke Muttergefühle zu entwickeln. Am Anfang ist da diese Neugier auf das kleine Menschlein, das plötzlich nicht mehr nur so eine Idee und so ein trampelndes Wesen in deinem Bauch ist, sondern ganz real neben dir liegt und an deiner Brust schmatzt. Emotionale Liebesbekundungen und Freudentränen? Nee, die waren da noch nicht. Aber mit jeder Stunde und jedem Tag – da wächst das unsichtbare Band. Und auf einmal ist sie da, die Mamaliebe, die Tränen, die Nähe, die LIEBE. Und dann will man sie um keinen Preis der Welt eintauschen.

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Kommentare: 6
  • #1

    bummelliese (Freitag, 18 November 2016 08:39)

    liebe gesine! was für ein schöner und liebevoller bericht. schön dass deine geburt(en?) so positiv verliefen! auch was du am ende schreibst über das band, das sich langsam entwickelt, da schließe ich mich an, mir ging es ebenso. ☺️

  • #2

    Sabrina life.as.mommy (Freitag, 18 November 2016 08:49)

    Liebe Gesine ich finde es toll wie du deine Geburt beschreibst! Und schon dass alles so reibungslos ablief, Wahnsinn auch für deinen Mut trotz BEL normal zu gebären, leider wird das ja oft als "sehr gefährlich und lieber Kaiserschnitt" angesehen! Du kannst stolz sein!

  • #3

    Jenni (Freitag, 18 November 2016 09:00)

    Liebe Gesine, Danke das du deinen tollen geburtsbericht mit uns teilst :) ich finde es toll, dass du dich von den Erzählungen über die Gefahren einer Geburt in BEL nicht hast abschrecken lassen. Und toll, dass du eine Klinik gefunden hast, die das noch macht :) alles gute dir und deiner Familie :)

  • #4

    leas_mama_30 (Freitag, 18 November 2016 09:12)

    So ein schöner Geburtsbericht. Danke,das du ihn mit uns teilst.

  • #5

    sternchenliebe2.0 (Freitag, 18 November 2016 10:03)

    Ein sehr sehr schöner Geburtstbericht, ich hab ihn gern gelesen!

  • #6

    Katharina (Montag, 21 November 2016 21:37)

    Ich bin ganz berührt von Deinem Bericht! Mein Sohn kam eben wegen BEL mit Kaiserschnitt zur Welt und ich hätte so gern natürlich entbunden, aber hier in der Gegend macht das keine Klinik und mir wurde auch viel "Angst" davor gemacht. Aber wenn es ein Geschwisterchen geben wird, dann suche ich mir bei BEL Alternativen. Danke für deinen tollen Bericht!!!!