Geburtsbericht der lieben Lea@mima.team

Geburtsbericht:

Da stand er auf einmal in der Tür. Ein Mann, den ich seit 7 Monaten nicht gesehen habe. Der werdende Vater. Der Vater meiner Tochter und mein Exfreund.
Im nächsten Moment viel mir alles aus dem Gesicht, denn neben ihm steht niemand anderes als seine neue Freundin.
Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste ist, dass seine Neue und ich Freunde werden und er der beste Papa, den ich meinem Kind wünschen kann.

Zu dem Zeitpunkt war ich bereits 5 Stunden im Krankenhaus.
Ich wachte morgens auf und irgendwie wusste ich, jetzt geht es los. Endlich!
Nachdem ich am 8.04 bereits 200ml Rizinusöl runtergekippt habe nur, dass endlich Wehen kommen. Gebracht hat es nichts, außer eine Nacht auf dem stillen Örtchen.

Also ging es los, es tröpfelte leicht aber kontinuierlich in meine Unterwäsche, aber ich fühlte mich gut. Keine Schmerzen, keine Wehen.
Also erstmal frühstücken und duschen.
Ja auch rasieren war ganz wichtig, denn im Krankenhaus zu liegen, jeder guckt zwischen die Beine und ich bin nicht so wie ich mich wohlfühle, war eine schreckliche Vorstellung.
Als ich fertig war ging es los. Meine Mama und ich fuhren in meine Wohnung, die Kliniktasche holen und dann ab ins Krankenhaus.

Ich wurde auch Station gebracht und meine Hebamme kam. MuMu bei 3cm um 13 Uhr.
Das dauert noch.
Also sind wir in die Kantine um was zu essen.
Und dann Treppen hoch und runter, hoch und runter.
Um 14 Uhr das erste CTG, keine Wehen MuMu jetzt bei 4cm.

Ich benachrichtige den Vater meines Kindes, dass es wohl heute oder morgen kommen wird. Mehr nicht. Ich erinnere mich noch genau an dem Wortlaut.
"Mein Kind kommt heute oder morgen auf die Welt. Sag dir wenn es da ist. Bin in xy im Krankenhaus."  Das wars.

Es ging alle Stunde zum CTG. Um 15 Uhr erneut, keine Wehen, MuMu bei 4cm.
Meine Hebamme fragte, ob alles okay ist. Ich bejahte dies und ging auf mein Zimmer, schlafen und mit meiner Mutter über die anstehende Geburt reden, denn das Kind würde heute noch kommen. Da war ich mir zu hundert Prozent sicher.
Die Hebamme kam und ich unterschrieb Zettel, falls ich eine PDA wollen würde.
Dann schlief ich eine Runde, Kräfte sammeln. Das letzte Mal alleine schlafen.
Meine Mutter weckte mich um 16 Uhr sanft, dass wir zum CTG konnten.
Wieder keine Wehen, MuMu bei 4cm.
Nichts passierte, ich hatte Angst.
Grade ich. Diejenige, die doch immer alles alleine schaffen will, die garkeine Angst vor dem alleinerziehend sein hatte. Die Lea mit der großen Klappe war auf einmal ganz klein. Ich fühlte mich eingeschüchtert, auf einmal hatte ich Angst Mutter zu sein.
Ich merkte wie noch nie in meinem Leben, dass ich meine Mama jetzt brauche. Und sie war da. Einfach da.
Meine Hebamme bereitete mir die Badewanne vor und ich ging im heißen Wasser baden.
Ich entspannte mich und machte mit meiner Mama Blödsinn.
Irgendwann wollte ich raus und ins Bett. Meine Hebamme gab mir noch Globuli und sagte, es wäre jetzt Zeit, dass mein Kind raus darf und das es nicht ewig in meinem Bauch bleiben kann.

Wir gingen auf mein Zimmer, ich lachte und redete noch mehr als sonst.
Dann klopfte es. "Herein!"
Die Tür ging langsam auf und dann stand dort der Vater meines Kindes.
Der Mann, der wollte, dass ich abtreibe. Worauf ich mich noch eingelassen hatte, in der Praxis, aber die Flucht ergriffen hatte.
Neben ihm, seine Freundin.
Ich starrte auf diese Tür, meine Mutter reagierte und schickte die Freundin raus, den Vater rein und ging selbst raus.
Dort saßen wir nur, werdende Eltern, die nicht ein Wort miteinander sprachen.
Irgendwann sagte ich, dass ich zum CTG müsse und ich schreibe wenn das Kind da ist, dass er kommen kann.
Er ging. Und mit ihm all meine Anspannung.
Ich ließ los.

Um 19:30Uhr gingen wir wieder zum CTG.
MuMu bei 8cm und leichte Kontraktionen.
Ich freute mich, wenn das die Wehen sind schaffe ich das locker, dachte ich.

Um 20 Uhr setzen die ersten Schmerzhaften Wehen ein.
Ich hab mich richtig erschrocken und fragte meine Mama, was das war. Sie lächelte mich an und sagte, das wird schon.
Von da an schrie ich mit jeder Wehe. Es tat weh. Es tat scheiße weh!
Aber es ging voran. Ein gutes Gefühl!
Meine Mutter erinnerte mich daran zu atmen, bis ich sie anpflaumte " Ich atme, sonst wäre ich schon längst erstickt"
Darauf hin ging meine Mama, ich bat sie mir Fanta mitzubringen. Nach der nächsten Wehe wimmerte ich nach meiner Mutter.
Um 22:00Uhr kam der Anästhesist und gab mir die PDA.
Wenige Minuten später erschrockene Blicke bei Hebamme und Ärztin.
Mein Kind hatte kaum noch einen Herzschlag.
Ich bekam die Beine hoch gemacht und eine Lange Nadel wurde vaginal eingeführt um dem Kind  Blut abzunehmen.
Komischer Weise dachte ich genau in dem Moment an autogenes Training. Das habe ich gemacht, da war ich 9. Woran das Unterbewusstsein sich in solchen Momenten  erinnert.
Da lag ich also und atmete ein und aus und in meinem Kopf sagte ich mir "Meine Beine sind entspannt. Ich bin entspannt. Mein Po ist entspannt. Ich bin entspannt"
Genau in dem Moment sackte mein Kreislauf weg und ich wurde Kreidebleich. Neben mir hörte ich meine Mama sagen " Lea, Lea. Hallo? Mein Kind stirbt, machen Sie was."

Die Beine wurden runtergelassen und das Blut getestet.
Da setzten die Presswehen ein. Ich schrie und schrie! Ich schrie mir die Seele und mein Kind aus dem Leib.
Drei Presswehen, dann war das Köpfchen da. Ich sah mein Kind und spürte sie in mir treten.
Ich sagte der Hebamme sie solle Ziehen, diese war aber der Meinung ich müsse das jetzt noch alleine schaffen.
2 Presswehen später lag ein blutiges, kleines Wesen auf meiner Brust.
Das ist also mein Kind. Ich war absolut fasziniert, dass ein fertiger Mensch aus meinem Bauch kam. Was um mich rum geschah? Keine Ahnung.
Ich lag dort, weinte und sagte "Mein Mondkind. Ach mein Mondkind"
Und dann stillte ich zum ersten Mal in meinem Leben.
Da war es also, mein Kind. Meine Tochter.
Meine Mia Helen. Am 11.04.2015 um 22:37Uhr mit 3310gramm und 52cm kam sie und war für mich erstmal nur da. Ich hatte keinen Bezug. Sie war da und ich müde. Wir kuschelten bis 01:00Uhr, dann schlief ich ein und meine Mutter trug meine Tochter bis 6 Uhr morgens durchs Zimmer.
Als ich aufwachte hatte ich es begriffen. Du bist jetzt Mama, für den Rest deines Lebens. Aus der Sache kommst du nicht mehr raus. Und ich muss sagen, dass will ich auch garnicht.

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Kommentare: 5
  • #1

    Hexchen (Freitag, 16 Dezember 2016 08:17)

    Was für ein toller Bericht.
    Danke das Du es mit mir geteilt hat.

  • #2

    Janapapaya (Freitag, 16 Dezember 2016 09:13)

    Danke für den Bericht! Und wie schön für deine Tochter, und groß von dir dass dein Ex für sie da ist und du mit seiner Freundin befreundet bist! Respekt

  • #3

    Chaosfloh (Freitag, 16 Dezember 2016)

    Oh was für ein berührender Bericht, da flossen glatt ein paar Tränchen.

  • #4

    Kathi (Freitag, 16 Dezember 2016 10:55)

    Ein schöner Bericht. Und ja aus dieser Sache kommen wir nicht mehr raus. Mama auf ewig.

  • #5

    Katta (Freitag, 16 Dezember 2016 14:55)

    Wow, sehr schöner Bericht, sehr persönlich und so beeindruckend!