Geburtsbericht der lieben Jule @diegouch

Zwei Geburten die so verschieden und doch in manchen Dingen so ähnlich waren. Die Erste am 23. August 2012, die Andere gut drei Jahre später am 2.11.2015. In die Eine ging ich vollkommen unbefangen, angstfrei und freudig erwartungsvoll hinein und diese wurde....naja ....sagen wir mal das Resultat hat gezählt....😳 Bei der Anderen hatte ich Angst... Vor den Schmerzen ....vor dem Kontrollverlust... Vor Komplikationen... Vor all jenen Dingen die ich bei der ersten Geburt erlebte. Und doch wurde diese meine absolute Traumgeburt, an die ich jeden Tag min einmal gerne zurückdenke. Es war die Geburt von  (noch) Baby Nova. Der Neuen. Ich wurde wohl belohnt, für die beschwerliche Schwangerschaft. Todesübelkeit, Höllensodbrennen und vorzeitigen Wehen ab der 20ssw. Und genau wegen denen hatte ich auch Angst die einsetzende Geburt nicht zu merken. Ich schleppte mich seit der 30ssw mit teilweise richtig schmerzhaften Vorwehen umher und war froh von der ersten Geburt ein paar weitere Geburtsbeginnanzeichen zu kennen damit ich mich nicht nur auf meine Wehen verlassen musste. Juna ,die Große,  kam 8 Tage über ET. Also vermutete ich auch eine Übertragung bei Nova. Und wie zu Erwarten war, der ausgerechnete ET (29.10) verstrich. Dann war drei Tage komplett Ruhe. An einem wunderschönen Sonntag machten wir dann einen Kilometer langen Spaziergang (also wirklich nur einen Kilometer, mehr ging in meinen Zustand echt nicht mehr) aber ich merkte schon diesen mir so bekannten Druck im Becken. Da geht doch was, dachte ich mir. Als wir wieder in unserem Kiez waren fühlte es sich schon an als hätte ich ein offenes Scheunentor zwischen den Beinen. Ich ging zum Bäcker auf die Toilette und mein Gefühl trügte nicht. Ein  Zeichen ! Im wahrsten Sinne. Eine klitzekleine Blutung. "Hah!" dachte ich mir, genau so ging es bei Juna los! Am Abend dann erstmal meine ewig gleichen Wehen. Blutung war wieder weg. Aber das Tor noch offen. So tigerte ich ab 21 Uhr durch die Wohnung. Der Mann saß auf heißen Kohlen und fragte immer wieder was nun sei. #istnichts #habenurwehen . Die Schmerzen waren wie an jeden Abend zuvor. 5-8min Abstände. Joa...ist das jetzt regelmäßig? Naja so ging das ganze noch über 2 Stunden . Dann wurde es langsam fieser. Nicht richtig fies aber halt auch schon so fies dass ich zum tieferen atmen gezwungen worden bin. Wir diskutierten ob wir nun unsere beste Babysitterin stören sollten oder nicht. Mutter Natur gab mir ein Zeichen. Die Blutung setzte wieder ein. Also Nachricht geschrieben und keine 10 min später stand sie schon in der Tür (Nina I love you❤) Und dann ging es für uns los. Sowie ich merkte dass nun das große Kind in besten Händen ist und wir rechtzeitig im Kh sein werden, spürte ich plötzlich die Wehen viel stärker. Konnte mich wohl endlich "fallen lassen " Da die erste Geburt damals nur 4 h dauerte machten mir viele vorher Angst dass das wohl diesmal ne schnelle Nummer werden könnte. Ich betrat also selbstbewusst die Geburtsstation und teilte der Hebamme freundlich aber sehr bestimmt mit: "Habe Wehen. 5-8 Minuten Abstand, tuen auch schon weh, mein zweites Kind, bin Streptokokken positiv" Beim ersten Kind hätten sie mich sicher belächelt und wieder nach Hause geschickt weil ich wirklich noch extrem gut drauf war aber mit der Ansage kam ich Punkt Mitternacht in einen wehenvorbereitenden Raum indem ich letztendlich auch entband. Groß mit Fernsehecke war der. 😁 Während des CTGs schaute sie gleich mal nach dem Muttermund. 4cm. Gleicher Befund wie bei Juna damals. Klasse, also Geburtsbeginn❤. Und dann begann sie wirklich, meine Traumgeburt. Während ich bei Juna damals in etlichen Positionen versuchte den mir unbegreiflichen Schmerz zu veratmen,machte ich mir diesmal keinen Stress. Ich legte eine CD ein (Radiohead Lieder auf Piano falls es jemanden interessiert) und tanzte durch den Raum. Im Ernst,ich tänzelte da nun rum. Und es war so aushaltbar! Das nervigste für mich an der ganzen Geburt war dass ich permanent das Gefühl hatte dass da nicht nur das Baby raus wollte...also ging ich auch aller naselang aufs Klo. Passierte natürlich nichts. So waren wir ne gute Stunde alleine. Der Mann döste auf'm Bett und ich half Nova sich ihren Weg zu bahnen. Just in dem Augenblick als es dann doch anstrengend wurde und die Abstände auf ca 2 min schrumpften kam die Hebamme zur Bestandsaufnahme. 6-7 cm. Juhu. Ans CTG angeschlossen. Nova ging es fantastisch. Das machte mich so glücklich. Junas Geburt endete hektisch und ängstlich weil ihre Herztöne schwächer wurden. Aber Nova schien total unbeeindruckt vom Geschehen. Bewegen konnte ich mich durch das CTG nun weniger aber die Kräfte ließen auch nach. Meine Beine begannen zu zittern. Ich wusste das Schlimmste kommt noch. Und es kam plötzlich sehr schnell. Die letzten unmenschlichen Wehen vor der Pressphase. Vorbildhaft hatte ich bei allen vorangegangenen Wehen die Beine breit gemacht und Nova viel Platz ermöglicht. Doch dann ging es nicht mehr. Nur 2 von diesen abartigen Wehen hatte ich. Ich japste dem Mann zu er solle die Hebamme rufen. Er rief und sie kam in Windeseile. Ich sagte noch "Ich will Schmerzmittel", dann kam die Wehe und mitten in der Wehe einen Druck nach unten den ich in meinem Lebtag vorher noch nie spürte. Ich musste sofort pressen. Die Hebamme half mir schnell auf's Bett und sagte jetzt könne ich mithelfen. Es war 2.15 uhr. Kurz dachte ich 'schade, juna kam damals 2.21 uhr ,das schaffe ich wohl nicht mehr' ich stelle mich bei Presswehen nämlich immer etwas bescheuert an. Aber in diesem kurzen Augenblick merkte ich wie klar ich diesmal war. Kein Kontrollverlust. Alles bewusst und schön! Ich hatte die Geburt voll im Griff (wer sich Gedanken über Uhrzeiten machen kann😁) Also wollte ich Nova nun helfen, so richtig. Trotzdem ging es anfangs irgendwie nicht voran. Ich hatte das Gefühl Novas Kopf bleibt irgendwo stecken. Dann sagte mir die Hebamme ich solle mal hecheln. Hecheln? Ich hab zwei Schwangerschaftskurse gemacht und Atemtechniken waren den Anderen immer zu peinlich also wurde es nicht gezeigt. Danke auch...Aber die Hebamme Vorort, die hat alles richtig gemacht. Zeigte mir genau wie es geht. Und plötzlich merkte ich sie! Ich fühlte genau wie sich Novas Kopf ihren Weg ins Freie bohrte. Das war das abgefahrenste was ich je spürte. Nova und ich, ein Team, von Presswehe zu Nabelschnur. Es fühlte sich perfekt an. Es brannte auch wie Hölle #ganzklar #istimmernochnegeburt aber das war irgendwie total zweitrangig. In meiner unbändigen Konzentration hatte ich gar nicht mitbekommen dass die Fruchtblase noch intakt war. Irgendwann hielt meine Hebamme inne und sagte mir das. "Ich kann sie aufstechen oder wir warten mal noch 1-2 Wehen ab" sagte sie. Ich konnte nichts entscheiden. Also sagte der Mann "wir warten" er lag direkt hinter mir. Quasi in Löffelchenstellung. Bei beiden Geburten brauchte ich ganz viel Körperkontakt. Und ich war so höflich😂 Ich bin ja so schon ein höflicher Mensch aber bei Geburten überschütte ich jeden mit Bitte und Danke😂 Sie sagte nun zu mir ich solle doch die Unterlage auf der ich lag am Po hinten hochziehen dass, falls die Blase platzt, nicht dass der Mann überflutet wird. Das tat ich auch und obwohl sie mir es keine Minute vorher sagte erschrack ich regelrecht bei der nächsten Wehe, die die Blase zum explodieren brachte. #unterlagenochfestimgriff #dermannwartrotzdemnass Ich glaub dann noch zwei mal mehr pressen und Nova rutschte aus mit raus. Und da war es: diese Liebe auf den ersten Blick. Die ich von Juna gar nicht kannte. Die musste erst wachsen (ist mittlerweile aber unbändig!) Trotzdem beschäftigt es mich manchmal noch heute warum es so war. Weil Junas Geburt so beschwerlich war? Weil sie mein erstes Kind war? Weil Nova so aussah wie ich als Baby (narzistische genetische Übereinstimmungssympathie oder so )? Ich durfte mir sie sogleich selber auf die Brust legen und sie schaute mich nur an. Ganz intensiv. Mittlerweile merkte ich auch dass ein Arzt da war #wokamderdennher Er setzte sich kurz zu mir, sagte dass das eine sehr schöne Geburt war #undderwarnurbeimekligenteildabei dann unterhielt er sich mit der Hebamme, ich merkte schon wieder eine sich anbahnende Wehe ,rief es ihnen zu. Sie meinten noch entspannt es wird wohl bald die Plazenta kommen. Aus bald wurde SOFORT! Es war das befreiendste Gefühl überhaupt. Endlich leer. Aber das sah mein Körper noch ein bisschen anders. Und ich verlor noch ne ganze Menge Blut. Man drückte mir immer wieder auf den Bauch um es rauszudrücken. Das war weniger schön. Grund war wahrscheinlich die riesige Plazenta für die gut genährte Nova. Mir fiel schon auf als sie zwischen meinen Beinen lag dass ihre Beine unheimlich speckig für ein Neugeborenes aussahen. Letztendlich verlor ich nen guten Liter Blut und ein paar wenige diffuse Risse mussten genäht werden. Nicht der Rede Wert. Dass ich nicht aufgeplatzt bin wie ne Hose in der Größe 34 an meinem Schwangerschaftskörper grenzte bei Novas Kopfumfang an ein Wunder. Dabei ließen sich 36,5 cm so viel besser gebären als die 'normalen' 35cm bei Juna damals. Da endete die Geburt nämlich mit nem Dammschnitt. Im nachhinein war ich meiner Frauenärztin sehr dankbar dass sie eine letzte "Körpergrößenmessung" in der 30 SSW machte. Danach meinte sie handelt es sich eh mehr um Vermutungen. Und hätte man vorher vermutet dass ich wahrscheinlich ein ü4 kilo baby gebären soll, hätte ich Panik bekommen. Definitiv! Und diese Geburt mit einem halben Kilo schwereren Baby als das Erste war so viel einfacher und bewusster. Vielleicht war es die Erfahrung von der ersten Geburt (ziemlich sicher sogar) und eben Glück dass es Nova in jeder Minute gut ging. Und dass ich diesmal eben nicht so überheblich in die Geburt ging wie bei Juna sondern diesmal schon Ehrfurcht empfand #wasdieimmerallehaben #soschlimmkanndochkeinschmerzsein #ahjadoch Auf jeden Fall war die Mischung so gut, dass ich nach dieser Geburt mit Glückshormonen und Stolz auf mich dermaßen überschwemmt wurde dass das mein Blick auf mich selbst auch nachhaltig verändert hat. 02.11.2015 , 2:55 Uhr Danke Nova für dieses unbeschreibliche Geburtserlebnis ❤

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Kommentare: 2
  • #1

    Zweisindgutdreisindbesser (Freitag, 14 Oktober 2016 09:20)

    Ein wirklich schöner Geburtsbericht, ungeschönt, aber man kann rauslesen dass es wirklich eine schöne Geburt war! Hat Spaß gemacht zu lesen. Danke!

  • #2

    Chrissy (Sonntag, 16 Oktober 2016)

    Wie schön, dass die zweite Geburt so schön war. Das macht ein wenig Mut. Danke fürs teilen deiner Erfahrungen!