Geburtsbericht der lieben Jill @lebenslust__

Da ich heute mal die Ehre habe die Geburt meiner Mia zum Besten zu geben, leg ich am besten gleich mal los.
Aber Vorsicht, schön ist was anderes..am Anfang zumindest.


Ich weiß noch ganz genau, wann es losging.
3.48 Uhr.
Ich merkte ein Ziehen im Bauch und dachte : "Ne ne, soll ja im Rücken ziehen, das ist nix."
Als es allerdings nach 5 Min wiederkam, weckte ich vorsichtig dieses schnarchende Etwas neben mir.
"Ey, ey du! Wach auf! Glaube es geht los, da zieht's so komisch im Unterleib."
Ein halb zermatschtes Gesicht drehte sich langsam schmatzend, Augen geschlossen, um, sein Kissen umarmend und murmelte, immer noch die Augen fest verschlossen : "Können wir nicht bis Morgen warten? Bitte. Jetzt noch nicht..."
"WIE BITTE?"
Leichte Hysterie meinerseits überkam mich, die Hormone rauschten durch meinen Körper und das zermatschte Gesicht wachte plötzlich, leicht erschrocken, auf, und offenbarte mir erst vor einer halben Stunde eingeschlafen zu sein..
Dass ich in dem Moment am liebsten heulen wollte, können sich glaub ich nur die Frauen in dieser Situation vorstellen.
Trotzdem war ich mir nicht 100%ig sicher, hätten ja auch Vorwehen sein können.
Vorwehen die immer schmerzhafter wurden?
Keine Ahnung dachte ich, mach das ja jetzt grad zum ersten Mal hier durch.

Ich redete mir also ein, dass es bestimmt gleich vorbei sein würde.
Mein Freund der langsam wach wurde, sollte mir ein Bad einlassen.
Sollten die Wehen schlimmer werden, sind es Richtige, sollte es besser werden wie vor zwei Wochen, hab ich wahrscheinlich nur wieder Durchfall.
Es wurde allerdings nicht besser, es wurde zum reinsten Horrorszenario.
Scheiße tat das weh.
In diesen Morgenstunden schrieb ich mir systematisch die Minuten auf und alle 2-5 Minuten kam eine Welle des Schmerzes, allerdings NUR im Unterleib, nix Rücken.
Daraufhin rief auf Bitten meines Freundes mal im Krankenhaus an.
Kann ja nicht schaden.

"Äh Hallo? Ja, ehm, also ich glaube, ich bin mir nicht ganz sicher, ich glaube mein Kind kommt. Aber die Zeitabstände verwirren mich?! Müssten sie nicht regelmäßig kommen?"
Die Frau am Telefon, sichtlich durch den Hörer verwirrt : "Wie sind denn die Abstände?"
"Mh, naja, also so alle 2-5 min."
"Und wie lange geht das schon so?"
"Ja so über eine Stunde schon."
Diesmal, nicht mehr ganz so ruhig :
"Dann hören Sie jetzt verdammt nochmal auf auf die Uhr zu starren, packen Sie ihre Sachen und kommen Sie SOFORT hier her!"
Und genau in dieser Sekunde kam die nächste Hammerwehe sodass ich nur noch ein "Bis gleich" hervorpressen konnte und auflegte.
In der Zeit hatte mein Freund schon längst seinen Opa angerufen der unten freudig, grinsend von einem Ohr zum anderen, wartete mit den Worten : "Na endlich! Auf den Anruf hab ich schon seit Tagen gewartet!"

Im Auto kam ich ein wenig runter.
Ich liebe es im Dunkeln Auto zu fahren.
Die Lichter beruhigen mich, ich atmete ruhiger und sagte "Mh, scheint keine mehr zu kommen von diesen Wehen, war wohl doch falscher Alarm."
Wie man vielleicht merkt, ich hatte sie nicht mehr alle, wollte und KONNTE es einfach nicht einsehen dass es heute, endlich, los ginge.
Mein Freund schaute mich sichtlich verstört an und direkt kam als Ohrfeige getarnt die nächste Hammerwehe.
Wir kamen im Krankenhaus an.


Im Krankenhaus wurde sich dann auch direkt um mich gekümmert und ich realisierte nun endlich, es wird heute soweit sein.
Ich werde heute noch mein Baby im Arm halten.
Aber bis dahin sollte es noch dauern.

An's Ctg angeschlossen wurden meine Schmerzen so schlimm, dass man mir erstmal ein Zäpfchen gab.
Ob das was gebracht hat?
Natürlich nicht.
Genauso gut hätten sie mir Zucker in Arsch blasen können, hätte davon wahrscheinlich mehr gemerkt.
Ich unterschrieb Zettel, kreuzte irgendwelche Fragen an und wollte alle 2 Minuten sterben als diese unmenschlichen Schmerzen über mich kamen.
Scheiße, dachte ich, das überlebe ich nicht.
Und was erzählen immer alle das würde im Rücken ziehen??
Nichts da, gar nichts!

Wir wurden zum Frühstück geschickt.
Ich aß ein halbes Brötchen, wurde verrückt wenn mein Freund eine rauchen gehen wollte, rief meine Mutter in Köln an die sofort ins Auto sprang um zu uns nach Hannover zu fahren und biss mir selbst in den Arm, um vor Schmerzen nicht los zu brüllen.

20 min später ca., ging ich auf Toilette.
Man hätte denken können, ich hätte eine Flasche Whisky gekippt denn ich übergab mich, und das nicht zu wenig.
Ist ansich ja auch nicht schlimm, nur leider verfehlte ich die Toilette.
Ich kotze also alles an, auch mich, kam torkelnd und verschwitzt raus, fiehl in die Arme meines Freundes der mir dann erstmal neue Sachen zum Anziehen brachte.

Irgendwann wurde ich dann in mein "Geburtsgewand" geschmissen und in ein Zimmer geschoben.
Man kontrollierte den Muttermund...1 cm offen nach fast 9 Stunden.
Eine Welt brach für mich zusammen.
Das schaff ich nicht, nein, ich war am Ende meiner Kräfte, fing an zu weinen.
In jeder Wehenpause brach ich mittlerweile zusammen, dass sogar die hoch katholische Hebamme auf mich zukam und meinte "Ich denke, es wird Zeit für eine PDA...Sie werden das so nicht schaffen."

Danke!!!

Der Arzt machte seine Sache super und als er mich fragte, ob ich das denn überhaupt wirklich möchte kam von mir nur noch ein :  "Und wenn ich mein Kind im Rollstuhl großziehen muss, geben sie mir jetzt endlich den Scheiß!"
Gesagt getan.

Ich konnte es nicht glauben, aber ab da an lief es.
Ich lag einfach da, mittlerweile im Kreissal, lachte wie eine Irre, konnte mich ganz normal mit dem Kindsvater unterhalten und schwupp diewupp, nach weiteren 2 Stunden,  war der Muttermund auf 9 cm.
Meine Fruchtblase wurde noch zwischendurch zum platzen gebracht, eine Ärztin wurde dann allerdings gerufen da das Fruchtwasser grün war aber keine Panik, meine Mia hatte sich nur mal entleeren müssen. Wir standen also beide unter Stress.
Ich konnte es ihr nicht verübeln.

Und dann sollte ich drücken.
Das tat zwar weh, klar, aber dann..dann auf einmal klatsche man mir etwas zwischen die Beine und dieses Etwas schrie, zusammengekauert und voller Blut, voller Leben, lag es da auf meinem Schenkel.
Ich konnte meinen Augen nicht trauen.
DAS habe ICH erschaffen?
Wirklich?
Das ist ja ein richtiges Lebewesen!!
Das da lebt, es atmet, es schreit, es ist ein Mensch! (Als ob ich ein Alien erwartet hätte.)

Dieses Gefühl, dieses Ding endlich kennen zu lernen, dieser "Schock" war so unfassbar, so unglaublich, dass ich es einfach nie nie nie wieder vergessen werde.

Sie nahmen sie mir wieder weg, trockneten sie kurz und legten sie mir anschließend auf die Brust.
Ich starrte diese Schönheit an, völlig fasziniert und wusste nicht was ich sagen sollte.
Nicht im Stande irgendwas von mir zu geben, einfach nur paralysiert von diesem Erlebnis.

Sie machten alle Tests mit ihr, gaben sie mir wieder und sie schrie einfach nur.
Sie schrie und schrie und ich irgendwann, etwas verzweifelt : "Ähm, was soll ich dagegen jetzt machen?"
"Na vielleicht geben sie ihr ja mal was zu essen?"
Gesagt getan.
2 Stunden (!) trank dieses zarte kleine Wesen meine Brust wund und ich starrte sie einfach nur weiter an.
Weiter voller Verliebtheit.
Das hat sich übrigens bis heute, fast vier Jahre nach diesem unglaublich schrecklichen und schönsten Tag meines Lebens, nicht geändert.
Man ist einfach verliebt in sein Kind.
Durch und durch.

Die frisch gebackene Tante mit Mia.

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Kommentare: 5
  • #1

    Alice (Sonntag, 09 Oktober 2016 20:35)

    So schön geschrieben *_*

  • #2

    Carina (Montag, 17 Oktober 2016 21:34)

    Du bist ja witzig "was soll ich denn jetzt dagegen machen"

  • #3

    Dorie (Samstag, 29 Oktober 2016 23:34)

    Wow, das ist ein wirklich erschreckendes und schönes Erlebnis zu gleich. Wirklich sehr toll geschrieben!
    Das vermittelt das ganze mal etwas anders als die ganzen Hollywood-Versionen von Geburten, wo´s ratzfatz geht. ;)
    Liebe Grüße, Dorie
    www.thedorie.com

  • #4

    Ethelyn Mcferren (Freitag, 03 Februar 2017 17:12)


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