Geburtsbericht Vince

Am Sonntag den 04.10.15 um 14:30
verabschiedete sich unsere Große von Mamas Babybauch mit einem Küsschen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon seit 7 Uhr morgens regelmäßige aber kurze Wehen. Bisher lief alles wie in meiner Wunschvorstellung. Doch dann kam alles anders. Aber von vorn....

Wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus, da ich um 15 Uhr einen CTG-Kontrolltermin hatte. Am nächsten Tag sollte ich eingeleitet werden, da ich einen insulinpflichtigen Gestationsdiabetes hatte. Im Kreißsaal angekommen musste ich schon ganz schön veratmen. Mein Mann und ich wurden in den Kreißsaal Nr. 1 gebracht und die liebe Hebamme legte mir das CTG an. Währen es lief konnten mein Mann und ich ungläubig beobachten wie sie allerhand Zeugs, darunter auch Babykleidung, auf der Arbeitsplatte richtete. Beim Vorbeigehen schaltete sie sogar die Wärmelampe über dem Wickeltisch an. Spätestens als sie das Namensarmbändchen beschrieb, bekam ich hysterisches Gacker- Lachen. Ich:" Ähm, ich wollte nach dem CTG eigentlich wieder heim gehen."                                

Hach, da erklärte sie mir ganz lieb, dass ich JETZT mein Kind bekomme. Ich war ja bereits Mama und sehr Kreißsaal erfahren. Hatte ich doch bei der Geburt von Kind Nr 1, zwei Tage dort verbracht. So schnell bekommt man kein Kind, dachte ich.                                                                                                 

Nach dem CTG und der nachfolgenden Untersuchung war der MUMU 3cm offen. Das war er allerdings schon eine Woche vorher beim FA gewesen. Mein Mann und ich durften im Kreißsaal spazieren gehen und machten allerhand Unfug. Alle drei Minuten krümmte ich mich und musste arg pusten. Aber nach 30sek war der Spuk jeweils vorbei und ich machte wieder Witzchen. Wir waren völlig vollgepumpt mit Glückshormonen und Aufregung. Schließlich hatte die Hebi gesagt, er kommt heute. So wie ich aber meine Wehenpausenluftkicke vollführte rechneten wir beide nicht mit einer Geburt vor morgen früh. Gegen Fünf Uhr wollte ich in die Badewanne. Ich war richtig Wassersüchtig in den Schwangerschaften geworden und freute mich einfach auf die riesen Badewanne. Gesagt, getan. Und plötzlich war  Schluss mit lustig. Ab hier ging die Geburt los.

 Ich lag also in der Badewanne und die Ersten Minuten fühlten sich auch sehr entspannend an. Ich lehnte mich zurück und fuhr Kopf und Körper komplett runter.Und da kam, mit aller Macht, die Erste „richtig schmerzhafte“ Wehe. Da war nichts mehr mit veratmen oder pusten. Ich versuchte eine angenehmere Position zu finden und wand ich mich im Wasser. Sogar den Vierfüßler testete ich auf Anraten der Hebamme aus. Aber ich hatte nicht das Gefühl auch nur eine weitere Wehe zu überleben. Helfen, tat mir das geräuschvolle Ausatmen. Eine Art Ausstöhnen. Damit rettete ich mich über die Wehenspitze und dann wurde es auch sehr schnell wieder ertragbar. Nach ein paar solcher Wehen bekam ich ein ganz ungutes Gefühl, ich wollte nur noch raus aus dem Ding. Zurück auf dem Kreißbett war mir elend zu Mute. Die Wehen kamen ununterbrochen, waren höllisch stark und ich wußte: ich ertrage keine weitere. Eine PDA musste her. Sofort. Um mich herum begann der obligatorische Papierkrieg und ich konnte nur noch denken, das geht alles zu langsam. Ich brauche jetzt eine Lösung. Ich ertrage keine weitere Eröffnungswehe. Und während ich echt am Ende war, platze mir die Fruchtblase und die Erste Presswehe kam unmittelbar danach.

Ich:“ Alles klar, scheiß auf die PDA, er kommt jetzt.“

Und die Hebi:“ Nicht pressen, hecheln. HECHELN!!!“

Ich verhechelte die Wehe, setzte mich auf und sagte todernst: Mädels, wir kriegen jetzt dieses Kind und ich presse jetzt mit.“ Hebi und Ärztin lachten bereits seit dem Blasensprung und murmelten etwas von „zweitem Kind“ und „geht immer schneller“ zogen sich aber hastig ihre Handschuhe an und montierten die Beinschalen. Die nächste Presswehe kam und ich schob mit. Drei mal und der Kopf war da. Und während die Hebi noch was sagte, wie „ wollt ihr mal den Kopf anfassen..“ da merkte ich die Wehe ist nochnicht ganz weg und presste weiter. Da war er. Das ganze Kind in einer Wehe raus. Da lag mein Sohn und schrie, mit viel zu kurzer Nabelschnur um in meine Arme zu können. Daher wurde diese direkt von der Hebamme getrennt und ich nahm mein zweites Wunder in meine Arme. Während mein Mann neben mir vor Glück, Dankbarkeit und Stolz weinte, sagte ich mindestens fünf Mal Willkommen. Willkommen mein kleiner Schatz. Bis dahin war es eine Traumgeburt. So hatte ich es mir immer gewünscht. Dann kam alles anders.

Ich denke was dann geschah war ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einmal die schnelle Geburt, dann die Durchtrennung der Nabelschnur,ohne ein abpulsieren abzuwarten und dass der kleine Mann einfach zu viel Fruchtwasser in den Atemwegen hatte. Nach ein paar Minuten auf meiner Brust,fiel mir auf, dass der Zwerg blaue Lippen bekam. Ich sagte sofort Bescheid #manistjavomfach und vermutete auch dass er nicht mehr atmet. Die Ärztin war gerade mit seinem Blut zum Testen im Nebenraum (Abgar und so) und die Hebi mit mir beschäftigt, denn ich blutete plötzlich schwallartig und die Stimmung war eh angespannt.Sie hörte ihn noch auf meiner Brust ab und rief auch direkt die junge Assistänzärztin. Der kleine hatte tatsächlich die Atmung eingestellt.
Mein Mann und ich hatten diese Situation tausendmal besprochen. Ich hatte sogar noch am selben Tag nochmals zu ihm gesagt: erschrecke nicht, wenn was passiert, er ist nicht so taff wie seine Schwester. Wichtig ist nur, dass du ihn nie alleine läßt. Das musst du mir schwören. Und so kam es dann, dass mein Mann der Ärztin, der Hebamme und unserem blitzeblauen Sohn ins Reantimationszimmer folgte.  Ohne der Bitte, bei mir zu bleiben auch nur eine Sekunde Folge zu leisten. Weg waren sie. Alle. Ich lag breitbeinig blutend in den Fußschalen auf dem Kreißbett und starrte in die OP Lampen. Mehr Licht war nämlich nicht an. Bis auf die Funzel der Wärmelampe über dem Wickeltisch. Draußen rannte das herbeigerufene Anästhesieteam vorbei und ich betete laut. Jedenfalls hat mir das Tage später mein Mann erzählt. Ich lag in diesem Raum und betet um das Leben meines Kindes. Irgendwann stand mein Mann vor mir und sagte : Alles gut. Er atmet.
Und dann kamen sie auch schon um die Ecke mit dem kleinen Schreihals. Ich dachte irgendwas mit:" du wirst mir noch ganz schön Ärger machen kleiner Mann." Und bedankte mich sachlich bei der sehr netten Anästhesistin. Ich habe sie weder gefragt, was los war, noch was sie gemacht hatten. Ich wollte nur wissen,ob ich das gemanagt bekommen hätte bei einer Hausgeburt. Und sie nickte lächelnd. (Im Nachhinein eine komische Frage und eine komische Antwort) Eine halbe Stunde dauerte es dann noch bis ich endlich aufstehen durfte. Ich zog mich wieder an und ging raus auf den Flur, auf dem mein Papa seit 1,5 Std wartete. Mein Mann und unser kleiner Bub waren schon da. In diesem Moment entstand auch jenes, vor ein paar Tagen gepostete, Bild von mir.
Ich posierte kurz für seine Handykamera und marschierte Richtung Bad denn da stand eine Waage. Mensch Kinder. Nur fünf Kilo waren von +30 weg. Kaum zu glauben, aber darüber habe ich mir in diesem Moment einen Kopf gemacht. Ich war so vollgepumpt mit Adrenalin Oxytocin und was da noch so ausgeschüttet wird, wenn man ein Baby aus sich rauspresst. Mädels vom Kaiserschnitt, lasst euch gesagt sein. Da geht's vorwärts. Eine Erfahrung Wert.
Jedenfalls war ich dann eigentlich durch und bereit die Heimreise anzutreten. Stand immerhin schon wieder voll bekleidet , dumme Witze reissend auf dem Flur. Wie uns aber allen klar sein sollte, war das nicht drin. Und so schickte ich meinen Mann zum Macces #mamahattehunger und den Koffer holen. Vorher machte ich allerdings noch die U1.
[Bei meinem ersten Kind ,lag ich nach zwei Tagen Kreißsaal mit drölfzig Infusionen und einer achtfach aufgespritzen PDA im Bett und sah mit einem Auge bei der U1 zu]

Unser #eristda Bild war dann übrigens ein Foto vom Big Mäc Maxi Menü. BabyV kam am 04.10.15 mit 3830g und 53cm um 20:36 zur Welt. Abgar(10/10/7) dank einer Anpassungsstörung, die mit Absaugen und ein bissel O2 auf die Nase, gut händelbar war. Im Verlauf fiel er noch drei Mal durch den Hörtest #sorryihrsohnisttaub #ichsagjaderwirdmirnochärgermachen Bis eine ältere Nachtschwester dann den Test durchführte. Trotz insulinpflichtigem Gestationsdiabetes waren seine Werte jederzeit regelrecht.

 

 

 

Nach drei Tagen konnten wir glücklich und dankbar im die ambulante Weiterbehandlung durch meinen Frauenarzt entlassen werden.
 


3Wochen später landeten wir auf der Intensiv und mein Bauchgefühl "der wird uns noch ganz schön Sorgen machen" bewahrheitete sich..lest ihr hier.

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Kommentare: 8
  • #1

    Tamara (Freitag, 02 September 2016 22:06)

    Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper... kann man glaub ich nur nachvollziehen, wenn man auch schon ein Kind bekommen hat... super geschrieben :)

  • #2

    Franzi (Freitag, 02 September 2016 22:49)

    Grade atemlos Deinen Geburtsbericht gelesen. Gut geschrieben. Prägend sowas. Hab gleich selbst an die Geburt meines Sohnes gedacht (7/14, er müsst ähnlich alt wie eure große sein), er würde auch mit raus genommen, kurz war es hektisch (und kritisch?), ich hab das kaum mitbekommen.. Unendlich dankbar dennoch. Eine Geburt, echt, ein gesundes Kind, immer noch ein Wunder. Und das Mc-Bild

  • #3

    Jenny (Montag, 05 September 2016 13:50)

    Dänke für den Bericht! Ich habe meine erstes Kind im März bekommen und bin immernoch sehr emotional was dieses Ereignis angeht. Du hast so recht damit dass man es einfach mal erlebt haben muss... Man fühlt sich danach einfach krass!!!! Heldin! Ein paar Tränen sind gerade gekullert da ich die Angst und sorgen die du hattest nachfühlen kann. Wundervoll dass alles gut gegangen ist.

  • #4

    Kathi (Montag, 05 September 2016 14:42)

    Herrjeh... mitgefiebert bis zum big Mac Menü.

  • #5

    Firlemädchen (Donnerstag, 20 Oktober 2016 20:48)

    Mein Sohn kam auch so schnell und hat seine Geburt verschlafen, der wollte erst nach gefühlten Ewigkeiten brüllen. Eine Wassergeburt!

  • #6

    Caro (Mittwoch, 29 März 2017 10:38)

    Puh was ein Geburtsbericht... da bin ich direkt ganz sentimental geworden � Super, dass am Ende alles gut war.... solch eine APGAR Zahlenfolge sieht man selten.. oft ist eher der Anfang schlecht und dann wird es besser...

  • #7

    Steffi (Samstag, 03 Juni 2017 19:48)

    Ein toller Bericht! Von Spannung über Tränen bishin zum Lachen.
    Ja mag auch an meinen Schwangerschaftshormonen liegen.
    Aber bei meinem ersten Sohn war es schon ähnlich... �
    Für ihn habe ich nur 4 Stunden gebraucht, er schrie anfangs nicht und danach musste mein Mann mit was von MC Donalds holen ���

    Vielleicht hast du ja Lust auch bei mir vorbei zuschauen �
    https://goldkaeferblog.wordpress.com/2017/05/06/warum-ich-meiner-hebamme-so-dankbar-bin-mit-kleinem-geburtsbericht/

    Liebe Grüße,
    Steffi vom Goldkäferblog

  • #8

    Christiane (Samstag, 03 Juni 2017 23:11)

    Gänsehaut und Tränen in den Augen. Hut ab.